04:50 18 Juni 2019
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    Britische C-Waffen am Boden des Weißen Meeres: Ist Russlands Norden in Gefahr?

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    Großbritannien hat mehrmals chemische Waffen, die im Chemielabor in Porton Down produziert worden sind, im russischen Norden eingesetzt. Dies teilte Professor Wladislaw Goldin von der Nördlichen (Arktischen) föderalen Lomonossow-Universität am Donnerstag in der Talk Show „Prozess“ im TV-Sender „Swesda“ mit.

    Wie der Professor in dieser Sendung sagte, habe unter den britischen Bombardements die Zivilbevölkerung gelitten. So seien im Jahr 1919 aus dem bekannten Chemielabor 50.000 M Devices – explodierende Granaten mit einem extrem giftigen Gas – in das Gebiet Archangelsk (Norden Russlands – Anm. d. Red.) geschickt worden. Kurz darauf seien sie gegen Soldaten der Roten Armee eingesetzt worden. Das erste Bombardement mit M Device-Einsatz soll am 27. August 1919 im Dorf Jemezk 170 Kilometer südlich von der Stadt Archangelsk fixiert worden sein.

    „Es haben Militärs, es haben Zivilisten gelitten, weil diese Waffe sowohl für Artilleriebeschuss als auch für Bombardements verwendet wurde“, betonte der Experte.

    Im August 1919 erschienen in den Medien Meldungen über den Einsatz von erstickendem Gas durch die Briten.

    „Die Engländer setzen an der Nordfront Granaten mit erstickenden Gasen ein. Britische Piloten werfen Bomben auf die Bauernhäuser in den Dörfern ab und verbrennen das Getreide. Die Bauern nennen sie Würger und Brandstifter“, hieß es in der Zeitung.

    „Es gibt eine Menge solcher Zeugnisse. Sowohl in den heute freigegebenen britischen Dokumenten als auch in den Büchern, die von Großbritannien zu diesem Thema herausgegeben wurden. Daher kann man dieses Bild in vollem Maße wiedergeben“, erläuterte der Experte.

    Die Chemiewaffen-Angriffe im Norden dauerten während des ganzen Monats August an. Allerdings waren die Ergebnisse dieser Bombardements Winston Churchill nicht recht, und zum September wurden die Attacken eingestellt. Nach zwei Wochen wurden die übrig gebliebenen Chemiewaffen im Weißen Meer versenkt, wo sie sich noch heute befinden. Goldin zufolge ist die genaue Stelle bis dato nicht festgestellt worden.

    „In den vorhandenen Quellen wird eine Tiefe von ungefähr 70 Metern angegeben, aber wo konkret diese Waffen abgeworfen wurden, bleibt nach wie vor eine große Frage“, so der Professor.

    Der Historiker hat nicht ausgeschlossen, dass diese Chemiewaffen nach hundert Jahren nun verrotten.

    „Ab und zu passieren in Weißem Meer Umweltkatastrophen — ein Massensterben von Meereslebewesen. Eine Ursache hierfür kann gerade die Verrottung jener Chemiewaffen sein. Das heißt, dass der chemische Krieg, den Großbritannien hier im Norden geführt hatte, heute seine Früchte bringt, die Menschen und die Lebewesen im Weißen Meer leiden dadurch“, vermutete Goldin.

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    Tags:
    Zeugnisse, Gas, Zivilbevölkerung, Chemiewaffen, Talk Show "Prozess", TV-Sender Swesda, Wladislaw Goldin, Großbritannien, Archangelsk, Russlands Norden, Weißes Meer