04:50 16 August 2018
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    Nach Raketenangriff auf Syrien: „Der Iran sollte sich wappnen“ – USA-Experte

    © AP Photo / Ebrahim Noroozi
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    „Der Iran sollte sich wappnen“, sagt der USA-Experte Josef Braml im Sputnik-Interview. „Denn die USA haben da noch eine Rechnung offen.“ Sollte sich der Nationale Sicherheitsberater John Bolton durchsetzen, werden die USA militärisch gegen den Iran vorgehen. Das würde die Region destabilisieren und neue Fluchtbewegungen zur Folge haben.

    „Ich habe eigentlich damit gerechnet, dass auch der zweite Unterstützer Assads, also nicht nur Russland, sondern auch der Iran direkt schon heftiger bestraft würde“, meint der Politikwissenschaftler und Experte für transatlantische Beziehungen der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP).

    Aufkündigung des Iran-Atomdeals?

    Dazu sei es bisher noch nicht gekommen. In Richtung Russland seien die Sanktionen, die dem Präsidenten vom Kongress aufgenötigt wurden, scharf gemacht worden. An dieser Front sei man damit vorerst positioniert. Beim Iran könnte jedoch noch mehr folgen. Bisher konnte sich der neue Nationale Sicherheitsberater John Bolton noch nicht durchsetzen. Das könnte sich aber bald ändern. Braml erklärt:

    Der neue Sicherheitsberater an der Seite Trumps wird wohl noch einige Tage brauchen, um seinen Nationalen Sicherheitsrat zusammenzustellen. Und Trump braucht auch noch einige Tage, um sein Kriegskabinett vorzubereiten. Ich gehe davon aus, dass nicht nur der neue nationale Sicherheitsberater John Bolton, sondern auch (CIA-Chef) Mike Pompeo dem Iran gegenüber sehr kritisch eingestellt sind. Seien Sie nicht überrascht, wenn im Mai dann der Nukleardeal mit dem Iran aufgekündigt wird. Danach gibt es dann nicht so viele Möglichkeiten: Entweder Amerika findet sich mit der Nuklearisierung des Iran ab, oder es schlägt präventiv zu. Ich vermute Letzteres.“

    Neue Flüchtlingsbewegungen

    Dann könnte der Iran zum nächsten Krisenherd im Nahen Osten werden. Das würde die Region weiter destabilisieren. Für die USA wäre das nicht das allergrößte Problem. Sie seien weit weg, und die Flüchtlinge würden wieder nach Europa kommen. Auch Russland hätte wahrscheinlich nichts dagegen, so Braml, wenn man dann doch wieder mehr Spielraum hätte, etwa durch höhere Staatseinnahmen, sollte der Ölpreis infolge einer Krise wieder steigen. Braml erwartet also nicht, dass Russland hier allzu treu an der Seite des Iran stehen werde.

    Innenpolitische Vorteile für Trump

    Dass der Iran in die Schusslinie gerate, habe auch innenpolitische Vorteile für US-Präsident Trump, erklärt der US-Experte:

    US-Präsident Donald Trump beim treffen mit Kabinett (Archiv)
    © AP Photo / Evan Vucci
    „Denken sie nur an das schlimmste Szenario, nämlich, dass Trump bei den Kongresswahlen am 6. November beide Kammern verliert, also das Abgeordnetenhaus, das ein Impeachment-Verfahren gegen ihn einleiten könnte, und den Senat, der das Ganze dann durchwinken könnte. Um das zu verhindern, braucht Oberbefehlshaber Trump auch eine externe Bedrohung. Die könnte helfen, dass sich das Land, die Bevölkerung wieder hinter ihn schart. Denken Sie nur an George W. Bush, der 2002 die Kongresswahlen gewinnen konnte, was im Verlauf der US-Geschichte nicht normal ist. Da gibt es wenige Ausnahmen – Trump könnte eine weitere sein.“

    Weitere Analysen von Josef Braml gibt es hier.

    Das komplette Interview mit Dr. Josef Braml (DGAP) zum Nachhören:

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    Tags:
    Raketenangriff, Atomabkommen, Sanktionen, Mike Pompeo, John Bolton, Donald Trump, Baschar al-Assad, Naher Osten, Iran, Syrien, USA
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