06:59 24 April 2018
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    Die Flaggen von den USA und Russland

    Wie US-Medien russophobe Stimmung anheizen – Experte nennt konkrete Beispiele

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    Politik
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    Der jetzige Absturz der russisch-amerikanischen Beziehungen ist gefährlicher, als zur Zeit des Kalten Krieges. Die dafür verantwortlichen Faktoren hat der emeritierte Professor für Russistik, Stephen F. Cohen, in einem Interview mit dem Radiosender WABC Radio spezifisch beleuchtet.

    Cohens Analyse der politischen Russophobie in den USA stützt sich auf repräsentative Kommentare von hochrangigen Geheimdienstmitarbeitern und Aussagen führender Meinungsmacher.

    In seinem Interview setzt sich der Experte mit der Reaktion auf die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl in Russland 2018, die von mehreren US-Medien als „fiktive Wahl“ (sham election, zu Deutsch — Scheinwahlen) bezeichnet wurde. Laut Cohen ist eine solche Wortwahl verächtlich gegenüber den Bürgern Russlands, die ihre Stimmen letztendlich „nicht unter vorgehaltener Waffe“ abgegeben hätten.

    Als Beispiel zitiert er den Kolumnisten Tim Dickinson des Rolling Stone Magazins:

    „Experten in Russland glauben, dass alles, was unter den Begriff Zivilgesellschaft in Russland fällt, tatsächlich von Putin kontrolliert wird.”

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    „Empirisch gesehen ist das grundsätzlich falsch. Aber das sagt er wirklich: Die Gesellschaft in Russland ist eine Art Fortsatz von Putin. Das ist seine Definition von Russland, und zwar angesichts der Tatsache, dass Putin von uns so dämonisiert wird“, kommentiert Cohen.

    Weiter führt er eine markante Aussage von US-Senator John McCain an, der Russland vor vier Jahren in einem Interview mit CNN „eine Tankstelle, die nur vorgibt, ein Land zu sein“, nannte.

    Im selben Jahr erschien im US-Magazin „The Slate“ ein Artikel, in dessen Mittelpunkt stand, dass „Putins Russland eine antiwestliche Macht mit einer anderen, ominösen Vision der globalen Politik“ sei.

    Auch der Bloomberg-Autor Eli Lake hat kürzlich in einem Artikel über die Vergiftung des Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seiner Tochter Kritik an Russlands Verhalten geübt. Seiner Ansicht nach wäre es nun sinnvoll, Russland „als Terrorist“ zu behandeln.

    Bisher hat Cohen nach eigenen Worten Russophobie nicht als einen der kriegstreibenden Faktoren im neuen Kalten Krieg betrachtet, wobei er nach eigenen Worten außer Acht gelassen hat, dass gerade russenfeindliche Einstellungen vor dem Hintergrund verschiedener geopolitischer Faktoren eine gewisse Rolle spielen.

    „Erst jetzt, nachdem ich alles durchdacht habe, bin ich mir sicher, dass Russophobie ein weiterer Faktor ist, den ich vernachlässigt habe. Das ist mein Fehler”, so Cohen.

    Unter Berücksichtigung der im Interview angeführten Abschnitte der US-Medienberichte kommt Cohen zu drei Schlussfolgerungen. Erstens  hätten die Russen kein historisch oder genetisch bedingtes Vorurteil gegenüber den Amerikanern. Zweitens dämonisiere der Westen jetzt nicht nur Putin, sondern auch Russland als Ganzes. Drittens sei die Verbreitung von russophoben Stimmungen unter der amerikanischen Politik- und Medienelite ein weiterer Faktor, der den heutigen Kalten Krieg so gefährlich mache.

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    Tags:
    US-Medien, Russophobie, Präsidentschaftswahlen 2018, John McCain, Russland, USA