01:49 16 November 2018
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    Russische Diplomaten verlassen London, der 20. März 2018

    „Kollaps europäischer Ideale und Werte“ – Italienischer Journalist zum Fall Skripal

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    Der italienische Journalist Marco Fontana hat gegenüber Sputnik die Ausweisung russischer Diplomaten wegen der Causa Skripal als Zusammenbruch europäischer Ideale und Werte bezeichnet.

    „Ich empfinde eine tiefe Scham wegen des derzeitigen Benehmens des Westens. Ich sehe darin den Zusammenbruch der letzten Überreste davon, was Europa immer als seine Ideale und Werte verkündet hatte“, so Fontana.

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    Die Ausweisung der Diplomaten sei „unakzeptabel“ – unter anderem, weil sie am 26. März erklärt wurde, dem Tag der Nationaltrauer um die Opfer der Brandkatastrophe im sibirischen Kemerowo. Diesen Schritt westlicher Politiker bezeichnet der Journalist als „mitleidlos“.

    Er vergleicht außerdem die Reaktion des Westens auf Russlands angebliche Beteiligung an der Giftattacke auf Sergej Skripal mit der auf die Festnahme des „Kämpfers für die Unabhängigkeit Kataloniens“, des katalanischen Ex-Präsidenten Carles Puigdemont.

    „Jetzt, im Jahr 2018, wird derjenige, der sich den Regeln der Eurokratie nicht unterwirft, zu einem Feind. Er soll entweder gelyncht werden oder man soll die politische Polizei auf ihn hetzen. Dabei wagt man in Washington, Straßburg und Brüssel noch, von ‚Freiheit‘ zu sprechen“.

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    Fontana vermutet weiter, dass die Diplomatenausweisung die Menschen von anderen Skandalen ablenken sollte: beispielweise dem Missbrauch der Daten von Millionen Facebook-Nutzern, der Festnahme von Frankreichs ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy wegen Verdachts auf Bestechlichkeit oder den Protesten gegen den amtierenden französischen Präsidenten, Emmanuel Macron.

    „Bisher hat Großbritannien keinen einzigen Beweis geliefert, dass es Russland war, das Skripal vergiftet hatte. Und wenn sie auch vorgelegt werden, inwieweit werden die Bürger, die noch die Geschichten über Massenvernichtungswaffen im Gedächtnis haben, die als Vorwand für die Irakinvasion erfunden wurden, ihnen glauben?“ fragt der Journalist.

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    Demzufolge „fangen die Briten wieder an, zu lügen und nach einem neuen Bösewicht zu suchen“.

    „Jemand hat noch nicht begriffen, dass er mit der Ausweisung russischer Diplomaten noch ein Teilchen unserer Zukunft auf dem Altar der Falschheit und eigener Interessen geopfert hat.“ „Die Werte des Westens, mit denen ich aufgewachsen bin, sind einfach zu einem unnötigen Kram und der Gleichgültigkeit gegenüber den Menschen geworden“, sagt Fontana abschließend.

    Mehrere europäische Länder, darunter Frankreich, Deutschland, Polen, Estland, Lettland und Litauen sowie die Ukraine, Moldau, die USA, Kanada und einige andere Staaten hatten am Montag beschlossen, rund 140 russische Diplomaten zu unerwünschten Personen in ihren Ländern zu erklären und sie auszuweisen. Am Donnerstag teilte Russlands Außenminister Sergej Lawrow mit, dass Moskau diesen Ländern eine symmetrische Antwort geben werde.

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    Am Freitag wurden die Botschafter dieser Staaten ins Außenministerium in Moskau einbestellt, um über die Antwort Russlands informiert zu werden.

    Der für die britischen Geheimdienste arbeitende Ex-Oberst der russischen Militäraufklärung GRU Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März im britischen Salisbury vergiftet worden. Die britische Seite behauptet, an der Vergiftung der Skripals mit dem Stoff A234 sei der russische Staat beteiligt gewesen. Russland hat dies jedoch entschieden zurückgewiesen und eine objektive Untersuchung des Falls gefordert.

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