08:11 19 November 2018
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    Giftaffäre: US-Experte nennt Russlands schlimmsten Fehler

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    Politik
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    Mindestens 20 Länder sind dem Beispiel Großbritanniens gefolgt und haben russische Diplomaten im Zusammenhang mit der Vergiftung des Ex-Spions Sergej Skripal in Südengland ausgewiesen.

    Der US-Experte Daniel McAdams, Exekutivdirektor des Ron-Paul-Instituts für Frieden und Wohlstand, hat im Gespräch mit Sputnik die schwächste Stelle Russlands in dieser Affäre genannt.

    Der Öffentlichkeit seien keine Beweise vorgelegt und keine Vergiftungsopfer gezeigt worden, so McAdams. „Der britische Supreme Court hat in Wirklichkeit die Worte von Theresa May widerlegt, nachdem sie gesagt hatte, sie sei überzeugt, dass (Skripal und seine Tochter) mit einem Nervengift von militärischer Qualität, und zwar mit dessen Unterart ‚Nowitschok‘, vergiftet worden seien. Der Supreme Court hat dies anhand einer Blutanalyse widerlegt. Es handelt sich also um einen gut koordinierten Angriff, der möglicherweise von den USA und Großbritannien unternommen wurde“, so der Experte.

    Ihm zufolge sollte im Skripal-Fall nicht nach Logik gesucht werden, weil westliche Massenmedien sich vorwiegend damit befassen, Theorien über einen Wahnsinnigen zu verbreiten. „Das ist zwangsläufig so, wenn man versucht, eine Aggression gegen ein anderes Land zu entfesseln. Das war mit Gaddafi, Saddam Hussein, Assad und Kim Jong-un der Fall.“

    Eine ernstliche Schwachstelle der russischen Seite bestehe darin, dass sie weiterhin nach irgendeiner Wahrheit suche, während es diese nicht gebe, so McAdams.

    „Das sind keine Partner, die in geopolitischer Hinsicht verantwortungsbewusst handeln. (…) Ich denke, für Russland wäre es vernünftiger, sich zu besinnen und folgendes zu begreifen: Es hat nicht mit ehrlichen Vermittlern, nicht mit ehrlichen Akteuren zu tun. Das ist ein abgekartertes Spiel“, so der Experte.

    Sergej Skripal, einst Oberst des russischen Militärnachrichtendienstes GRU, war 2004 als Agent des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 entlarvt und von einem russischen Militärgericht wegen Hochverrats zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Sechs Jahre später wurde Skripal mit drei weiteren westlichen Spionen gegen zehn vom FBI verhaftete russische Agenten ausgetauscht, unter ihnen die als „Agentin 00Sex“ bekannte Anna Chapman.

    Am 4. März dieses Jahres wurden der 66-jährige Skripal und seine Tochter Julia in der britischen Stadt Salisbury bewusstlos aufgefunden und mit Anzeichen einer Vergiftung in ein Krankenhaus gebracht, wo beide ins Koma fielen.

    Obwohl die Umstände noch unklar sind, machte die britische Premierministerin Theresa May Russland für den mutmaßlichen Giftanschlag verantwortlich und verwies 23 russische Diplomaten des Landes. Russland weist den Vorwurf zurück und fordert eine objektive Aufklärung. Nach Großbritannien haben Deutschland und zahlreiche weitere westliche Staaten am Montag russische Diplomaten ausgewiesen. Allein die USA weisen 60 Russen die Tür.

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    Sergej Skripal, Großbritannien, Russland