10:50 22 Oktober 2018
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    A picture of Turkish President Tayyip Erdogan is seen through Turkish national flags ahead of the constitutional referendum in Istanbul, Turkey, April 14, 2017.

    Erdogans „rote Linie“: Territoriale Integrität der Türkei im Visier des Westens?

    © REUTERS / Alkis Konstantinidis
    Politik
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    Die verstärkte Unterstützung der kurdischen Milizen in Manbidsch durch die USA und Frankreich bedeutet eine „rote Linie“ für die Türkei, nach der ihre territoriale Integrität revidiert werden könnte. Diese Auffassung äußerten politische Experten gegenüber dem Nachrichten-Portal „Ekonomika segodnja“.

    Am Samstag hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bei seinem Auftritt vor dem nationalen Sicherheitsrat einen Militäreinsatz gegen die kurdischen Militäreinheiten in Manbidsch nicht ausgeschlossen. Dabei verwies er darauf, dass US-Außenminister Rex Tillerson ihm versprochen hätte, die kurdischen Milizen aus Manbidsch nach der Befreiung der Stadt von den Kräften des „Islamischen Staates"* abzuziehen. Erdogan warf den USA also vor, dieses Versprechen nicht gehalten zu haben.

    Die US-Militärs behaupten ihrerseits, sie seien über derartige Vereinbarungen nicht informiert worden, und stocken ihre Gruppierung in Manbidsch weiter auf. 

    "Rote Linie" für die Türkei

    Neben Kurden könnten sich momentan auch Einheiten der US-Schnelleingreiftruppen in der Stadt aufhalten, unter anderem Spezialeinheiten, Militärberater und einsatzbereite Hubschrauber, vermutet der politische Experte und Professor der Moskauer Universität, Andrej Manoilo.

    „Neben den US-Amerikanern verstärken nun auch die Franzosen ihre Militärpräsenz in Manbidsch", sagte er und verwies auf das Versprechen des französischen Präsidenten, die kurdischen Milizen zu unterstützen.

    „Erdogan legt hier Entschlossenheit an den Tag, indem er seine Absicht zeigt, sowohl gegen Kurden, als auch gegen US-Amerikaner und Franzosen zu kämpfen, denn es handelt sich hier um eine rote Linie für die Türkei", sagte er.

    Der Chef des Forschungszentrums „Nahost — Kaukasus", Stanislaw Tarassow, teilte diese Auffassung: Sollte der Westen die Türkei stoppen, dann werde es um die Aussichten der Bildung eines selbständigen kurdischen Staates gehen, betonte er. „In diesem Fall aber wird die Türkei nicht mehr in ihren heutigen Grenzen existieren und ihre Integrität verlieren. Deshalb kämpft Ankara aktuell für seine nationale Sicherheit", äußerte er.

    Destabilisierungsstrategie der Vereinigten Staaten

    Die USA würden hier ihre eigenen Ziele verfolgen und die kurdischen Milizen zu einer „Scheidemünze" machen, sagte Tarassow. Mit ihren Autonomie-Versprechen hätten die USA die Loyalität der Kurden gewonnen, sie würden diese finanziell unterstützen und Waffen und Militärtechnik an die kurdischen Einheiten schicken, um die Lage in der Region zu destabilisieren.

    Diese Vorgehensweise sei ein Teil der US-Strategie im Nahen Osten, darunter auch in Syrien; sie ermögliche ihre Etablierung in der Region. Dabei habe Manbidsch eine strategische Bedeutung und sei daher von besonderem Interesse für alle Parteien hier, so der Experte: Wer die Stadt kontrolliere, der könne auch wichtige Erdölregionen unter seine Kontrolle bringen.

    „Erdogan wiederholt ohne Unterlass, der Westen betrüge die Türkei, halte seine Versprechen nicht ein und trage zu einer weiteren Destabilisierung des Landes bei. Die Situation wird dadurch verschärft, dass die Türkei Nato-Mitglied ist und dabei am Rande eines Konflikts mit anderen Nato-Mitgliedern, Frankreich und den USA, balanciert", sagte Tarasow.

    „Es ist zu vermuten, dass Erdogan im Ernst am Rande des Bruchs der Zusammenarbeit mit der Allianz steht. Denn es ist die Nato, die unter Beistand der Kurden die Türkei zu einer katastrophalen „roten Linie" führt und deren territoriale Integrität in Frage stellt", sagte der Politologe.

    Wie diese Widersprüche gelöst werden könnten, werde nach dem russisch-türkisch-iranischen Syrien-Gipfel klar werden, der am 3. und 4. April in Ankara stattfindet, schreibt die Zeitung abschließend.

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    Tags:
    Unterstützung, Integrität, Kurden, Recep Tayyip Erdogan, Manbidsch, Türkei, Syrien, USA, Frankreich