19:31 21 Juli 2018
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    Damaskus, Syrien (Archiv)Damaskus (Archivbild)

    Was die Menschen in Syrien wollen und was der Westen ignoriert

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    Tilo Gräser
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    Während die Syrer auf ein Ende des Krieges in ihrem Land hoffen, setzen westliche Staaten und ihre Verbündeten weiter ihre Interessen in dem Land durch. Auch die Bundesrepublik, ist dabei, sagt die Journalistin Karin Leukefeld. Sie ist derzeit wieder vor Ort.

    Die Journalistin Karin Leukefeld hat dem Ostermarsch in Berlin am Samstag eine Grußbotschaft aus Homs in Syrien übermittelt. Dort hält sie sich derzeit auf. Ihre Nachricht wurde den mehreren Tausend Teilnehmern vorgelesen, worauf diese mit großem Beifall reagierten. Im Folgenden der Wortlaut:

    Hier in Syrien hat das achte Kriegsjahr begonnen. Mit landesweiten Waffenstillständen und dem Niederlegen der Waffen haben die Syrer schon lange gezeigt, dass sie Frieden wollen. Niemand weiß so gut wie sie, was sie in den vergangenen Jahren verloren haben.

    Doch regionale und internationale Mächte wollen ihre Interessen durchsetzen. Israel und die Türkei wollen Teile Syriens kontrollieren.

    Die Gebiete östlich des Euphrat, wo es Öl und Gas, Wasser und Weizen gibt, hat die US-Armee besetzt. Mindestens 18 Militärbasen und —Flughäfen wurden von den USA errichtet. Sie alle verstoßen mit ihrer Einmischung gegen das Völkerrecht und wollen sich Zugang und Zugriff auf den souveränen Staat Syrien verschaffen.

    Hier kommt auch Deutschland ins Spiel, denn die Bundeswehr ist Teil der US-geführten „Anti-IS-Koalition“. Und obwohl der IS, der so genannte „Islamische Staat“, weitgehend zerschlagen ist, hat der Bundestag kürzlich einer Ausweitung des militärischen Engagements der Bundeswehr in Bagdad und Jordanien zugestimmt. Den Syrern nutzt das ganz sicher nicht.

    Mehr als 100.000 Menschen kommen in diesen Tagen durch humanitäre Korridore aus der Kampfzone der östlichen Ghouta, einem ehemaligen Grüngürtel um die syrische Hauptstadt Damaskus, wo Kampfgruppen mit Unterstützung aus Katar, der Türkei und Saudi Arabien ein „östliches Khalifat“ errichten wollten.

    Mindestens 180.000 Menschen wurden von türkischen Truppen und der so genannten „Freien Syrischen Armee“  aus ihren Dörfern in Afrin vertrieben und wissen nicht, ob sie jemals zurückkehren können.

    Der eine NATO-Staat, die Türkei, verfolgt die Kurden selbst jenseits seiner Grenzen in Syrien. Andere NATO-Staaten, wie USA und Frankreich, geben vor, ihnen zu helfen.

    Um den Menschen in Syrien zu helfen, werden keine neuen Kampfeinsätze gebraucht. Die völkerrechtswidrigen Militärinterventionen und Einmischungen müssen aufhören. Dialog ist nötig. Deutschland muss auf Syrien zugehen, die Botschaft wieder öffnen und die Wirtschaftssanktionen gegen das Land beenden.

    Frieden kann es nur für ganz Syrien geben, dafür muss die Friedensbewegung sich einsetzen.

    *„Islamischer Staat“, auch „Daesh“, eine in Russland verbotene Terrorvereinigung.

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    Tags:
    Friedensbewegung, Interessen, Kritik, Ostermarsch, IS, Anti-IS-Koalition, Bundeswehr, NATO, Karin Leukefeld, Westen, Damaskus, Syrien, Berlin, Deutschland
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