16:49 18 Juli 2018
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    der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan bei der Pressekonferenz

    Putin äußert sich zu „russischem“ Nervengift

    © Sputnik / Michail Klimentjew
    Politik
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    Bei einer Pressekonferenz in Ankara hat sich der russische Präsident Wladimir Putin zu der „Skripal-Affäre“ geäußert. Das Nervengift, mit dem der ehemalige Agent des russischen Militärgeheimdienstes GRU Sergej Skripal und seine Tochter vergiftet wurden, kann laut Putin in rund 20 Ländern der Welt hergestellt werden.

    „Wie Sie wissen, habe ich von diesem Fall in den Medien erfahren. Ich will dazu nur hinzufügen: Nach Angaben internationaler Experten können in etwa 20 Ländern der Welt ähnliche giftige Substanzen hergestellt werden“, sagte der russische Staatschef bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan am Dienstag.

    Putin betonte zugleich, dass Russland Zugang zu den Untersuchungen in diesem Fall verlange. „Wir sind an einer umfassenden Ermittlung interessiert. Wir wollen, dass man uns Zugang zu dieser Ermittlung gewährt und hoffen auf den Erhalt entsprechender Materialien, weil es hier um russische Bürger geht. Wie Sie wissen, hat das russische Ermittlungskomitee ein Strafverfahren eingeleitet“, so der Präsident weiter.

    Er äußerte zudem die Hoffnung, dass bei der Sondersitzung der Chemiewaffenkontrollbehörde OPCW am 4. April, die auf Russlands Vorstoß hin stattfindet, die Frage endgültig aufgeklärt werde.

    Zuvor war bekannt geworden, dass die Experten des britischen Chemielabors Porton Down die Herkunft des Nervengiftes, mit dem der russisch-britische Ex-Doppelagent Sergej Skripal vergiftet wurde, nicht nachweisen konnten. Das teilte Laborchef Gary Aitkenhead dem TV-Sender Sky News am Dienstag mit.

    „Wir haben den genauen Ursprung nicht festgestellt. Wir haben aber die wissenschaftlichen Angaben an die Regierung weitergegeben, die dann viele andere Quellen genutzt hat, um zu entsprechenden Schlussfolgerungen zu kommen“, sagte Aitkenhead.

    Am 5. März war bekannt geworden, dass der ehemalige Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU Sergej Skripal und seine Tochter Julia in der britischen Stadt Salisbury vergiftet wurden. London behauptet, Skripal und seine Tochter seien mit dem Stoff A234 vergiftet worden, und wirft Moskau vor, in das Attentat verwickelt zu sein, weil der Giftstoff nach Angaben von Experten sowjetischer Herkunft gewesen sein soll. Russland weist die Vorwürfe entschieden zurück.

    Skripal war 2006 wegen Spionage für den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Er kam jedoch im Juni 2010 im Zuge eines Austausches inhaftierter Spione zwischen Russland und den USA auf freien Fuß. Kurz darauf wurde Skripal in Großbritannien Asyl gewährt.

    18 EU-Länder sowie die USA, Kanada, die Ukraine, Albanien, Mazedonien, Norwegen und Australien haben im Zusammenhang mit dem „Fall Skripal“ die Ausweisung russischer Diplomaten beschlossen

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    Vergiftung, Ermittlung, A-234 "Nowitschok", Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan, Großbritannien, Türkei, Russland
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