21:18 21 April 2018
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    Soldat der von den USA unterstützten Einheiten in der nordsyrischen Provinz Manbij

    Wer lenkt zuerst ein: USA oder Russland? – „Gefährliche Eskalation des Syrien-Kriegs“

    © AP Photo / Hussein Malla
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    Paul Linke
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    Nach der Ankündigung des US-Präsidenten Donald Trump via Twitter, einen Angriff auf Syrien zu starten, zeigen sich viele Sicherheitsexperten besorgt. „Wenn nicht eine der beiden Seiten bereit ist, das Gesicht zu verlieren, dann wird es einen militärischen Zusammenstoß geben“, warnt der österreichische Politologe Gerhard Mangott.

    Die provozierende Ankündigung des US-Präsidenten, „hübsche, neue und smarte Raketen“ auf Syrien abzufeuern, würde den amerikanischen Präsidenten binden, einen Militärschlag durchzuführen, sagt Prof. Dr. Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck. Der Politologe befürchtet, dass der US-Angriff über das Ausmaß hinausgehen wird, wie es die Welt vor einem Jahr anlässlich des mutmaßlichen Giftgasanschlags auf die syrische Stadt Chan Schaichun gesehen hat. Damals sei „nur“ eine Luftwaffenbasis der syrischen Armee in Homs bombardiert worden, so der Experte.

    Krieg für Gesichtswahrung?

    „Donald Trump würde sein Gesicht verlieren, würde er hinter diese Ankündigung zurückgehen. Es gibt auf der anderen Seite die Ankündigung Russlands, einen solchen Angriff abzuwehren. Russland würde auch das Gesicht verlieren, wenn es das nicht tut. Insofern ist die Bereitschaft der Vereinigten Staaten noch vor Vorliegen des Berichtes der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen, einen Militärschlag durchzuführen, vielleicht in gemeinsamer Operation mit den französischen Streitkräften, eine höchst gefährliche Eskalation des Syrien-Kriegs. Alle Operationen militärischer Natur vor dem Vorliegen eines solchen Berichtes sind unverantwortlich“, bemängelt Mangott im Sputnik-Interview.

    Als Analytiker sei er fassungslos, wie dieses sogenannte „Brinkmanship“ immer weiter getrieben werde, bei dem zwei Autos ungebremst auf einen Abgrund zurasen und es darauf ankomme, wer zuerst einlenke, so der Experte für internationale Beziehungen: „Und wenn nicht eine der beiden Seiten bereit ist, das Gesicht zu verlieren, dann wird es den militärischen Zusammenstoß geben.“

    Cui bono?

    Es sei ganz klar, dass dieser Giftgasangriff jenen Kreisen in den USA nütze, die gegen Trumps Vorschlag von letzter Woche seien, sich aus Syrien zurückzuziehen, bemerkt Mangott.

    „Doch das heißt überhaupt nicht, dass dieser Anschlag eine ‚False-Flag‘-Operation oder etwas Inszeniertes sein könnte“, so der österreichische Forscher.

    Die Frage „Wem nützt etwas?“ führe nicht immer zur Wahrheit: „Ein Akteur in diesem Konflikt kann etwas tun, was ihm nicht nützt, aus einer Fehlkalkulation heraus. Deswegen müssen wir mit der Cui-bono-Frage sehr vorsichtig umgehen“, warnt der Russlandexperte. Man könne von außen nicht sagen, was hier geschehen und welches Gas eingesetzt worden sei. Man könne auch nicht sagen, wer es eingesetzt habe. „Wenn Trump den Abzug der USA aus Syrien ankündigt, dann liegt es nicht in seinem Interesse, etwas zu tun, was die Amerikaner in Syrien hält“, überlegt der Politologe. Deswegen sei so wichtig, dass die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) ungehinderten Zugang zu diesem Ort bekomme, wo der Giftgasanschlag stattgefunden haben soll. Nur so könnten die Chemiewaffenexperten einen unabhängigen Bericht vorlegen, folgert Mangott.

    „Keine durchdachte US-Strategie“

    „Wie wird es weitergehen, wenn Russland zum Beispiel mit seinen Raketenabwehrsystemen nicht erfolgreich ist?“, fragt Professor Mangott. Dann sei das eine Beschädigung des Rufs der Verlässlichkeit russischer S400-Raketen.

    „Wenn Russland jedoch erfolgreich ist und einige amerikanische Raketen abfängt, dann werden die Vereinigten Staaten mehrere Serien von Angriffen starten müssen. Sehr wahrscheinlich von Cruise-Missile-Angriffen.“

    Doch eine durchdachte Strategie der Syrienpolitik der Vereinigten Staaten gebe es mit der aktuellen US-Administration nicht. Das mache die Lage schwierig und schwer berechenbar, so der Experte.

    Das komplette Interview mit Prof. Dr. Gerhard Mangott:

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    Tags:
    Kriegsgefahr, Politologe, Raketenschlag, Folgen, S-400, Pentagon, Donald Trump, Gerhard Mangott, Duma, Khan Sheikhoun, Homs, Syrien, USA, Russland
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