15:04 16 Oktober 2018
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    Neue Chancen im Osten: „Mit Deal mit dem Westen sollte Russland nicht rechnen“

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    Rossijskaja Gaseta
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    Bei den Beziehungen mit der nichtwestlichen Welt sollte Moskau seinen Kurs nicht der Meinung des Westens anpassen. Die Zeit, als Russland versucht hat, sich ins westliche System einzubetten, ist vorbei. Diesen Standpunkt vertritt der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow.

    Lukjanow schrieb in einem Gastbeitrag für die „Rossijskaja Gaseta“, Russland habe mittlerweile keine rationalen Motive mehr, die Meinung der USA bei seiner Iran-Politik zu berücksichtigen. In Syrien hätten die Interessen Russlands und des Iran hauptsächlich (wenn auch nicht ganz) übereingestimmt, während die Interessen Russlands und der USA völlig auseinandergegangen seien. 

    „Nach dem Amtsantritt der Trump-Administration versucht Washington nicht einmal mehr, so zu tun, als ob es einen ausbalancierten Kurs im Nahen und Mittleren Osten sucht. Russland wurde als Gegner eingestuft (in manchen Dokumenten zusammen mit dem Iran, in anderen per se oder in Gesellschaft mit China)“, so Lukjanow.

    Der Geschehensablauf in Syrien habe erstens die Effizienz des russisch-iranischen militärpolitischen Zusammenwirkens demonstriert und zweitens die Tatsache, dass es zweckmäßig sei, sich bei der Regelung regionaler Probleme auf Regionalmächte zu stützen und möglichst wenige außenstehende Mächte zu involvieren.

    „Der akute Konflikt Russlands und des Westens hat den mehr als zwei Jahrzehnte langen Zeitraum gekrönt, in dem Russland qualvoll versucht hatte, sich ins westliche System einzubetten. Nun bilden sich neue Bedingungen für ein Zusammenwirken mit dem Iran heraus – ebenso wie mit weiteren nichtwestlichen Mächten“, postulierte Lukjanow.

    Zwischen Russland und dem Westen sei derzeit kaum ein Kompromiss in Sicht: „Die Situation ist schlimmer als im Kalten Krieg in der zweiten Hälfe des 20. Jahrhunderts. Damals hatte man im Westen die Sowjetunion zwar nicht gemocht, Angst vor ihr gehabt, gegen sie gekämpft, dabei aber ihr ein gewisses Recht auf eine eigene Rolle und Position zugestanden. Dem heutigen Russland (das im Westen nun lediglich als Putin-Russland bezeichnet wird) spricht man dieses Recht ab. Russland wird als eine strategisch verlöschende Macht wahrgenommen, die einer globalen Rolle nicht gewachsen sei, sich aber trotzdem krampfhaft und mit allen Mitteln daran klammere; ein solches Land müsse man zurechtweisen, anstatt ihm entgegenzukommen.“

    Vor dem Hintergrund dieser Einstellung des Westens schreibt Lukjanow: „Mit einem Deal mit dem Westen sollte Russland nicht rechnen. Nicht dass dies die Hände völlig frei macht – dadurch entstehen aber neue Möglichkeiten im Osten und im Süden. Moskau könnte und sollte seine Beziehungen mit der nichtwestlichen Welt ohne Rücksicht auf die westliche Gemeinschaft gestalten. Das heißt, Russland sollte damit aufhören, seinen Kurs der Meinung des Westens anzupassen und den Osten als Instrument der Einflussnahme auf den Westen zu betrachten. Stattdessen sollte der Osten als eine Priorität betrachtet werden, die an und für sich wertvoll ist.“

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    Konflikt, Donald Trump, Westen, Naher Osten, Iran, UdSSR, Syrien, USA, Russland, China