07:14 18 Juli 2018
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    Genozid an Armeniern: Eine armenische Frau in Aleppo vor ihrer getöteten Tochter (Archivbild)

    Studie: Genozid an Armeniern mit deutschen Waffen ermöglicht

    © Foto: Near East Foundation
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    Ein vor Kurzem erschienener Bericht wirft neues Licht auf die Rolle der deutschen Rüstungsindustrie im Genozid an den Armeniern. Die detaillierte Studie des Netzwerks „Global Net – Stoppt den Waffenhandel“ (GN-STAT) soll zeigen, dass die Ermordung von Hunderttausenden Armeniern offenbar vom Kaiserreich aktiv mit Waffenlieferungen unterstützt wurde.

    In dem Bericht des ehemaligen Fernsehjournalisten Wolfgang Landgraebers, der mehrere Filme über deutsche Waffenexporte gemacht hat, wird behauptet, dass türkische Streitkräfte hauptsächlich deutsche Gewehre benutzten, um den Völkermord an den Armeniern 1915/16 durchzuführen. Die preußischen Militärberater bei der Osmanischen Armee sollen dabei sogar die „ideologische Grundlage“ für das Massaker gelegt haben.

    „Deutsche Offiziere, die im türkisch-osmanischen Militär dienten, halfen aktiv, einzelne Morde auszuführen“, so der Bericht von „Global Net – Stoppt den Waffenhandel“ (GN-STAT). „Die Mehrzahl der Angreifer war mit Mauser-Gewehren oder —Karabinern bewaffnet, die Offiziere mit Mauser-Pistolen.“

    Mauser, Deutschlands größter Kleinwaffenhersteller in beiden Weltkriegen, belieferte das Osmanische Reich dem Bericht zufolge mit Millionen von Gewehren und Handfeuerwaffen, die „mit aktiver Unterstützung deutscher Offiziere beim Völkermord eingesetzt wurden“. Bereits 1896 seien 48,5 Prozent der Gewehre in den Magazinen der türkischen Armee von der Firma Mauser geliefert worden. Der Waffenschmied habe während dieser Zeit Millionen verdient.

    Genozid an Armeniern in Aleppo (Archivbild)
    Genozid an Armeniern in Aleppo (Archivbild)

    Mauser sei heute als Unternehmen zwar nicht mehr aktiv, sein Nachfolger aber, der deutsche Stahlgigant ThyssenKrupp, habe seine Rolle im Völkermord nie öffentlich anerkannt.

    Für den Freiburger Realschullehrer und prominenten Rüstungsgegner Jürgen Grässlin geht es bei der Studie nicht allein um die historische Aufarbeitung.

    „Es geht darum, den Tätern von brisanten Rüstungsexporten ein Gesicht und einen Namen zu geben“, wird Grässlin von der taz zitiert. „Dazu gehören bekannte deutsche Waffenhersteller wie Heckler und Koch oder Rheinmetall, deren leitende Mitarbeiter aber auch verantwortliche Politiker.“

    Die Türkei sei ein gutes Beispiel. „100 Jahre später sind es erneut deutsche Kriegswaffen, wie der Leopard-2-Panzer, mit denen die türkische Armee Menschen tötet“, heißt es in der Erklärung von „Global Net“.

    Im Jahr 2015 hatte der damalige Bundespräsident Joachim Gauck die „Mitverantwortung“ Deutschlands für den Völkermord an den Armeniern anerkannt. Das Deutsche Reich habe nicht nur von dem Vernichtungswillen gegen die Armenier gewusst, sondern deutsche Militärs seien an der Planung „und zum Teil auch an der Durchführung der Deportationen beteiligt gewesen“, so Gauck.

    Der Bundestag hatte 2016 den Völkermord an den Armeniern offiziell anerkannt, was dann wütende Reaktionen aus der Türkei auslöste.

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    Tags:
    Schuld, Studie, Beteiligung, Völkermord, Geschichte, Genozid, Waffenhandel, Leopard-2-Panzer, Afrin, Türkei, Armenien, Syrien, Deutschland
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