15:24 17 Juli 2018
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    Der französische Präsident Francois Hollande

    Hollandes Memoiren: Zwei Seiten von Putin und nicht eingeschüchterte Merkel

    © REUTERS / Stephane de Sakutin/Pool
    Politik
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    In seinem am Mittwoch erschienenen Buch „Les leçons du pouvoir“ („Die Lehren der Macht“) schildert der französische Ex-Präsident Francois Hollande unter anderem seine Eindrücke von verschiedenen Spitzenpolitikern. Seine Begegnung mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin bezeichnet er als die „schwierigste von allen“.

    „Während meiner Amtszeit als Präsident habe ich die meisten Spitzenpolitiker getroffen und ihre Persönlichkeiten analysiert“, zitiert die Zeitung „Le Nouvel Observateur“ aus Hollandes Buch.

    Das schwierigste Treffen für ihn sei „ohne Zweifel“ das mit Wladimir Putin gewesen. Er habe den russischen Staatschef im Juni 2012 getroffen, nur drei Wochen nach der eigenen Vereidigung zum Präsidenten.

    „Er ist ein starker und rätselhafter Mann. Genauso herzlich und aufmerksam wie manchmal auch kalt und hart. Er begegnet seinem Gegenüber mit dem Blick seiner blauen Augen, mit dem er einen mal verzaubert und mal einschüchtert“, schreibt Hollande. Putin habe zudem ein ansteckendes Lachen. Seine Ausführungen können, so Hollande, manchmal zynisch klingen, und die schärfsten Worte äußere der russische Präsident mit einer seelenruhigen Stimme.

    Die einzige Person, die Putin nicht einschüchtern konnte, war laut dem französischen Ex-Präsidenten Bundeskanzlerin Angela Merkel.

    „Sie kennt ihn gut und lange, sie weiß, wie sie mit ihm sprechen muss.“ Putin unterlasse aber nicht die Versuche, Merkel mit einer Mischung aus Drohungen, Komplimenten und Erinnerungen einzuschüchtern, betont Hollande weiter.

    Ferner erinnert er an den Vorfall in Sotschi im Jahr 2007, als Putin seinen Hund zu einem Treffen mit Merkel mitgebracht hatte. „Er hatte gewusst, dass sie Hunde nicht mag.“

    Putin spiele abwechselnd den „guten“ und den „bösen Bullen“ und bringe damit manchmal seine Opponenten in Verwirrung. Hollande erinnert sich an den Juni 2014, als er und der damalige Außenminister Laurent Fabius Putin im Elysee-Palast empfangen hatten. Der Kremlchef habe sich von seiner charmanten Seite gezeigt: „Mein Blick fiel auf eine wärmeisolierende Tasche, die er in der Hand hielt. Ich erfuhr später, dass sie eine Flasche Wodka enthielt, die er mit uns teilen wollte.“ Sein russischer Amtskollege habe dafür gesorgt, dass die Temperatur der Flasche richtig war. „Er hat mehrfach auf den Ruhm der französisch-russischen Freundschaft angestoßen.“

    Einige Monate später habe er Putin bei einem informellen Treffen an einem Moskauer Flughafen erneut getroffen. Damals hätten sie die „brisanten“ Themen Syrien und Krim diskutiert. Das Gespräch habe sich hingezogen. „Als wir uns trennen wollten, machte der russische Präsident mir ein Geschenk, um unsere Versöhnung zu versiegeln“, erinnert sich Hollande. „Er nahm ein Dokument heraus, das in einer prachtvoll verzierten Verpackung steckte – das war ein handgeschriebener Brief Napoleons aus der Zeit seines Russland-Feldzuges. Ein seltenes Stück.“

    „So ist der russische Staatschef, kalt und entschlossen, unberechenbar und taktvoll“, so Hollande. Putin habe Respekt vor Stärke, auch vor den USA. Doch er werde vor keinen Mitteln zurückschrecken, um im Herzen der US-amerikanische Diplomatie Unruhe zu säen, behauptet der französische Ex-Präsident.

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    Hund, einschüchtern, Erinnerungen, Buch, Treffen, Angela Merkel, Wladimir Putin, François Hollande, Deutschland, Frankreich, Russland
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