09:32 21 September 2018
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    „Das lässt sich nicht mehr ignorieren“: Lawrow redet Klartext zu Skripal-Affäre

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    Nach der Wende im britischen Giftskandal hat der russische Außenminister Sergej Lawrow von der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) eine sachliche Untersuchung des Attentats auf den Ex-Spion Sergej Skripal und dessen Tochter in Salisbury gefordert.

    Nach der jüngsten OPCW-Sondersitzung könnten die Fragen Russlands zu dem Vorfall nicht mehr ignoriert werden,  sagte Lawrow am Donnerstag in der Internationalen Sicherheitskonferenz in Moskau.

    „Wir werden auf die nicht freundschaftlichen Schritte adäquat reagieren, doch gleichzeitig wollen wir die Wahrheit ermitteln“, sagte der russische Spitzendiplomat.

    „Wir bestehen auf einer sachlichen und verantwortungsvollen Untersuchung im vollen Einklang mit den Bestimmungen der Konvention über das Verbot der Chemiewaffen. Die von uns auf der Basis dieser Konvention gestellten legitimen Fragen können nicht mehr ignoriert werden, wie am 4. April auf der von Russland einberufenen Sondersitzung der OPCW deutlich wurde.“

    In seiner Stellungnahme zu der Massenausweisung russischer Diplomaten sagte Lawrow  dass man den an der Aktion beteiligten Ländern einfach „die Arme verrenkt habe. Den Skripal-Fall betrachtet der Minister als eine „unverhohlene Verhöhnung des Völkerrechts, der diplomatischen Ethik und des elementaren Anstands“.

    >> Keine sicheren Belege im Fall Skripal: Kritik aus Deutschland an Großbritannien >>

    Der frühere russisch-britische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März im britischen Salisbury bewusstlos aufgefunden worden. Von wem und unter welchen Umständen sie wirklich vergiftet wurden, ist unklar. Die britische Premierministerin Theresa May machte die russische Regierung für das mutmaßliche Attentat verantwortlich und ordnete die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten an. Aus „Solidarität“ mit London wiesen auch die USA, Deutschland und viele weitere EU-Staaten Dutzenden russischen Diplomaten die Tür.

    Russland weist diesen Vorwurf von sich und fordert eine unabhängige Aufklärung. Als Reaktion wies auch Moskau westliche Diplomaten aus.

    In dieser Woche gab es in der Giftaffäre eine Wende: Das mit der Untersuchung beauftragte britische Militärlabor Porton Down teilte am Dienstag mit, eine russische Herkunft des Nervengifts sei nicht nachweisbar. Der Kreml forderte daraufhin von der britischen Regierung eine Entschuldigung.

    Dennoch lehnte die Europäische Union auf einer Sondersitzung der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), die am Mittwoch auf den russischen Antrag hin in Den Haag stattfand, den Vorstoß Russlands und weiteren 14 Mitgliedstaaten zu völkerrechtskonformen Ermittlungen ab. Die britische Delegation bezeichnete den Vorschlag zu gemeinsamen Untersuchungen sogar als eine „perverse Ablenkungstaktik“.

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    A-234 "Nowitschok", Militärnachrichtendienst GRU, Britischer Geheimdienst MI6, Britischer Geheimdienst MI5, Julia Skripal, Sergej Skripal, Sergej Lawrow, Salisbury, Großbritannien, Russland