15:15 17 Juli 2018
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    Die US-Zerstörer Porter (Archiv)

    In Stellung gebracht: Was zwei US-Zerstörer mit der syrischen Armee anstellen können

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    Politik
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    Die US-Kriegsschiffe „Donald Cook” und „Porter” sind an der syrischen Küste eingetroffen – genau ein Jahr nach dem Raketenangriff auf den Stützpunkt Scheirat. Wozu der an der syrischen Küste stationierte US-Angriffsverband fähig ist, lesen Sie in diesem Sputnik-Artikel.

    Wie im April 2017 sorgten unbestätigte Medienberichte über den Einsatz von chemischen Waffen durch Damaskus dafür, dass die USA ihre militärische Präsenz ausbauen – dieses Mal geht es um einen angeblichen Vorfall in Ostghuta. Die US-Presse verbindet die Entsendung der Zerstörer mit der Ankündigung Trumps, innerhalb von zwei Tagen zu entscheiden, wie das Assad-Regime bestraft werden soll.

    Auswahl des Ziels

    Die Zerstörer der 4. Generation „Donald Cook” und „Porter” tragen zusammen bis zu 120 Tomahawk-Marschflugkörper mit einer Reichweite von mehr als 2000 Kilometern. Die Waffen der US-Militärschiffe können das gesamte Territorium Syriens abdecken. Allerdings ist bislang unklar, welche Ziele anvisiert werden könnten, wenn sich Trump zu einem gewaltsamen Szenario entschließt.

    Wie der Experte des Zentrums für neue US-Sicherheit, Nicholas Geras, in der Zeitung „Foreign Policy“ behauptet, werde es mehrere Ziele geben. Ihm zufolge haben die vorjährigen Raketenangriffe der USA gegen den Stützpunkt Scheirat keine Ergebnisse gebracht. Die Flugzeuge der syrischen Armee stiegen bereits wenige Stunden nach dem Angriff wieder auf.

    Damals feuerten die Zerstörer „Porter” und „Ross” 59 Tomahawk-Raketen ab. Wie das russische Verteidigungsministerium berichtete, erreichten nur 23 von ihnen den Stützpunkt. Das Ergebnis war tatsächlich miserabel. Die Raketen im Wert von jeweils rund zwei Millionen US-Dollar vernichteten sechs alte Kampfjets MiG-23 der dritten Generation, ein Versorgungslager, ein Trainingscamp, eine Kantine und eine Radaranlage. Die Start- und Landebahnen wurden nicht beschädigt, weshalb der Flugplatz in kurzer Zeit wieder in Betrieb gesetzt werden konnte.

    „Um Baschar Assad einen spürbaren Schaden zuzufügen und ein Signal zu senden, müssen die USA mehr Ziele attackieren“, so Geras. „Damit werden die militärischen Möglichkeiten der syrischen Armee untergraben.“

    2011 reichten den Amerikanern und Briten 123 bordgestützte Tomahawk-Raketen, um die Flugabwehr Gaddafis nahezu vollständig außer Gefecht zu setzen. Allerdings waren die meisten Flugabwehrsysteme der libyschen Luftstreitkräfte alte sowjetische Modelle. Es gibt Gründe zu behaupten, dass solch ein Erfolg in Syrien nicht wiederholt werden kann.

    Ein Soldat der syrischen Armee besichtigt Radaranlagen auf dem Stützpunkt der syrischen Luftstreitkräfte in Homs
    © Sputnik / Ilja Pitalew
    Ein Soldat der syrischen Armee besichtigt Radaranlagen auf dem Stützpunkt der syrischen Luftstreitkräfte in Homs

    Auch heute, sieben Jahre seit Beginn des Bürgerkriegs, ist die syrische Flugabwehr weiterhin eine der stärksten in der Region. Die syrische Armee verfügt über Hunderte Flugabwehrsysteme und Komplexe, darunter moderne Buk-M2, Panzyr-S1 und S-125 Petschora-2M. Die Tatsache, dass weniger als die Hälfte der Tomahawk-Marschflugkörper den Stützpunkt Scheirat erreichte, bedeutet indirekt, dass die syrische Flugabwehr äußerst wirkungsvoll handelte. In der Nacht auf den 9. April schossen sie fünf der acht Luft-Boden-Raketen ab, mit denen israelische Kampfjets den Flughafen T-4 bei Palmyra attackierten.

    Anzahl der Raketen

    Bislang ist unklar, wie weit die USA im Falle eines Militärschlags gegen Syrien gehen würden. 120 Tomahawk-Raketen würden sicher nicht ausreichen, um die Kampffähigkeit der syrischen Armee maßgeblich zu senken und ihr die Möglichkeit zu nehmen, große Offensiven durchzuführen. Im Mittelmeer gibt es derzeit keine einzige Angriffsgruppe der US-Flotte, und der nächste Verband der Landungskräfte mit dem Landungsschiff „Iwo Jima“ an der Spitze befindet sich im Verantwortungsbereich der 5. Flotte im Persischen Golf.

    USS Donald Cook (Archivbild)
    © Foto : U.S. Navy/ Mass Communication Specialist 1st Class Theron J. Godbold
    USS Donald Cook (Archivbild)

    Damaskus, Syrien (Symbolbild)
    © Sputnik / Mikhail Voskresensky
    Es gibt einfach nichts, womit man die Militärpräsenz an der syrischen Küste verstärken könnte. Doch bekannt ist, dass im Mittelmeer häufiger das amerikanische Atom-U-Boot „USS Florida“ mit Marschflugkörpern vorbeischaut, das auch schon bei der Libyen-Operation eingesetzt wurde. Es trägt 154 Tomahawk-Raketen an Bord und ist nach den Angriffsmöglichkeiten den beiden Zerstörern „Donald Cook” und „Porter” überlegen. Das heißt, dass die Gesamtzahl der Marschflugkörper an der syrischen Küste auf 274 Stück steigen könnte. Zum Vergleich: 1991 reichten den Amerikanern 288 Tomahawk-Raketen, um bei der Operation Desert Storm die Flugabwehrsysteme Iraks lahmzulegen.

    Der Raketenangriff kann auch von US-Flugzeugen unterstützt werden, die in der Region stationiert sind. In der Luft haben die Amerikaner mehr Handlungsspielraum als auf dem Meer. Ihre größten Stützpunkte befinden sich im Norden Syriens, in den Gebieten, die von den kurdischen Einheiten kontrolliert werden. Dazu gehören unter anderem der Flugplatz bei Kobane im Norden der Provinz Aleppo und der Stützpunkt Rumeilan im Nordosten Hasekas, über die die Amerikaner die Demokratischen Kräfte Syriens mit Waffen, Munition und Medikamenten versorgen. Beide Flugplätze können Flugzeuge der taktischen Fliegerkräfte aufnehmen. Zudem nutzen die Luftstreitkräfte der USA aktiv den türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik an der nordöstlichen Mittelmeer-Küste.

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    Tags:
    Raketenschlag, Ziele, Stützpunkt, US-Zerstörer Ross, USS Donald Cook, USS Porter, Tomahawk-Rakete, Syrien, USA, Russland
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