01:16 14 November 2018
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    Neuer Traditionserlass: MdB Pflüger moniert Inkonsequenz und Interpretationsspielraum

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    Bolle Selke
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    Die Bundeswehr stellt ihre Traditionen auf den Prüfstand. Im neuen Traditionserlass versucht man auch den Umgang mit dem Erbe der Wehrmacht zu verbessern. Das sei allerdings nicht immer gelungen, kritisiert der stellvertretende Vorsitzende der Linken, Tobias Pflüger, gegenüber Sputnik.

    „Innerhalb der Bundeswehr sind eine ganze Reihe Bezüge auf frühere Armeen vorhanden“, erklärt der Abgeordnete im Bundestag Pflüger im Sputnik-Interview. „Der bisherige Traditionserlass ist von 1982, insofern ist es tatsächlich überfällig, dass es da eine neue Regelung gibt. Das, was Ursula von der Leyen vorgelegt hat, ist allerdings sehr widersprüchlich. Einerseits vollzieht sie einen deutlich stärkeren Bruch vor allem mit der Wehrmachtstradition, als das 1982 der Fall war, andererseits hat sie diesen Bruch aber nicht konsequent durchführt.“

    Wehrmacht nein, Wehrmachtsangehörige schon

    In dem neuen Traditionserlass steht zum Beispiel, dass die Wehrmacht keine traditionsbildende Institution sein kann, einzelne Wehrmachtsangehörige aber doch. Da sei natürlich viel Interpretationsspielraum, meint der Friedensforscher Pflüger:

    „Wir haben dann solch eine Situation, dass es Kasernen gibt, die nach Generalfeldmarschall Rommel benannt sind. Man meint, man könne sich auf den positiv beziehen, weil er Kontakt mit Leuten im Widerstand hatte. Allerdings war er ein General, der eine ganze Reihe von Kriegsverbrechen politisch und militärisch zu verantworten hat. Insofern ist das ein Skandal, dass nach wie vor Kasernen nach ihm heißen. Das ist typisch für diesen Traditionserlass, der einerseits versucht einen Schnitt zu machen, der andererseits dann zu kurz springt und das nicht konsequent durchzieht.“

    Man sucht nach dem Vorbild Einsatzarmee

    Das Problem am neuen Traditionserlass sei, dass die Bundeswehr, die zunehmend im Einsatz ist, sich auch auf deutsche Armeen beziehen wolle, die selbst Einsätze durchgeführt haben. Da gebe es halt im Wesentlichen nur die Wehrmacht. „Das ist das politische Problem, was dahintersteckt, da es nun um die Einsatzarmee Bundeswehr geht, die diese Bezüge haben will.“

    Interessant findet der Linkspolitiker Pflüger auch, wie in dem Traditionserlass einerseits mit der Wehrmacht, andererseits mit der Nationalen Volksarmee (NVA) umgegangen wird. Tatsächlich werde die NVA de facto auf die gleiche Stufe wie die Wehrmacht gestellt. Es finde sich fast der gleiche Wortlaut für beide. Pflüger meint aber:

    „Das sind Armeen gewesen, die sehr unterschiedlich agiert haben in ihrer Geschichte. Die Wehrmacht war ein wesentliches Instrument des Nationalsozialismus und sehr wesentlich an Kriegsverbrechen und dem Vernichtungskrieg beteiligt. Das ist also schon eine Verharmlosung der Wehrmacht, wenn man die mit der NVA gleichsetzt.“

    Das sieht auch der Berliner Raumfahrtjournalist Gerhard Kowalski gegenüber Sputnik so:

    „Da muss man schon sehr ahistorisch herangehen, wenn man diese beiden Institutionen zusammenwirft. Eine hat den Weltkrieg angezettelt, die andere hat nie Krieg geführt.“

    Das komplette Interview mit Tobias Pflüger zum Nachhören:

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    Tags:
    Einsatz, Tradition, Erlass, Wehrmacht, Bundeswehr, Ursula von der Leyen, Deutschland