21:07 11 Dezember 2018
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    „Man hätte Untersuchung abwarten können“: Schweizer Minister zu Angriff gegen Syrien

    © AFP 2018 / FABRICE COFFRINI
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    Der Schweizer Verteidigungsminister, Guy Parmelin, und der Außenminister, Ignazio Cassis, haben die Luftschläge von den USA, Großbritannien und Frankreich gegen Syrien als voreilig eingestuft und die Notwendigkeit einer Überprüfung der Organisation für das Verbot chemischer Waffen unterstrichen.

    „Man muss extrem vorsichtig sein, bevor man endgültige Urteile fällt. Die Experten sollen nun ihre Arbeit machen", sagte Parmelin gegnüber dem „Blick".

    „Die Uno hat die Experten für chemische Waffen dorthin geschickt, um ihre Untersuchung zum möglichen Giftgasangriff durchzuführen. Diese Mission ist in der Lage festzustellen, ob beziehungsweise welche Chemiewaffen eingesetzt wurden. Ihre Ergebnisse hätte man abwarten können", betonte er.

    Der Schweizer Bundesrat rufe alle Konfliktparteien auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, so Parmelin: „Der Krieg in Syrien war Thema von Gesprächen in Genf. Diese Gespräche müssen weitergehen. So rasch wie möglich. Die Zivilbevölkerung leidet. Das ist inakzeptabel", sagte er.

    Die Situation nach dem Raketenschlag gegen Syrien  bewertete er als beunruhigend: So eine Lage könne „rasch außer Kontrolle geraten", warnte Parmelin.

    Diese Auffassung vertrat auch der Außenminister Ignazio Cassis in einem Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag". Er könne die Luftschläge der drei westlichen Staaten als eine Militäreskalation nicht begrüßen, sagte er.

    Zudem bestehe auch die Gefahr, dass ein Krieg aufgrund von Fehlinformationen beginnen könnte, betonte Cassis:

    „Ich halte mich mit einem Urteil zurück, bis die Fakten geklärt sind. Noch ist ja nicht eindeutig erwiesen, ob Syrien solche Stoffe eingesetzt hat, dies ist erst eine Vermutung. Und wir müssen diesbezüglich etwas aufpassen: Es wurden schon Kriege begonnen aufgrund von falschen Informationen. Denken Sie an die mutmaßlichen Atomwaffen im Irak, die es nie gab", so Cassis weiter.

    In der Nacht auf Samstag hatte US-Präsident Donald Trump einen Angriff auf Syrien als Vergeltung für die vermeintliche Giftgasattacke in der Stadt Duma angeordnet. Wenige Zeit später feuerten die USA, Großbritannien und Frankreich 103 Marschflugkörper sowie Luft-Boden-Raketen gegen Objekte in Syrien ab. Laut dem russischen Generalstab hat die syrische Luftabwehr 71 Marschflugkörper abgefangen.

    Moskau bezeichnete diesen Raketenschlag als eine „dreiste Verletzung des Völkerrechts". Der russische Außenminister, Sergej Lawrow, sagte, die USA und deren Verbündete hätten den Schlag gegen Syrien kurz vor dem Eintreffen der Experten der Organisation für Verbot von Chemiewaffen versetzt, um die Experten an ihrer Arbeit zu hindern.

    In der vergangenen Woche hatten wesliche Länder der syrischen Regierung vorgeworfen, Chemiewaffen in der Stadt Duma eingesetzt zu haben. Damaskus wies diese Vorwürfe zurück.

    Experten des russischen Zentrums für Versöhnung der Konfliktparteien in Syrien besuchten den Ort des vermutlichen C-Waffen-Einsatzes und entdeckten dort keine Spuren von Toxinen. Nach Angaben des Versöhnungszentrums wiesen Ärzte des Krankenhauses der Stadt Duma Informationen über die Einlieferung von Kranken mit Anzeichen einer chemischen Vergiftung zurück.

    Der russische Generalstab hatte bereits am 13. März vor einer Provokation in Ost-Ghuta gewarnt, bei der Terrorkämpfer einen Chemiewaffeneinsatz inszenieren sollten.

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    Tags:
    Untersuchung, Experten, Luftschlag, Chemiewaffen, Raketenschlag, die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), Syrien, Schweiz