22:53 17 August 2018
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    „Tote Seelen“: Wieso verkaufen verstorbene Serben ihre Grundstücke an Kosovo-Albaner?

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    Seit Ende der 90er Jahre sind in der Republik Kosovo (ehemals serbische Provinz) rund 35.000 serbische Häuser zerstört bzw. rechtswidrig enteignet worden. Die Behörden in Pristina berichten zwar über eine geglückte Reintegration der einheimischen Serben, doch sind in der Region weder internationale noch örtliche Rechtsmechanismen wirksam.

    Wie Professor Dusan Celic gegenüber Sputnik sagte, haben sich die Kosovo-Albaner seit dem Ende des Krieges (bewaffneter Konflikt von 1998-1999 um die Kontrolle über den Kosovo – Anm. d. Red.) rund eine Million Privatparzellen von Serben rechtswidrig angeeignet und mehr als 35.000 serbische Häuser vernichtet.

    Die Serben seien bisher nicht entschädigt worden – vor allem aus dem Grund, weil der von der Interimsverwaltung der Uno im Kosovo (UNMIK) etablierte Mechanismus zur Vermögensrückgabe keine Entschädigung in solchen Fällen vorgesehen habe, so Celic. Ihm zufolge haben die Serben in Wirklichkeit keine Möglichkeit, bei Gericht ihre Ansprüche durchzusetzen, weil sie nach dem Krieg und den Pogromen im März 2004 keine Schuldigen nennen könnten.

    Eine Entschädigung sollte aus Haushaltsmitteln gezahlt werden, doch die Klagen seien in vielen Fällen überhaupt nicht geprüft worden, weil die Gerichte die Verantwortung des Kosovo nicht hätten anerkennen wollen, so Celic.

    Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die OSZE-Untersuchung von 350 Fällen der Enteignung von Vermögenswerten bei Serben, die von der UNMIK an die serbischen Eigentümer zurückgegeben worden und dann wieder in die Hände der Kosovo-Albaner gelangt seien. Es wurde festgestellt, dass keiner der 90 Verbrecher strafrechtlich belangt worden war. Die Täter sollen lediglich Strafen von je 600 Euro gezahlt haben müssen.

    Der Experte räumte ferner ein, dass ein EU-Projekt zur juristischen Unterstützung der serbischen Bevölkerung des Kosovo eine gewisse Chance für die Wiedererlangung des verlorenen Vermögens geben soll. Aber auch diese Maßnahme ist seiner Meinung nach unzureichend. Denn die Kosovo-albanischen Gerichte würden häufig ihre eigenen Regeln verletzen. Zuweilen komme es vor, dass ein albanischer Rechtsanwalt bei einem Prozess neu angefertigte Dokumente vorlege, die einen Vermögensverkauf „bestätigen“ würden. In solch „lukrative Geschäfte“ sei auch der Liegenschaftsdienst des Kosovo verwickelt, der Albaner als Eigentümer registriere, so Celic.

    Auch die UNMIK selbst verstoße gegen die von ihr eingeführten Regeln für Vermögenskauf, fügte der Experte hinzu.
    Nach unterschiedlichen Schätzungen haben rund 200.000 Serben seit dem Jahr 1999 die Kosovo-Region verlassen.

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    Tags:
    Enteignung, Entschädigung, OSZE, EU, Kosovo, Serbien
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