00:31 21 Oktober 2018
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    US-Soldat vor dem Gaskammer in KZ Dachau (Archivbild)

    Sacharowa spricht von „tödlichen Menschenversuchen mit C-Waffen“ in Großbritannien

    © AFP 2018 / Eric Schwab
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    Im Streit um den Giftanschlag im britischen Salisbury hat die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa an das in der Nähe des Tatortes liegende Militärlabor Porton Down erinnert, dem vor einigen Jahren Humanexperimente mit chemischen Substanzen zugeschrieben worden waren.

    Das Labor Porton Down erwecke seit Langem bei der britischen Öffentlichkeit und Presse großes Interesse, sagte Sacharowa am Donnerstag in einem Interview für den russischen TV-Sender „Swesda“.

    „Der ‚Guardian‘ etwa berichtete 2004, dass dort jahrzehntelang Menschenversuche unter Einsatz chemischer Giftstoffe durchgeführt worden seien, auch mit tödlichem Ausgang.“ Diese Berichte seien nie zurückgewiesen worden, sagte Sacharowa weiter.

    Dem Labor wird nachgesagt, mit chemischen Substanzen gearbeitet zu haben, die bei Nazi-Truppen in den befreiten Gebieten erbeutet worden waren, und Menschenversuche angestellt zu haben (…) Ein Dementi ist bislang ausgeblieben“, so die russische Außenamtssprecherin. Sie verwies darauf, dass das rätselhafte Labor „nur sieben Meilen vom Ort entfernt ist, an dem Skripal aufgefunden wurde“.

    Sergej Skripal, einst Oberst des russischen Militärnachrichtendienstes GRU, war 2004 als Agent des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 entlarvt und von einem russischen Militärgericht wegen Hochverrats zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Sechs Jahre später wurde Skripal mit drei weiteren westlichen Spionen gegen zehn vom FBI verhaftete russische Agenten ausgetauscht, unter ihnen die als „Agentin 00Sex“ bekannte Anna Chapman.

    Am 4. März dieses Jahres wurden der 66-jährige Skripal und seine Tochter Julia in der britischen Stadt Salisbury bewusstlos aufgefunden und mit Anzeichen einer Vergiftung in ein Krankenhaus gebracht, wo beide ins Koma fielen. Am Donnerstag wurde bekannt, dass der Zustand von Julia Skripalsich rapide verbessert.

    Obwohl die Umstände noch unklar sind, machte die britische Premierministerin Theresa May Russland für den mutmaßlichen Giftanschlag verantwortlich und verwies 23 russische Diplomaten des Landes. Russland weist den Vorwurf zurück und fordert eine objektive Aufklärung. Nach Großbritannien haben Deutschland und zahlreiche weitere westliche Staaten am Montag russische Diplomaten ausgewiesen. Allein die USA weisen 60 Russen die Tür.

    Einen Tag später veröffentlichte die russische Zeitung „Kommersant“ eine Slideshow, die Großbritannien seinen Verbündeten kurz vor der Massenausweisung der Diplomaten als Beweis für eine „russische Spur“ im sogenannten Fall Skripal präsentiert haben soll.

    Außer einer chronologischen Übersicht der darauffolgenden Ereignisse enthalten die sechs Folien keine neuen Informationen zu dem mutmaßlichen Giftanschlag, geschweige denn Beweise.

    >> Russlands schlimmster Fehler in der Giftaffäre genannt >>

    Die russische Außenamtssprecherin Sacharowa bezeichnete das Leck als Beweis für einen Betrug der Briten und als das persönliche „Scheitern“ der britischen Premierministerin May. Am Mittwoch bestätigte die britische Regierung, dass die Bildpräsentation ganz der Meinung von May entspreche.

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    Tags:
    Militärnachrichtendienst GRU, Britischer Geheimdienst MI6, Theresa May, Maria Sacharowa, Porton Down, Großbritannien, Russland