01:34 13 November 2018
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    Russische Botschaft in Berlin

    „Keine andere plausible Erklärung“: So rechtfertigt Berlin Diplomaten-Ausweisung

    © AFP 2018 / Odd Andersen
    Politik
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    Das Auswärtige Amt hat am Montag gegenüber Sputnik die kurz davor bekannt gegebene Ausweisung russischer Diplomaten mit dem Fehlen einer „anderen plausiblen Erklärung“ im Skripal-Fall gerechtfertigt.

    Die Bundesregierung habe in enger Abstimmung innerhalb der Europäischen Union und mit Nato-Verbündeten entschieden, vier russische Diplomaten aufzufordern, die Bundesrepublik innerhalb von sieben Tagen zu verlassen, teilte eine Außenamtssprecherin auf Anfrage von Sputnik mit. Die Aufforderung sei bereits der russischen Botschaft übermittelt worden.

    „In der vergangenen Woche hat der Europäische Rat der Bewertung der britischen Regierung zugestimmt, dass für den Giftstoffanschlag auf Sergej Skripal und dessen Tochter Julia in Salisbury eine russische Verantwortung in hohem Maße wahrscheinlich ist und es keine andere plausible Erklärung gibt“, hieß es weiter.

    Russland habe es jedoch bislang versäumt, zur Aufklärung des Falles beizutragen und angemessen zu reagieren.

    „Die Ausweisung der vier Diplomaten ist ein starkes Signal der Solidarität mit Großbritannien und signalisiert die Entschlossenheit der Bundesregierung, Angriffe auf unsere engsten Partner und Alliierten nicht unbeantwortet zu lassen“, so die Sprecherin ferner.

    Der Schritt werde auch mit einer Cyber-Operation gegen die Bundesregierung in Zusammenhang gebracht.

    Hacker (Symbolbild)
    © Sputnik / Wladimir Trefilow

    Zur selben Zeit bot die Sprecherin jedoch Platz für einen Dialog an: „Bei aller Entschlossenheit, mit der wir heute gemeinsam mit unseren Verbündeten und Partnern reagieren, bleiben wir auch weiterhin zum Dialog mit Russland bereit.“

    Zuvor hatten 14 europäische Länder, darunter Deutschland, Frankreich, Polen und Tschechien, im Zusammenhang mit der Causa Skripal russische Diplomaten ausgewiesen. Die USA wiesen insgesamt 60 russische Diplomaten aus. Dabei handelt es sich um 48 Mitarbeiter der russischen Botschaft und zwölf Mitarbeiter der russischen Mission bei der Uno.

    Die Vergiftung des ehemaligen Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU und Überläufers Sergej Skripal hat die Beziehungen zwischen Russland und Großbritannien schwer belastet. London machte Moskau für den Anschlag verantwortlich und beschloss daraufhin die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten. Russland hat anschließend entschieden, ebenso viele britische Diplomaten auszuweisen.

    Am 5. März war bekannt geworden, dass Skripal und seine Tochter in einem Supermarkt in der britischen Stadt Salisbury bewusstlos aufgefunden und mit Anzeichen einer Vergiftung in ein Krankenhaus gebracht wurden. Zwei Tage später teilte der Chef der britischen Anti-Terror-Einheit mit, dass die beiden höchstwahrscheinlich Opfer eines gezielten Angriffs mit einem Nervengift geworden seien.

    Sergej Skripal ist ein ehemaliger Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU und Überläufer. 2006 wurde er wegen Spionage für den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 zu 13 Jahren Haft verurteilt. Er kam jedoch im Juni 2010 im Zuge eines Austausches inhaftierter Spione zwischen Russland und den USA auf freien Fuß. Kurz darauf wurde Skripal in Großbritannien Asyl gewährt.

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    Tags:
    Spion, Cyberangriff, Ausweisung, Diplomaten, Vergiftung, Auswärtiges Amt, Bundesregierung, EU, NATO, Sergej Skripal, Großbritannien, Deutschland, USA, Russland