01:06 26 September 2018
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    Russlands Soldaten bei der Repetition der Parade zum Siegestag

    Russland-Feindbild nicht Ziel, sondern Mittel: Wer steht im Visier?

    © Sputnik / Ramil Sitdikow
    Politik
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    Die Eskalation der Lage in Syrien und die neuen US-Sanktionen vor dem Hintergrund des so genannten „Falls Skripal“ führen dazu, dass gewisse Kräfte in Russland aufrufen, sich zu besinnen und Zugeständnisse an die Weltgemeinschaft zu machen, nicht mehr die „bösen Kerle“ zu sein und sich der zivilisierten Welt anzuschließen.

    Aber es sieht danach aus, dass es eine solche Option nicht mehr gibt. Russlands Darstellung als Feind ist nicht nur mit Russland selbst verbunden, sondern vielmehr mit den inneren Bedürfnissen der westlichen Elite.

    Der Westen braucht Russland gerade als Feind, weil er etliche innere Probleme hat, die er nicht in den Griff bekommen kann. Das wurde vor allem nach dem Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 offensichtlich. Die globalistische Elite, die eine „wunderschöne neue Welt“ nahezu aufgebaut hatte, wurde plötzlich mit einem richtigen Widerstand in den USA und auch in anderen westlichen Ländern konfrontiert.

    Zu einem Riesenschock wurde für den Westen die Wahlniederlage Hillary Clintons. Hinzu kam, dass die Briten für den Ausstieg aus der Europäischen Union gestimmt haben, während in den anderen europäischen Ländern die so genannten „Populisten“ immer stärker werden, die mit der Politik zur Abschaffung der Staatsgrenzen und zur Verletzung der nationalen Souveränität ihrer Länder unzufrieden sind.

    Angesichts dessen griff die globalistische Elite auf ein Instrument zurück, das früher für „korrupte autoritäre Regimes“ typisch gewesen war: Sie stellte auf einmal die inneren Oppositionskräfte als Vertreter äußerer Feinde dar.

    Die ganze antirussische Kampagne in den USA hat nicht nur Russland, sondern  vor allem Präsident Trump als „Zielscheibe“. Wenn es möglich wäre, Trump Kontakte mit Freimaurern, Repriloiden oder sonst wem noch vorzuwerfen, dann hätten seine Gegner das auch getan. Aber seine angeblichen Kontakte mit den Russen passten nun einmal besser.

    Jeremy Corbyn, einer der inneren Kritiker der britischen Behörden hat nicht nur „Unrecht“ – er gilt inzwischen als „Agent Russlands“.

    Die Vorwürfe gegen Russland, es würde sich in Wahlen in anderen Ländern einmischen und die dortigen Populisten unterstützen, ist nicht gegen Russland selbst gerichtet, sondern vor allem gegen innere Gegner der Machthaber. Mit anderen Worten kann jeder von ihnen jederzeit beschuldigt werden, Russland bei dessen Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes zu helfen.

    Wenn es um die Gefahr seitens eines äußeren Feindes geht, der böse, hinterlistig und grausam ist, vereinigen sich die Menschen quasi instinktiv – und ihre Machthaber brauchen eben ihre Vereinigung.

    Dabei müssen die Beschuldigungen gegen die äußeren Gegner nicht unbedingt sehr gut begründet sein – die Zustimmung zu diesen Beschuldigungen sollte eine gewisse Anstrengung verlangen.

    Es ist kaum zu glauben, dass sich die amerikanische Demokratie durch Internet-Trolls so leicht ins Schwanken bringen lässt. Es ist schwer, dem britischen Außenminister Boris Johnson zu glauben, wobei inzwischen konkret festgestellt wurde, dass er gelogen hat.

    Aber auch die Treue sollte nicht zu leicht fallen. Einer nachgewiesenen Beschuldigung zustimmen – das kann schon jeder. Aber die gesunde Vernunft und Intelligenz aufopfern, um die eigene Treue zur gemeinsamen Sache zu zeigen – das macht die Ergebenheit wirklich stark.

