13:39 19 April 2018
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    Muammar al-Gaddafi

    Gaddafi-Dolmetscher spricht mit Sputnik über Millionen für Sarkozy

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    Der ehemalige Dolmetscher des libyschen Ex-Staatschefs Muammar al-Gaddafi, Moftah Missouri, hat in einem Interview mit Sputnik mitgeteilt, wie das damalige Staatsoberhaupt Libyens an der Finanzierung des Wahlkampfes des französischen Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy teilgenommen hatte.

    Missouri erinnerte sich an den Besuch von Sarkozy in Libyen 2005. Damals hatte er den Posten des Innenministers inne und traf sich mit seinem libyschen Amtskollegen. Anschließend habe auch ein Treffen von Sarkozy mit dem libyschen Staatschef stattgefunden, so Missouri.

    Bei dem Gespräch, das 40 bis 45 Minuten gedauert habe, habe der französische Minister mitgeteilt, dass er bei der anstehenden Präsidentschaftswahl kandidieren wolle.

    „Er (al-Gaddafi) sagte: ‚Es wird für mich sehr angenehm sein, dass ein solcher Freund wie Sie den Posten des Staatsoberhaupts der Französischen Republik einnehmen wird. Wir werden Sie dabei unterstützen und Ihnen dabei helfen‘".

    Später habe eine Gruppe von Personen von dem Wahlkampfstab Sarkozys Gespräche mit „drei „bedeutenden Personen Libyens" geführt. „Diese Gespräche hatten eine Art Schreiben zur Folge, einen Entwurf eines Schreibens, das an den Staatschef gerichtet war. Und in diesem Schreiben wird eine Summe von 50 Millionen Euro erwähnt, der Beitrag Libyens zum Wahlkampf des zukünftigen Präsidenten". 

    Ob und wie jegliche „Koffer" übergeben worden seien, das habe Missouri mit eigenen Augen nicht gesehen. Allerdings habe der libysche Revolutionsführer einige Tage später den Brief bekommen und beschlossen, dass die Summe reduziert werden sollte:

    „Er sagte: ‚Man soll ihm, sagen wir, etwa 20 Millionen geben‘. Selbstverständlich habe ich weder gesehen noch gehört, wie diese Entscheidung getroffen wurde".

    Später sei aber die französische Journalistin Delphine Minoui nach Libyen gereist und habe den libyschen Staatschef in Anwesenheit von Missouri gefragt, ob er den Wahlkampf von Sarkozy unterstützt habe.

    „Und er antwortete: ‚Ja, natürlich‘". Als die Journalistin nach der genauen Summe gefragt habe, antwortete al-Gaddafi, er könne sich im Moment daran nicht genau erinnern. Da die Reporterin einen Tag später habe abreisen sollen, habe al-Gaddafi ihr versprochen, die Informationen über Missouri zu übergeben.

    „Und einen Tag später teilte er mir mündlich mit, dass er alles erfahren und dass die Summe 20 Millionen betragen hatte. Ich weiß jedoch nicht, ob er sich geirrt hatte und ob er von US-Dollar oder Euro sprach — ich bin in Bezug auf die Währung nicht sicher."

    Die Unterstützung von Sarokzy durch den libyschen Staatschef sie wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass Libyen anscheinend versucht habe, Frankreich in der afrikanischen Region zu „neutralisieren", wo das nordafrikanische Land seine Bemühungen habe konzentrieren wollen. Missouri verweist in diesem Zusammenhang auf libysche Projekte wie der afrikanische Satellit QAF, eine gemeinsame nordafrikanische Währung Dinar, gemeinsame afrikanische Armee u. s.w.

    Zudem habe al-Gaddafi sich geweigert, an der Union für den Mittelmeerraum teilzunehmen, die von Sarkozy vorangebracht worden sei. Der libysche Revolutionsanführer sei gegen die Teilnahme des jüdischen Staates sowie der arabischen Länder Asiens gewesen, während Sarkozy unbedingt die israelische Teilnahme habe durchsetzen wollen.

    Schließlich seien bei dem Besuch von al-Gaddafi in Paris 2007 mehrere Abkommen und Verträge unterzeichnet worden, betonte Missouri.

    „Allerdings erfüllte Libyen seine Verpflichtungen zu diesen Verträgen nur sehr ungern und Präsident Sarkozy fühlte sich vielleicht ein bisschen erniedrigt, denn zuvor hatte er den Franzosen gesagt, die Beziehungen zu Libyen seien stabil und gut, es gebe völlige Verständigung zwischen unseren Ländern — in wirtschaftlicher, in wissenschaftlicher Hinsicht u. s.w. Vielleicht deshalb. Und der Anführer unternahm wahrscheinlich diese Unterstützung, um Frankreich in Afrika zu neutralisieren", vermutete Missouri.

    Allerdings habe er keine Ahnung von den tatsächlichen Gründen, von denen sich al-Gaddafi habe leiten lassen, räumte Missouri ein.

    Außerdem habe al-Gaddafi nicht nur Herrn Sarkozy, sondern auch mehrere politische Parteien weltweit unterstützt, und diese Methode sei auch in der ganzen Welt üblich, so Missouri:

    „Wenn Sie sich den Haushalt des französischen Außenministeriums aufmerksam ansehen, dann werden Sie sehen, dass es sich um 2,7 Milliarden Euro handelt, abzüglich 800 Millionen Euro, die für bilaterale und multilaterale Hilfe und die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und dessen Satelliten bereitgestellt werden. Das betrifft nicht nur Libyen und Frankreich, es gibt eine sogenannte politische Hilfe. Al-Gaddafi war gegenüber lateinamerikanischen, asiatischen, arabischen und europäischen Ländern großzügig. Das war politische, wirtschaftliche und sogar finanzielle Hilfe. Er hatte Geldmittel für die Unterstützung dieses oder jenes Landes bereit gestellt".

    Nicolas Sarkozy, der von 2007 bis 2012 Staatspräsident der Französischen Republik war, wird beschuldigt, in seinem Wahlkampf 2007 Spenden des damaligen libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi angenommen zu haben.

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    Tags:
    Hilfe, Unterstützung, Spende, Wahlkampf, Nicolas Sarkozy, Muammar al-Gaddafi, Libyen, Frankreich
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