07:46 19 Oktober 2018
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    Foal Eagle-Übungen zwischen den USA und Südkorea (Archiv)

    Kims „diplomatische Offensive“ – und eine Idee, die Trump gefallen könnte

    © AP Photo / Lee Jin-man
    Politik
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    Das US-Militär übt erneut gemeinsam mit den Südkoreanern, doch diesmal gibt es einen wesentlichen Unterschied zum Vorjahr, wie der russische Auslandsexperte Artjom Lukin feststellt. Er analysiert die „diplomatische Offensive“ von Nordkorea und ihre möglichen Folgen.

    In einem Gastbeitrag für die Zeitung „Iswestija“ schreibt Lukin im Hinblick auf das in Südkorea gestartete jährliche Großmanöver Foal Eagle: „Seoul und Washington haben eine Reihe von Maßnahmen getroffen, damit ihre diesjährigen Übungen weniger provokativ aussehen.“

    „Erstens wurde der Zeitplan der Übungen geändert. Diese wurden auf April verschoben, um zeitlich nicht mit den Olympischen und Paralympischen Winterspielen zusammenzufallen. Die Dauer der Übungen wurde im Vergleich zum Vorjahr auf einen Monat halbiert. Zweitens sollen diesmal keine strategischen Kapazitäten wie atomgetriebene Super-Flugzeugträger, Atom-U-Boote und atomwaffenfähige Landstreckenbomber zum Einsatz kommen“, erläutert Lukin.

    Auch die Regierung in Pjöngjang habe vorerst im Gegensatz zum Vorjahr auf eine scharfe Verurteilung der Übungen verzichtet und keine Gegenmaßnamen angedroht. Zudem habe Nordkorea seit mehr als vier Monaten keine Raketentests absolviert, hieß es.

    „All dies lässt sich durchaus in die Logik jener diplomatischen Offensive einbetten, die Pjöngjang in letzter Zeit an allen Fronten durchführt. Man kann mit Sicherheit vermuten, dass die Phase einer relativen Friedensliebe auf der Halbinsel mindestens bis zum 27. April dauern wird, also bis zum geplanten Korea-Gipfel von Kim Jong-un und Moon Jae-in. Ein Höhepunkt soll zweifelsohne Kims Treffen mit Donald Trump werden – vermutlich Ende Mai, obwohl es vorerst nicht endgültig feststeht, ob dieses Treffen wirklich stattfindet“, so Lukin.  

    „Wenn es doch zu direkten Gesprächen zwischen Nordkorea und den USA kommt, werden die amerikanisch-südkoreanischen Militärübungen und die US-Militärpräsenz in Südkorea im Allgemeinen ganz bestimmt einen der wichtigsten Schwerpunkte ausmachen. Bei seinem Raketen- und Atomprogramm wird Pjöngjang kaum wesentlich einlenken, falls die Amerikaner keine Bereitschaft an den Tag legen, ihre militärischen Aktivitäten auf der Koreanischen Halbinsel zu reduzieren“, prognostiziert der Experte.

    „Zwar ist ein vollständiger Stopp der Übungen wenig wahrscheinlich, ebenso wie ein vollständiger Abzug der US-Basen von der Halbinsel, denn dies würde faktisch ein Ende der militärpolitischen Allianz der USA mit Südkorea bedeuten. Doch man könnte Kompromiss-Optionen besprechen – wie etwa eine Reduzierung der Ausmaße der Übungen oder sogar einen partiellen Abzug des US-Truppenkontingents aus Südkorea“, so Lukin weiter.

    Aus seiner Sicht wäre beispielsweise ein Abzug der Eighth United States Army aus Südkorea als eine Option nicht auszuschließen, zumal die derzeit regierenden Kräfte in Seoul die US-Militärpräsenz „ohne besondere Liebe“ betrachten. „Die Idee einer Heimkehr von US-Soldaten aus Korea könnte durchaus Trump gefallen. Dieser könnte sie als Umsetzung seines Wahlversprechens präsentieren, wonach Amerikas Ausgaben für den Schutz der Verbündeten reduziert werden sollen“, mutmaßt Lukin.

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    Tags:
    Treffen, Diplomatie, Maßnahmen, Manöver, Moon Jae-in, Donald Trump, Kim Jong-un, USA, Südkorea, Nordkorea