    Objektive Beweise sind manchmal fehl am Platze – beispielsweise in Situationen, in denen die Menschen nicht objektiv, sondern vor allem treu sein sollen. Dass Johnson gegenüber seinen Mitbürgern und auch seinen Verbündeten log, als er behauptete, die Experten vom Labor Porton Down hätten die „russische Herkunft“ des Giftstoffs festgestellt (und Londons Verbündete entschieden sich für die Ausweisung von russischen Diplomaten, ohne die offiziellen Ergebnisse der entsprechenden Expertise abzuwarten), war eher hilfreich als störend für die Festigung der westlichen Einheit angesichts der angeblichen „russischen Aggression“.

    Die Spitzenpolitiker anderer Länder hätten sich empören und Johnson für seine Lüge kritisieren, und warnen können, dass so etwas schlimm und schädlich für ihre Beziehungen als Verbündete sei. Aber sie zogen es vor, diesen unangenehmen Moment zu „übersehen“ und auf die nächste Stufe der Einheit und Treue zu treten, wo es durchaus angebracht ist, zweifellose Lügen der „Freunde“ zu akzeptieren und davon auszugehen.

    Und je weiter man gegangen ist, desto schwerer fällt es, zurückzugehen. Selbst wenn morgen absolut überzeugende Beweise dafür ans Licht kommen, dass für den Giftanschlag auf Sergej und Julia Skripal nicht Russland, sondern jemand sonst verantwortlich ist, würde das an der Sache nichts mehr ändern. Die bisherigen Beweise für Russlands „Schuld“ waren ohnehin kaum glaubwürdig – doch das stört niemanden. Dem Publikum wird erzählt, dass der unglaublich hinterlistige „Tyrann aus dem Norden“, der wahnsinnig viel Geld für seine Propaganda ausgibt, um das westliche Publikum auf seine Seite zu ziehen, sich nichts Besseres einfallen lassen konnte als den vor acht Jahren freigelassenen Spion, der seit dieser Zeit für niemanden nützlich war, zu vergiften.

    Dem Publikum wird über die absolute List und Professionalität der „russischen Killer“ erzählt, die mit dem Kampfgas „Novichok“ gerüstet waren, das so stark ist, dass man allein nach seiner Erwähnung schreckliche Schmerzen spürt, so dass britische Polizisten, die später am Ort des Zwischenfalls arbeiteten, Chemieschutzanzüge tragen mussten.

    Ein „gutherziger“ Freund der Familie schlug sogar vor, die vergifteten Skripals sterben zu lassen, damit sie sich nicht lange quälen müssen.

    Doch bald stellte sich heraus, dass die Opfer des diabolischen Giftes sich immer besser fühlen, was zwar hocherfreulich ist, aber den Eindruck von dem Verdacht gegen die „KGB-Killer“ mit ihrem Supergift schwächt.

    Das bedeutet, dass das einzige Opfer in dieser Geschichte, das wirklich sterben musste, die Katze der Familie Skripal war, wobei das „Novichok“-Gift gar nicht angewedet wurde – das Tier wurde von britischen Tierärzten gekillt.

    Da müssen selbst die Anhänger der offiziellen Position Londons zugeben: „Es ist paradox, aber aus rein formeller Sicht hat der Kreml Recht… Das Gift konnte tatsächlich jedermann anwenden – letztendlich können nicht nur die Russen aus Kalaschnikow-Maschinenpistolen schießen, auch wenn diese Waffe in Russland erfunden wurde.“

    Das entscheidende Argument machen nicht die ausbleibenden Beweise aus, sondern die Loyalität: Wer auf wessen Seite steht. Und es spielt keine Rolle, ob es Beweise für die Schuld der Russen gibt – wichtig ist, dass die Russen die „bösen Kerle“ sind und im Westen lauter „gute Kerle“ leben. Und da stellt sich die Frage: Wer ist ein treuer Anhänger des Westens, und wer ließ sich von den Russen kaufen?

    Und da hängt der Bedarf am äußeren Feind zwecks Vereinigung der eigenen Reihen keineswegs von so einer Lappalie wie Fakten und das Verhalten des „Feindes“ ab.

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    Tags:
    Vergiftung, Vorwürfe, Chemiewaffen, A-234 "Nowitschok", Sergej Skripal, Jeremy Corbyn, Westen, Russland