07:25 22 Juli 2018
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    der britische Außenminister Boris Johnson

    „Sühne ohne Verbrechen“: Russlands Parlament kontert Johnsons Vergleich

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    Politik
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    Die Situation um den „Fall Skripal“ hat der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma (russisches Parlamentsunterhaus) Leonid Sluzki als eine „Sühne ohne Verbrechen“ bezeichnet, womit er zu einer Äußerung des britischen Außenministers Boris Johnson Stellung nahm.

    Johnson hatte am Mittwoch in seiner Rede den sogenannten „Fall Skripal“ mit dem Anfang des Romans von Fjodor Dostojewski „Schuld und Sühne“ verglichen. Alle seien sich hinsichtlich des Schuldigen einig, und die Frage sei nur, ob er das eingestehe oder ob er gefasst werde.

    Der Chef des britischen Außenministeriums, Boris Johnson, hat sich seit langem als tüchtiger Soldat im Informationskrieg gegen Russland ohne jede Regeln empfohlen. Und sein jüngster „geflügelter Vergleich“ Russlands mit Dostojewskis Romangestalt Rodion Raskolnikow ist ein übriger Beweis dessen. Im Wunsch, mit seiner Gelehrsamkeit zu prahlen, hat der britische Politiker aber das Wesen außer Acht gelassen. Richtiger wäre es zu sagen, „Sühne ohne Verbrechen“, erklärte Sluzki gegenüber der Presse.

    „Den gesunden Sinn hat der Westen in seinem triebtäterhaften Bestreben, Russland anzuschwärzen und zu dämonisieren, jedoch schon längst verloren. Es ist eine gewissenlose und umfangreiche Manipulierung der öffentlichen Meinung im Gange, wo Begriffe wie die Präsumtion der Unschuld, die Wahrheit und die Beweise keinerlei Bedeutung haben“, schloss der Vorsitzende des Staatsduma-Ausschusses.

    Mehrere Länder Europas, darunter Frankreich, Deutschland und Polen, die Länder des Baltikums, die Ukraine, Moldawien, Kroatien, Albanien, aber ebenso die USA und Kanada hatten zuvor die Entscheidung getroffen, im Zusammenhang mit dem „Fall Skripal“ insgesamt mehr als 100 russische Diplomaten auszuweisen. Wie das russische Außenministerium warnte, wird dieser nicht freundschaftliche Schritt nicht unbeantwortet bleiben.

    Der für die britischen Geheimdienste arbeitende Ex-Oberst der russischen Militäraufklärung GRU, Sergej Skripal, und seine Tochter Julia waren am 4. März im britischen Salisbury vergiftet worden. Die britische Seite behauptet, an der Vergiftung der Skripals mit dem Stoff A234  sei der russische Staat beteiligt gewesen. Russland hat dies jedoch entschieden verneint und eine objektive Untersuchung des Falls gefordert.

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    Tags:
    Vergiftung, Vergleich, A-234 "Nowitschok", Boris Johnson, Fjodor Dostojewski, Russland, Großbritannien
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