16:33 22 September 2018
SNA Radio
    Experten des ABC-Schutzes am Ort des Giftgasanschlags in Salisbury

    „Pure Doppelmoral“: Kritik aus der Schweiz zu Vorgehen des Westens im Fall Skripal

    © REUTERS / Peter Nicholls
    Politik
    Zum Kurzlink
    538395

    Roger Köppel, der Chefredakteur und Verleger der Schweizer Zeitung „Die Weltwoche“, hat in einem Editorial die westlichen Länder wegen ihres Vorgehens gegen Russland im Fall Skripal kritisiert und ihnen eine Doppelmoral vorgeworfen. Gleichzeitig hat er die Schweiz dafür gelobt, dass sie sich nicht an Maßnahmen gegen Russland angeschlossen hat.

    Den Diplomatenkrieg gegen Russland, den der Westen wegen der Vergiftung des Ex-Doppelagenten Sergej Skripal im britischen Salisbury entfesselt hatte, bezeichnete der Journalist als „irre“

    „Was ist los? Haben Theresa May und Boris Johnson, die beiden überforderten Briten, den Verstand verloren? Sie geben selber zu, dass sie keine letzte Gewissheit über die Vergiftung dieses russischen Ex-Spions und seiner Tochter haben. Trotzdem blasen sie jetzt zum kalten Weltkrieg gegen Putin und den Kreml. Und erstaunlich viele machen mit“, schreibt Köppel.

    Der Journalist erinnerte, die EU halte sich für den „letzten Hüter des Rechtsstaats“ und habe Russland „jahrelang Vorlesungen über den Rechtsstaat“ gehalten. Aber im Fall Skripal vergesse die EU die zwei wichtigsten zivilisatorischen Errungenschaften des Westens. Erstens solle man keine Urteile fällen, bevor die Beweiserhebung abgeschlossen sei. Zweitens solle man keine Kriege anfangen, „ohne eine sachlich einigermaßen erdbebensichere Grundlage“ zu haben.

    Darum könne die EU als „der scheinheiligste Heuchlerverein“ in die Weltgeschichte eingehen, so Köppel. Schall und Rauch, windiges Geschwätz, pure Doppelmoral – so würden heute westliche Werte aussehen.

    „‘Plausibel‘ sei es, dass die Russen, dass Putin hinter dem schrecklichen Giftanschlag auf den Ex-Spion und dessen Tochter steckten. Liebe Freunde in Brüssel und in den Metropolen Europas: ‚Plausibel‘ reicht nicht. ‚Plausibel‘ ist keine rechtsstaatliche Kategorie. ‚Plausibel‘ kann nie und nimmer der Auslöser einer diplomatischen Kriegserklärung sein, wie wir sie seit dem Untergang der Sowjetunion nicht mehr erlebt haben“, betont der Journalist.

    Das russische Außenministerium
    © Sputnik / Natalja Seliwerstowa
    Hinter Londons Motiven, Moskau für den Giftanschlag auf Skripal verantwortlich zu machen, stecken laut Köppel interne Gründe: „Die angeschlagenen, durch ihren eigenen Brexit verwirrten Tories scheinen sich an Putin politisch aufrichten, gesundstossen zu wollen. Es geht auch um Ablenkung und Aufplusterung.“

    Der Journalist lobte die Stellungnahme der Schweiz, die sich an Maßnahmen gegen Russland nicht angeschlossen hat. Er stellte sich vor, was passieren könnte, falls die Schweiz EU-Mitglied wäre.

    „Die Neutralität wäre weg, perdu, dahin, futsch. Stattdessen müsste sich die kleine, verwundbare Schweiz einreihen in diese Sklavenfront der Rechtsbrecher, Diskriminierer und antirussischen EU-Nationalisten“, betont Köppel.

    Der Journalist unterstrich abschließend, „in dieser aufgekratzten Welt der halbstarken Verteufler“ bleibe die Schweiz „ein Anker der Hoffnung, dass es auch anders geht“.

    Haben Sie einen Account in den sozialen Netzwerken? Werden Sie Fan unserer Facebook- und Instagram-Seite!

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Skripal-Eskalation: USA haben noch härtere Antwort für Russland – Medien
    „Kollaps europäischer Ideale und Werte“ – Italienischer Journalist zum Fall Skripal
    „Solidarisch“ mit London: Georgien weist russischen Diplomaten wegen Skripal-Fall aus
    Skripal-Affäre: Kreml begrüßt Österreichs Vermittlungsvorschlag
    Tags:
    Stellungnahme, Kritik, Roger Köppel, Schweiz, Großbritannien, USA, EU, Westen, Russland