18:19 22 April 2018
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    Situation in Syrien

    Kein Schlag gegen Syrien, nur Medienkrieg? Militärexperten schätzen Lage ein

    © REUTERS / Goran Tomasevic
    Politik
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    Die heutige Syrien-Krise lässt sich nach Meinung des Ex-Befehlshabers der libanesischen Luftstreitkräfte, General Mahmud Matar, damit erklären, dass viele Beteiligte sich selbst in die Enge getrieben hätten und, wie man im Libanon so sage, auf einen Baum geklettert seien und nicht mehr heruntersteigen könnten.

    Wie der General gegenüber Sputnik sagte, nehmen Russland und die USA sowie ihre Verbündeten jetzt diametral entgegengesetzte Stellungen ein. Eine Lösung könnte über den UN-Sicherheitsrat erzielt werden, so Mahmud Matar.

    „Niemand will den Dritten Weltkrieg. Dieser würde allen nur Unheil bringen. Der Sicherheitsrat kann Pläne für eine mögliche Verbesserung der Situation vorschlagen, so beispielswiese eine Kommission zur Untersuchung der Fälle mit dem Einsatz chemischer Waffen nach Syrien schicken“, so Matar.

    Er glaube nicht, dass US-Landetruppen an der syrischen Küste landen würden, so der Militär weiter. „Die USA und ihre Verbündeten sind sich dessen bewusst, dass das ein sehr ernster Schritt wäre, der sehr gefährliche Veränderungen nach sich ziehen könnte“, so der General.

    „Die Eskalation der Situation in Syrien erfolgt heute vorwiegend im Informationsfeld. Es läuft ein Nervenkrieg. Die Siege der russischen Kräfte, der syrischen Armee und ihrer Verbündeten durchkreuzen die Pläne der USA und Israels zur Teilung Syriens“, betonte Matar. Er denke nicht, dass sich in Syrien etwas drastisch verändern werde. „Die russischen Truppen kommen ihren Aufgaben nach und werden dies auch weiter tun“, fügte der Militär hinzu.

    General a. D. Hisham Jaber, ein libanesischer Militärexperte, sagte im Gespräch mit Sputnik, dass die USA nicht den Schlag führen werden, über den US-Präsident Donald Trump gesprochen hatte. Jaber sieht in Russland einen „Eindämmungsfaktor gegen diesen gefährlichen Schritt“. Es habe ja bereits erklärt, dass es einen möglichen Schlag erwidern werde.

    In einer Twitter-Nachricht hatte Trump geschrieben, Russland habe angekündigt, alle angreifenden Raketen abzuschießen. Und diese Raketen kämen nun. Sie seien „schön, neu und intelligent“.

    „Russland, mach dich bereit“, twitterte Trump. Er appellierte an das Land, nicht weiter den syrischen Machthaber Assad zu unterstützen. Diesen bezeichnete er wieder als ein „Tier“, das sein Volk mit Gas töte und dies genieße. Er bezog sich damit auf den mutmaßlichen Giftgasangriff in der syrischen Stadt Duma mit vielen Toten.

    Laut Hisham Jaber versucht Trump mit diesen großtönigen Äußerungen, innere amerikanische Probleme zu lösen, indem er die Aufmerksamkeit der Mitbürger auf die Möglichkeit einer Militäroperation im Ausland lenke.

    „In Syrien gibt es viele Ziele für einen möglichen Militärschlag. Ich denke, die USA könnten einen Schlag gegen eines der Ziele führen“, so der Experte. „Doch Trump wird nur in dem Fall darauf eingehen, wenn er sicher ist, dass Russland keine harte Antwort darauf geben wird. Dies aber könnte den Auftakt zu einem Großkrieg bilden.“

    Er ist überzeugt, dass die Amerikaner keinen Zusammenstoß mit Russland wollen. Sie könnten aber einen geringeren Schlag gegen Syrien führen, der Trump helfen würde, das Gesicht in seinem Land zu bewahren, fügte Hisham Jaber hinzu.

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    Tags:
    Schlag, Raketen, US-Sicherheitsrat, Sputnik, Donald Trump, Libanon, Israel, Syrien, USA, Russland
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