01:03 22 Juli 2018
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    ein Ort, wo Sergej Skripal und seine Tochter gefunden wurden

    Geheimtreff Skripals vor Vergiftung? – Politologe kommentiert neues „Medienleck“

    © REUTERS / Peter Nicholls
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    Der russische Politologe Maxim Scharow sieht hinter den Meldungen in den britischen Medien über ein angebliches Geheimtreffen des früheren Doppelagenten Sergej Skripal am Tag dessen Vergiftung einen Versuch, die Spuren zu verwischen und die Öffentlichkeit von der Wahrheit abzulenken.

    „Meines Erachtens ist das, was die britischen Medien heute über ein mutmaßliches Treffen von Skripal vor seiner Vergiftung schreiben, ein abermaliger Versuch, die Weltöffentlichkeit auf die falsche Spur zu bringen“, so Scharow.

    Selbst wenn das Handy Skripals an dem besagten Tag abgeschaltet gewesen wäre, würden die britischen  Geheimdienste doch wissen, mit wem sich der Ex-Spion getroffen hätte, fuhr der Politologe fort. Als früherer Geheimdienstagent sei Skripal bestimmt jederzeit beobachtet worden.

    Scharow zufolge versuchen die britischen Geheimdienste, die Aufmerksamkeit von der Version abzulenken, die eigentlich zur Hauptversion werden müsste – nämlich dass Skripal wahrscheinlich von den britischen Geheimdiensten vergiftet worden sei.

    Die britische Zeitung „The Sun“ hatte zuvor unter Verweis auf eine nicht näher bezeichnete Quelle berichtet, dass der Ex-Oberst der russischen Militäraufklärung GRU Sergej Skripal und seine Tochter Julia am Tag des Giftanschlags im britischen Salisbury ein geheimes Treffen durchgeführt haben könnten. Fachleute, die an den Ermittlungen des Vorfalls beteiligt sind, schließen laut dem Blatt nicht aus, dass die Telefone von Skripal und seiner Tochter vier Stunden lang ausgeschaltet gewesen waren und daher keine GPS-Signale empfangen konnten.

    „Eine überzeugende Erläuterung, dass ihre Telefone am Morgen des Angriffstages ausgeschaltet waren…“, so Scharow. „Ein wahrscheinlicher Grund dafür kann sein, dass sie sich mit jemandem treffen und dabei außer Sicht bleiben wollten. Dies entspricht den Methoden, die Skripal verwendet hatte, als er Aufklärer war.“

    Am 4. März waren der 66-jährige ehemalige russische GRU-Agent und übergelaufene Spion Sergej Skripal und seine Tochter Julia in der britischen Stadt Salisbury bewusstlos aufgefunden und mit Anzeichen einer Vergiftung in ein Krankenhaus gebracht worden. Sie sollen sich zurzeit im Koma befinden.

    London behauptet, Skripal und seine Tochter seien mit dem Stoff A234 vergiftet worden, und wirft Moskau vor, in das Attentat verwickelt zu sein, weil der Giftstoff nach Angaben von Experten sowjetischer Herkunft war. Die britische Premierministerin Theresa May ließ in diesem Zusammenhang 23 russische Diplomaten des Landes verweisen. Russland weist die Vorwürfe zurück und hat ebenso viele britische Diplomaten ausgewiesen.

    Nach Großbritannien verweisen auch die USA 60 russische Diplomaten des Landes. Deutschland will seinerseits vier russische Diplomaten ausweisen. Auch Polen, Finnland, Tschechien, Rumänien, Kroatien, das Baltikum und viele weitere europäische Länder schlossen sich der Ausweisungswelle an.

    Der russische Präsident Wladimir Putin hatte die Vorwürfe als „Quatsch, Unsinn, Nonsens“ bezeichnet, denn es sei undenkbar, dass sich jemand in Russland so kurz vor der Präsidentschaftswahl und der Fußball-Weltmeisterschaft solche Aktionen erlauben würde. Der Staatschef betonte, Russland verfüge über keine C-Waffen, die ja zuvor unter Aufsicht internationaler Beobachter entsorgt worden seien. Außerdem sei Moskau bereit, mit London bei den Ermittlungen im Fall Skripal zusammenzuarbeiten.

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    Tags:
    auf die falsche Spur bringen, Handys, Spuren verwischen, Geheimtreff, The Sun, russische Militäraufklärung GRU, britische Geheimdienste, Außenministerium Russlands, Wladimir Putin, Theresa May, Maxim Scharow, Julia Skripal, Sergej Skripal, Salisbury, Baltikum, Kroatien, Rumänien, Tschechien, Polen, Finnland, Frankreich, Deutschland, USA, Großbritannien, Russland
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