09:59 21 April 2018
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    Russlands Botschaft in Berlin (Archiv)

    Zivilisiert mit Russland statt Diplomatenausweisung – Ex-Botschafter Meyer-Landrut

    © AFP 2018 / Odd ANDERSEN
    Politik
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    Nikolaj Jolkin
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    Zu den europäischen Werten und der Rechtsicherheit gehört die Unschuldsvermutung. Solange man eine klare Schuldzuweisung nicht beweisen kann, lässt es sich laut dem ehemaligen Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Sowjetunion Andreas Mayer-Landrut nicht mit „höchstwahrscheinlich“ und ähnlichen Vokabeln in der Politik arbeiten.

    Die Diplomatenausweisung aus „Solidarität“ mit Großbritannien, welche die EU konsolidiert durchgeführt hat, sei für ihn nicht verständlich, sagte der ehemalige Diplomat in einem Interview mit Sputnik. „Es kann immer wieder Zwischenfälle geben, aber die Aufgabe der Diplomatie und der Außenpolitik ist es, die Völker zusammenzubringen, die Beziehungen in Fragen der Sicherheit und der Zusammenarbeit zu entwickeln, weil das zum Wohlstand jedes Volkes, insbesondere in Europa in der jetzigen Situation beitragen soll, wo die Welt auch wirtschaftlich zusammengewachsen ist.“

    In seiner diplomatischen Tätigkeit gab es auch Ausweisungen, so z.B. als „ein sowjetischer Spion in Deutschland festgehalten oder erkannt wurde, dass er Unterlagen von geheimen Industrieentwicklungen bei sich hatte, die er aus einem Versteck abholte. Dann hat man diesen Mann ausgewiesen, und die sowjetische Seite hat auch einen von unseren Botschaftsangehörigen ausgewiesen. Man nannte das:,persona non grata‘. Direkte Antwort in der direkten Höhe.“

    Deutsch-russische Beziehungen im Schatten diplomatischer Krise

    Meyer-Landrut verwies  auf die Bundeskanzlerin Merkel, „sie möchte vor endgültigen Entscheidungen immerhin noch einen exakten Bericht über die Ergebnisse der Untersuchungen abwarten. Auch Außenminister Maas hat sich in einem Interview für Gespräche mit Russland ausgesprochen.“

    Der hochrangige Ex-Diplomat machte auf zwei Dinge aufmerksam:  „In allen schwierigen Diskussionen haben wir immer versucht, einen vernünftigen und zivilisierten Ton anzuschlagen. Da wurde nicht mit Nazi-Vergleichen und solchen Dingen gearbeitet. Und das Zweite ist, dass wir seit der Ostpolitik Willi Brandts im Gespräch geblieben sind, immer wieder versucht haben, auf verschiedenen Gebieten Verträge abzuschließen und die Beziehungen zu verbessern, so das große Erdgasröhrengeschäft Ende der 70er Jahre, das für beide Seiten ein wichtiges Signal zur Verbesserung der Beziehungen war.“

    Meyer-Landrut gab zu, dass er selbst durch sein persönliches Schicksal „kein großer Freund der sowjetischen Politik gewesen war, aber es ging darum, eine Politik des Realismus und des Nutzens für die Zusammenarbeit in Europa zu schaffen.“

    Das komplette Interview mit Andreas Meyer-Landrut zum Nachhören:

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    Tags:
    Partnerschaft, Krise, Ausweisung, Diplomaten, Botschafter, BRD, UdSSR, Deutschland, Russland
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