10:42 22 April 2018
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    Leyla Bilge (in d. M.)

    Leyla Bilge: Als Flüchtlingshelferin bei der AfD

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    Politik
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    Armin Siebert
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    Leyla Bilge ist Entwicklungshelferin und Frauenrechtlerin. Und Mitglied der AfD. Die Migrantin moniert, dass viele Flüchtlinge zu Unrecht in Deutschland sind. Sie hat einen Frauenmarsch gegen die „fatale Flüchtlingspolitik“ organisiert. Dafür wird sie von Medien und Politik angefeindet. Im Sputnik-Interview stellt sich die junge Frau den Vorwürfen.

    Leyla Bilge lässt sich schlecht mit einem Etikett versehen. Sie ist Flüchtlingshelferin und Flüchtlingskritikerin, konservative Frauenrechtlerin, Migrantin und AfD-Mitglied. Vergangenes Jahr konvertierte sie vom Islam zum Christentum. Sie kritisiert die deutsche Flüchtlingspolitik und hilft seit 2014 lieber selbst Flüchtlingen vor Ort im Irak und in Syrien.

    Bilge meint im Sputnik-Interview:

    „Wir sollten den Fokus auf die tatsächlichen Flüchtlinge legen. Die kommen einfach zu kurz. Es ist nicht richtig, einfach jeden reinzulassen. Es sollten erst einmal die Grenzen geschlossen werden, sonst verlieren wir die Kontrolle und haben keinen Überblick mehr. Wir sollten kontrolliert Menschen aufnehmen.“

    Eine „Horde unkontrollierter, muslimischer Männer“

    Die Flüchtlingshelferin bezeichnete einmal 8o Prozent der männlichen Flüchtlinge in Deutschland als eine „Horde unkontrollierter, muslimischer Männer“. Und sie kann die „besorgten Bürger“ verstehen:

    „Ich beobachte, wie die Wut der deutschen Bürger auf Andersaussehende steigt. Und da kann man nicht nur von Konservativen oder gar Rechtsradikalen sprechen. Das geht durch alle Schichten, weil die Deutschen sich überfordert fühlen von der unkontrollierten Einwanderung.“

    Bilge hat zusammen mit anderen AfD-Anhängern im Februar 2018 einen sogenannten „Frauenmarsch“ durch Berlin organisiert. Ziel war es, gegen die „fatale Flüchtlingspolitik“ der Bundesregierung zu demonstrieren. Trotz massiver Proteste und Anfeindungen lässt sich Bilge nicht beirren und hat bereits gemeinsam mit der ehemaligen DDR-Bürgerrechtlerin und Ex-Bundestagsabgeordneten der CDU Vera Lengsfeld den nächsten Frauenmarsch für den 9. Juni 2018 angemeldet.

    Machen, was die AfD sagt

    Seit 2016 hat Leyla Bilge einen Rahmen für ihre Arbeit bei der AfD gefunden. Sie ist Referentin im Fachausschuss für Entwicklungshilfe. Sie meint, dass die AfD in der Flüchtlingspolitik dieselben Ziele verfolgt wie sie und dass die Partei ihr maximalen Freiraum in ihrer Arbeit gewährt:

    „Es war so, dass Mitglieder der AfD auf mich zukamen und meine Projekte, meinen Verein für Entwicklungshilfe unterstützt haben. Sie meinten: Was du machst, ist das, was die AfD sagt, also den Menschen vor Ort zu helfen und auch Zentren vor Ort einzurichten, um den tatsächlichen Flüchtlingen zu helfen.

    Bei der AfD diktiert man mir keine Vorgaben. Ich darf frei alles, was ich gesehen und erlebt habe, in Vorträgen zeigen. Das hab ich auch vorher schon getan. Aber da hat sich keiner dafür interessiert. So nutze ich diese Chance, um das Leid der Frauen dort zu zeigen. Und das habe ich bis heute nicht bereut.“

    AfD-Mitglied Leyla Bilge
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    AfD-Mitglied Leyla Bilge

    „Das ist nicht mehr mein Deutschland“

    Die Frauenrechtlerin sieht keinen Widerspruch darin, konservativ und gleichzeitig feministisch zu sein:

    „Den Begriff ‚Feminismus‘ haben die Grünen und die Linken für sich gepachtet. Ich kann sehr wohl konservativ und auch patriotisch sein und mich trotzdem für Frauenrechte und Menschenrechte einsetzen. Ich wurde nach dem Frauenmarsch als Rechtsradikale beschimpft. Das ist so absurd. Da denke ich, das ist doch nicht mehr mein Deutschland, das ich schätzen und lieben gelernt habe.“

    Bilge lässt sich nicht einschüchtern, da sie weiß, wovon sie redet. Mit ihrem Verein Leyla e.V. war sie bereits mehrmals im Irak und in Syrien, um vor allem Frauen und Kindern zu helfen. Der Verein hat Hilfslieferungen mit Nahrung, Kleidung und Medikamenten organisiert. Aber die Entwicklungshelferin hat auch die Schattenseiten des „Flüchtlingsbusiness“ kennengelernt:

