10:58 19 Oktober 2018
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    Skandal!!! Sputnik-Korrespondent stellt Bundesregierung Fragen!

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    Politik
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    Andreas Peter
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    Die Tageszeitung „Die Welt“ aus dem Axel-Springer-Konzern hat sich heute genötigt gesehen, die Arbeit der Sputnik-Redaktion in Berlin zu kommentieren. Korrespondenten des deutschen Dienstes von Sputniknews haben es offenbar gewagt, in einer Regierungspressekonferenz Fragen zu stellen. Das gefällt einem Politikredakteur des Springerblattes nicht.

    Eigentlich ist der Springer-Konzern bemüht, die „Welt“ als seriöses Flaggschiff des Multimedienimperiums aufzubauen und dieses Image zu pflegen. Aber in Situationen wie dieser blitzt dann leider doch durch, dass Springer eben auch die Heimat einer Hetzpostille wie „BILD“ ist. Der Titel des „Welt“-Kommentars „Wie Russenversteher die Bundespressekonferenz kapern“ hätte einem Allesversteher wie BILD-Online-Chef Julian Reichelt alle Ehre gemacht.

    Was die Leser vom Kommentar bei der Welt halten - Daten von 19:24 MEZ
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    Was die Leser vom Kommentar bei der Welt halten - Daten von 19:24 MEZ

    „Welt“ unterstellt „Sputnik“ keinen Willen zu Erkenntnisgewinn

    Offenbar scheint dessen Kasernenhofton zu einer Art Standard bei Springer geworden zu sein. Der „Welt“-Redakteur schreibt unter anderem: „Manche Journalisten stellen keine auf Erkenntnisgewinn zielenden Fragen. Sie verlesen stattdessen Statements aus Moskauer Sicht.“

    Und dies sind solche angeblichen Statements. Von Sputnik-Korrespondent Tilo Gräser in der Regierungspressekonferenz vom heutigen Mittwoch vorgetragen:

    „Tilo Gräser, RIA Novosti Deutschland / Sputniknews. Ich habe an die Bundesregierung folgende Frage: Auf welcher Faktengrundlage hat Frau Merkel gestern Russland als mitverantwortlich für den angeblichen Giftgaseinsatz in Syrien am 7.April bezeichnet, welche Beweise und Erkenntnisse hat die Bunderegierung für den angeblichen Giftgaseinsatz, und warum werden diese nicht öffentlich gemacht – sie setzt sich ja dem Verdacht der Lüge aus, da inzwischen internationale Journalisten von vor Ort berichten, dass es keine Spuren eines solchen Einsatzes gibt – und was ist „verantwortungsgerecht und angemessen“, wie es die Bundesregierung bezeichnet hat, bei einem Raketenangriff auf angebliche Chemiewaffenanlangen und –lager, mit denen eine mindestens Umweltkatastrophe ausgelöst werden kann, und warum ignoriert die Bundesregierung die Mehrheitsmeinung auch in der deutschen Bevölkerung, die gegen solche Angriffe sich geäußert hat in Umfragen?“

    Schwieriger Erkenntnisgewinn, wenn Bundesregierung ohne Erkenntnisse

    Wie jede Leserin und jeder Leser sofort ganz deutlich erkennt, sind diese Fragen von Sputnik an die Bundesregierung eine Vorlage, die direkt aus dem Kreml zugestellt wurde, um sie zu verlesen. Es ist ebenso deutlich zu erkennen, dass diese Fragen „keine auf Erkenntnisgewinn zielenden Fragen“ sind, sondern ganz offenkundig nur der Erzeugung von Geräuschen dienen. Solche Fragen würde ein Korrespondent aus dem Hause Springer niemals stellen. Wohl deshalb reagierte die Bundesregierung auch etwas verwirrt.

    Der Sputnik-Korrespondent musste in Ermangelung einer Antwort nachfragen, natürlich ohne Erkenntnisgewinnerzielungsabsicht, inwiefern Bombardierungen von angeblichen Chemiewaffenanlagen und –lagern „verantwortungsgerecht“ und „angemessen“ sein sollen, wenn dadurch zum Beispiel Umweltschäden ausgelöst werden können. Die Antwort der Bundesregierung ist zumindest für die Redaktion von Sputnik Deutschland ein echter Erkenntnisgewinn:

    „Ich teile schon die ihrer Frage zugrunde liegenden Fakten nicht.“

    Als der Sputnik-Korrespondent nachhakt:

    „Fakt ist, dass Raketenangriffe angeblich auf Chemiewaffenanlagen, Produktionsanlagen, Forschungsanlagen und Lager durchgeführt worden sind. Stimmen diese Angaben nicht, die gemeldet wurden?“

    antwortet die Sprecherin der Bundesregierung:

    „Sie selber sagen ja „angeblich“. Ich kann ihnen dazu keine Details liefern, ich kann ihnen auf diese konkrete Situation hin keine Analyse liefern.“

    Aber immerhin reicht es, wie wir nun wissen, dafür, dass die Bundeskanzlerin auf der Basis dieser „Erkenntnisse“ die Aussage treffen kann, die völkerrechtswidrigen Bombardierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs seien „verantwortungsgerecht“ und „angemessen“. Wir Redakteure von Sputnik lernen ja immer wieder gerne über die unschlagbaren Vorzüge westlicher Politik und von ihren professionellen Verstehern in Medien wie der „Welt“. Womit wir wieder bei deren Kommentar sind. Der Kommentierende schreibt zum Beispiel:

    „Die Männer (Frauen wurden noch nicht gesehen) verfolgen ein klares Ziel. Dass es ein Auftrag ist, wäre Mutmaßung.“

    Dass ausgerechnet ein Journalist des Axel-Springer-Konzerns anderen Journalisten unterstellt, sie würden einen Auftrag ausführen, ist einerseits Ausdruck einer immer wieder anzutreffenden arroganten Selbstverliebtheit mancher westlicher Vertreter der Zunft. Andererseits ist es in diesem Fall besonders dreist. Denn der Kommentierende der „Welt“ hätte seinen Arbeitsvertrag bei Axel-Springer niemals erhalten, wenn er die verpflichtenden Unternehmensgrundsätze der Axel-Springer AG und deren Befolgung nicht akzeptieren würde. Diese Unternehmensgrundsätze lauten zum Beispiel:

    „3. Wir zeigen unsere Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.“

    Das wird zwar nur als „Orientierung“ dargestellt, und es wird beteuert, „Kritik nicht ausgeschlossen“. Aber die gewöhnliche Lektüre von „Welt“ und insbesondere „Bild“ lässt sehr schnell offensichtlich werden, wie es mit Kritik an der „freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika“ bestellt ist, wenn diese sich zum Beispiel anschickt, anderen Völkern die Einhaltung des Völkerrechts beizubringen, dabei aber selbst das Völkerrecht mit Füßen tritt.

    Vielleicht kann uns diesen Widerspruch ja der Kommentator von der „Welt“ erkenntnisgewinnend erläutern.

    Darauf gespannt wartend und grüßend

    Andreas Peter

    PS: Dies hat Sputnik-Korrespondent Tilo Gräser von der Regierungspressekonferenz am heutigen Mittwoch berichtet. Aber Vorsicht! Sie werden keine Erkenntnisse gewinnen. Ob das indes am Korrespondenten oder den Antworten der Bundesregierung liegt, müssen Sie selbst entscheiden: Mehrheiten gegen Angriffe auf Syrien – Bundesregierung weiß von nichts

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    Konzern, Raketenschlag, Journalismus, Angriff, Pressekonferenz, Axel Springer, Die Welt, Sputnik, Deutschland