19:41 21 Juli 2018
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    „Nichts anderes als Verschwörungstheorien“: Deutscher Journalist zu Causa Skripal

    © AP Photo / Matt Dunham
    Politik
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    Eine russische Herkunft des im Fall Skripal eingesetzten Gifts haben Experten nicht bestätigen können. Was bleibt also in der Giftaffäre? Bloß „Hypothesen, für die es Indizien und Spuren geben mag, aber eben keine Beweise“, schreibt am Dienstag der freie Journalist Mathias Bröckers für den „Rubikon – das Magazin für die kritische Masse“.

    In seinem Beitrag mit dem Titel „Falsche Flaggen. Von Anthrax bis Novichok – Manipulationen allüberall.“ schreibt Bröckers über eine geleakte PowerPoint-Präsentation mit angeblichen Beweisen für Moskaus Verwicklung in den Fall Skripal, mit der Großbritannien seine Verbündeten erfolgreich überzeugte, sich an der Massenausweisung russischer Diplomaten zu beteiligen.

    Doch damit nicht genug: Angeführt werden in der Slideshow laut ihm außerdem die Vergiftung von Alexander Litwinenko, die „Destabilisierung“ der Ukraine, die „Einflussnahme“ auf die US-Wahlen und der ominöse „Bundestagshack“ – lauter Vorfälle, die Russland zur Last gelegt werden. Bloß gibt es darin keine Beweise, die von einem Gericht oder einer internationalen Behörde geprüft und anerkannt sind, wie Bröckers bemerkt.

    „Es handelt sich dabei um nichts anderes als Verschwörungstheorien, also Hypothesen, für die es Indizien und Spuren geben mag, aber eben keine Beweise“, heißt es in seinem Artikel weiter. „Doch reicht eine solche Litanei von Behauptungen ganz offensichtlich aus, um die ‚Solidarität‘ anderer EU-Staaten einzufordern und eine internationale diplomatische Krise heraufzubeschwören.“

    Julia Skripal, die Anfang März gemeinsam mit ihrem Vater Sergej angeblich mit dem militärischen Kampfstoff A234 vergiftet worden war, soll inzwischen aus dem Koma aufgewacht sein und zu sprechen begonnen haben. „Ist der Stoff, mit dem angeblich 130 Personen in Kontakt gekommen sein sollen, die alle wohlauf sind, also doch nicht ‚sieben bis acht Mal giftiger als herkömmliches Nervengift‘, wie es anfangs hieß?“, fragt der Verleger und taz-Mitarbeiter.

    Sollte es sich bei der eingesetzten Substanz jedoch tatsächlich um das Nervengift A234 handeln, so Bröckers weiter, säßen neben Russland auch die USA auf der Anklagebank. Schließlich sei unter ihrer Aufsicht im Jahr 1999 die Chemiewaffenfabrik, in der das Nervengift im sowjetischen Usbekistan entwickelt wurde, abgebaut worden. Gerade sie seien es gewesen, die dafür gesorgt hätten, dass dieser Stoff zunächst nicht in die Liste der verbotenen C-Waffen aufgenommen worden sei.

    Zuletzt verweist der Journalist auf das Nervengift Anthrax, das nach dem 11. September an Journalisten und Politiker verschickt wurde, die für eine umfangreiche Untersuchung der Terroranschläge eintraten. Damals seien sofort Saddam Hussein und der Irak beschuldigt worden – ohne Beweise vorzulegen. Nach Jahren sei dann ans Licht gekommen, dass das Gift einem US-Militärlabor entschlüpft sei.

    „Wenn im Fall Skripal in ein paar Jahren Ähnliches herauskommt, sollte das niemanden überraschen“, schreibt Bröckers abschließend.

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    Tags:
    US-Wahl, Vorwürfe, Verschwörungstheorie, Vergiftung, A-234 "Nowitschok", Sergej Skripal, Saddam Hussein, Großbritannien, USA, Russland, Ukraine
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