17:16 23 Juli 2018
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    Außenminister Chinas Wang Yi kündigt die Sanktionen gegen USA wegen den Zöllen auf chinesische Waren an

    Gegenschlag im Handelsstreit: „Denn die USA greifen in Chinas Tasche“

    © AP Photo / Andy Wong
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    Auf US-Strafzölle reagiert China mit eigenen Restriktionen – russische Experten beschäftigen sich mit möglichen Konsequenzen sowie mit der Frage, ob Russland von diesem Streit profitieren könnte.

    Andrej Susdalzew, Experte der in Moskau ansässigen Higher School of Economics, sagte in einem Gespräch mit Sputnik: „Das Thema der Beziehungen mit China war eines der wichtigsten im Wahlprogramm von Donald Trump. China verhielt sich gegenüber dem neuen US-Präsidenten ziemlich flexibel, gab sich Mühe, eine Konfrontation zu vermeiden, und war den USA behilflich bei der Lösung des Nordkorea-Problems. Doch in Sachen Geld, als es um eine partielle Schließung des US-Marktes für chinesische Exportwaren ging, musste China verhältnismäßig antworten.“

    China habe demonstriert, dass die Zeit des Einlenkens und Ausweichens vorbei sei: „Man muss irgendwie reagieren, denn die USA greifen in Chinas Tasche.“ Vor diesem Hintergrund erwartet Susdalzew eine „Verkomplizierung“ der chinesisch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen.

    China hatte soeben Einfuhrzölle für 128 Artikel aus den USA beschlossen, darunter für Obst und Schweinefleisch. Das ist eine Reaktion auf Washingtons Entscheidung, Stahl- und Aluminium-Importe in die USA mit Strafzöllen zu belegen.

    Andrej Karnejew, Vizechef des Instituts für die Länder Asiens Afrikas bei der Staatsuniversität Moskau, sagte der Zeitung „Argumenty i Fakty“: „Laut Experteneinschätzungen gibt es zwei Dinge, die die USA dazu bewegen, Zölle einzuführen. Erstens befürchten die USA eine Zunahme von Pekings wirtschaftlicher Mächtigkeit.“

    „Derzeit ist China die größte Handelsmacht und die USA sind die größte Wirtschaft der Welt. Vom Handel miteinander bekommen die beiden Länder Dividende. Doch in Washington vertreten viele die Meinung, der Handel mit China würde dazu führen, dass die USA deren geopolitischen Hauptrivalen stärker machen“, so Karnejew.

    Zweitens streben die USA mit ihren Strafzöllen, erläuterte der Experte weiter, einen Wiederaufbau ihrer Industrie an: „In den USA hat man begriffen: Durch die Globalisierung, bei der sich jedes Land auf eine bestimmte Richtung konzentriert, gehen viele Arbeitsplätze verloren.“

    Im Hinblick auf Chinas Zölle, die vorerst als Gegenmaßnahmen beschlossen wurden, sagte der Experte, der Schaden, der dadurch für die USA entstünde, sei relativ gering: „Ich denke nicht, dass China an einer Zuspitzung des Handelskrieges interessiert ist. China kann halt nirgendwo einen ebenso großen Absatzmarkt für seine Waren finden.“

    Russland, das ein deutlich geringeres Handelsvolumen mit China hat, kann laut Karnejew vom amerikanisch-chinesischen Handelsstreit kaum viel profitieren: „Der amerikanisch-chinesische Handelsumsatz ist der größte weltweit. Sowohl China als auch die USA begreifen allzu gut, dass ihre Wirtschaftsinteressen fest miteinander verbunden sind, und werden kaum Lust darauf haben, diesen Knoten zu zerschneiden.“

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    Tags:
    Sanktionen, Waren, Artikel, Stahlindustrie, Zölle, Handelskrieg, Donald Trump, Russland, USA, China
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