23:43 20 Oktober 2018
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    Russische Botschaft in Berlin (Archivbild)

    Wie im Irakkrieg: Russischer Botschafter in Berlin kommentiert Skripal-Vorwürfe

    © Sputnik / Igor Sarembo
    Politik
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    Der russische Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew, hat sich zum Giftanschlag in Großbritannien geäußert und ist für eine gründliche Untersuchung des Falles eingetreten. Das schreibt die Zeitung FAZ am Samstag unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

    Die Vorwürfe, Russland stehe hinter dem Anschlag auf Sergej Skripal, wies der Botschafter in einem Gespräch mit dpa kategorisch zurück. „Massenvernichtungswaffen auf dem Staatsgebiet eines Nato-Mitgliedstaates vorzubereiten, wozu man ein professionelles chemisches Labor und Experten benötigt, wobei die Folgen unumkehrbar sein können – das ist nicht einmal aus der Welt von Science Fiction, sondern eher der Psychiatrie“, sagte Netschajew.

    Der russische Diplomat zog Parallelen zwischen dem Vorgehen Großbritanniens im Fall-Skripal und der Begründung der USA für den Irakkrieg im Jahr 2003, als die Amerikaner unter dem Vorwand, der Irak würde über Massenvernichtungswaffen verfügen, das Land angegriffen hatten.

    „Ich möchte daran erinnern, dass wir all das schon mehrmals erlebt haben. Zum Beispiel bei der Vorbereitung der Aggression gegen den Irak, als durch Lügen und Fälschungen Grundlagen für die militärische Invasion geschaffen worden sind“.

    Laut Netschaejew erinnert dieses Herangehen Großbritanniens an den Kalten Krieg. Wenn man die jüngsten Entwicklungen verfolge, entstehe der Eindruck, jemand wolle wirklich dieses Szenario verwenden. Das Ziel bleibe, Russland für immer von Europa und von der EU abzuschotten. Russland sei aber interessiert an engen und gutnachbarlichen Beziehungen zu Europa und Deutschland, betonte der Diplomat. 

    „Wir hoffen sehr, dass unsere deutschen Partner nicht nach fremden Regeln spielen werden, dabei noch mit geschlossenen Augen. Das liegt kaum in unser aller Interesse. Die deutsch-russischen Beziehungen haben eine strategische Bedeutung“, unterstrich Netschajew. 

    Zuvor hatten die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union beim EU-Gipfel in Brüssel die Entscheidung getroffen, den EU-Botschafter in Russland, Markus Ederer, zu Konsultationen abzuberufen; am Wochenende soll er laut FAZ Gespräche mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini führen. Bundeskanzlerin Angela Merkel schließe weitere Schritte gegen Russland nicht aus wolle sich dabei jedoch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron abstimmen, berichtete die Zeitung.    

    Zu möglichen Gegenmaßnahmen Russlands sagte Netschajew: „Das ist nicht unser Weg. Wir treten für eine offene und gründliche Untersuchung des Falles ein“. Russland werde sich aber nicht unter Druck setzen lassen und keinem erlauben, mit ihm eine Sprache von Ultimaten zu sprechen. „Es ist absolut aussichtslos zu fordern, dass wir etwas eingestehen sollen, nur weil London es will“, so Netschajew.

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