    „Da wird so viel Schindluder getrieben. Ich habe das vor Ort selbst gesehen, als ich mich in ein Flüchtlingslager reingeschmuggelt habe als Verwandte einer jesidischen Flüchtigen. Da habe ich im tiefsten Winter im Irak erlebt, dass Zelte leer stehen, während draußen Frauen und Kinder frieren. Und dann kommt man zurück nach Deutschland und sieht die vielen männlichen Flüchtlinge und hört von Gewalttaten.“

    Vom Islam zum Christentum

    Die Gräueltaten des IS und das Schicksal der vom Genozid bedrohten Volksgruppe der Jesiden im Irak und in Syrien haben Bilge ab 2014 dazu bewogen, sich vor Ort für die Menschen zu engagieren. Daraufhin bekam sie Morddrohungen von radikalen Muslimen. Inzwischen ist die 36-jährige Brandenburgerin zum Christentum konvertiert:

    „Ich habe immer gedacht, der Islam ist friedlich, weil ich das auch aus meiner Familie und von vielen anderen Muslimen so kenne. Aber seit der IS aufkam und seine Gräueltaten im Namen des Korans begangen hat, habe ich mich damit beschäftigt, und ja, der IS darf dies laut Koran. Damit konnte ich mich nicht mehr identifizieren.“

    „Wir können nicht alle aufnehmen“

    Trotzdem spricht sich Bilge gegen eine Masseneinwanderung aus den vom IS bedrohten Gebieten aus. Die Aktivistin hält Zentren zur Erfassung „tatsächlicher“ Flüchtlinge vor Ort für effektiver als eine „Nachauswahl“ in den Zielländern.

    Leyla Bilge (in d. M.)
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    Leyla Bilge (in d. M.)

    „Unsere Bundeskanzlerin hat gesagt, jeder Flüchtling, der es hierher schafft, ist willkommen. Das ist ein fatales Signal. Deutschland und Europa können nicht alle aufnehmen. Man muss vor Ort helfen – Hilfe zur Selbsthilfe“, so Bilge.

    Die AfD-Mitarbeiterin geht noch weiter und fordert den Westen auf, sich aus den Fluchtursprungsländern zurückzuziehen:

    „Der Westen war so arrogant, in diese Länder einzumarschieren und zu sagen: Hier herrscht Diktatur, hier müssen wir jetzt westliches Leben reinbringen. Im Endeffekt hat dies zu Chaos geführt, und den Menschen geht es schlechter als vorher. Der Westen sollte sich aus diesen Ländern zurückziehen und die Menschen selbst über ihr Schicksal entscheiden lassen.“

    „Meine Landsleute werden mit deutschen Panzern ermordet“

    Bilge kam selbst im Alter von sechs Jahren mit ihrer Familie als Flüchtling aus der Türkei nach Deutschland. Entsprechend bewegen die Kurdin die Angriffe des türkischen Staates auf die Kurden im syrischen Afrin:

    „Das ist für mich sehr schmerzhaft und skandalös. Dort werden meine Landsleute mit deutschen Panzern ermordet. Und gerade kurdische Frauen stellen dort über 40 Prozent an der Front. Das sind Menschen, die für uns den Islamismus und den Terror bekämpft haben. Und das wird nicht anerkannt.“

    Keine Meinungsfreiheit mehr in Deutschland?

    Spätestens seitdem ihre Mitgliedschaft in der AfD bekannt wurde und seit sie den Frauenmarsch organisiert hat, wird Bilge nicht nur von Muslimen bedroht, sondern auch von Politikern und Medien angefeindet. Sie sieht die Meinungsfreiheit in Gefahr:

    „Wer etwas kritisch ausspricht, wird in eine ‚böse‘ Ecke geschoben. Das hat nichts mit Demokratie zu tun. Leider Gottes kann man in Deutschland nicht mehr von Meinungsfreiheit sprechen. Es gibt Menschen, die sich Demokraten nennen, aber die Meinung anderer nicht akzeptieren. Es gibt Abgeordnete, die Gesetze machen und verabschieden, aber versuchen, ihre eigenen Bürger in ihren Rechten zu beschneiden und mundtot zu machen.“

    Neben der Politik sieht Bilge vor allem die Medien als verantwortlich für das neue gesellschaftliche Klima: „Auch die Journalisten sind gebunden und haben Angst um ihre Arbeitsplätze. Aber es ist doch die Pflicht der Medien, zumindest neutral zu berichten. Der Leser muss doch die Chance haben, sich ein eigenes Bild zu machen. Wenn man dann versucht, jemanden schlecht dastehen zu lassen, finde ich das skandalös. Wenn sich Journalisten nicht mal mehr die Mühe machen, ordentlich zu recherchieren … Ich konnte früher mit dem Begriff ‚Lügenpresse‘ nichts anfangen. Aber es ist tatsächlich so. Ich musste am eigenen Leib erfahren, dass Lügen verbreitet werden. Warum fragt man mich nicht einfach selbst? Ich verweigere mich keinem Interview.“

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    Tags:
    Entwicklungshilfe, Flüchtlinge, Migranten, Islam, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Angela Merkel, Kurdistan, Syrien, Deutschland
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