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    Grönland (Symbolbild)Flaggen Chinas und der USA

    China kann zu Grönlands Unabhängigkeit beitragen – USA und EU argwöhnisch – Zeitung

    © Sputnik / Iwan Sakhartschenko © AP Photo / Jacquelyn Martin/Pool
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    Politik
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    Das Ergebnis der Parlamentswahlen in Grönland legt den Weg zu dessen Unabhängigkeit von Dänemark offen, allerdings wird diese Selbständigkeit neue Schwierigkeiten bereiten. Wie chinesische Unternehmen zu deren Bekämpfung beitragen und warum dies von der EU und den USA ungern gesehen wird, erläutert das „Handelsblatt“.

    Fast alle Parteien, die an den am Dienstag in Grönland abgehaltenen Parlamentswahlen teilgenommen haben, setzen sich für die Unabhängigkeit des autonomes Landes vom Königreich Dänemark ein — der Unterschied besteht nur darin, mit welcher Geschwindigkeit sie das erreichen wollen. Die beiden Regierungsparteien, die 27 beziehungsweise 25 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnten, befürworten einen ruhigeren, jahrzehntelangen Weg zur Unabhängigkeit. Weitere 17 Prozent der Wählerstimmen bekam eine Partei, die ein schnelleres Unabhängigkeitsverfahren befürwortet.

    Da auch Kopenhagen nichts mehr gegen eine vollständige Unabhängigkeit Grönlands habe, erscheine diese Option nun als höchstwahrscheinlich, so die Zeitung. Allerdings berge die offensichtlich von allen Grönländern ersehnte Unabhängigkeit bestimmte Gefahren in sich.

    Vor allem sei es das Wegfallen der großzugigen dänischen Subventionen, deren Höhe knapp 500 Millionen Euro pro Jahr betrage und somit die Hälfte der Staatsausgaben von Grönland ausmache. Die Einnahmen aus der Fischfangindustrie, die rund 90 Prozent der grönländischen Exporte bringe, sowie der Tourismus könnten den Wegfall bisher nicht ausgleichen.

    Vor diesem Hintergrund gewinne die Förderung von Rohstoffvorkommen im Lande stark an Bedeutung. In diesem Sinne komme die globale Erderwärmung dem Land zugute, denn das allgegenwärtige Eis schmelze und lege die Rohstoffvorkommen frei.

    Nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) würden allein die Vorkommen von für die Elektronikbranche wichtigen Seltenen Erden die weltweite Nachfrage für 150 Jahre Decken. Dazu  kämen  gigantische Öl- und Gasvorkommen sowie wertvolle Erze, beispielsweise von Zink oder Uran. 

    Da es aber in Grönland an finanziellen Mitteln und qualifizierten Arbeitskräften mangele, bedürfe das Land zuverlässiger ausländischer Partner, um die Rohstoffförderung zu bewältigen.

    Dabei gebe es unter den ausländischen Firmen, die Förderlizenzen erhalten hätten, recht viele chinesische — oder mit chinesischem Kapital versehene — Unternehmen, und das würden Kopenhagen und Brüssel „mit Argwohn" sehen: Dänemark und die EU seien darüber besorgt, dass „der chinesische Vormarsch" sich auf das Verhältnis mit den USA negativ auswirken könnte, die mehrere Stützpunkte und auch Teile ihres Raketenwarnsystems auf der riesigen Insel unterhielten.

    „Grönland ist aus Sicht Washingtons strategisch überaus wichtig, da von hier aus die gesamte Nordhälfte der Erde inklusive Russland überwacht werden kann. Eine allzu starke chinesische Präsenz würde da stören", schreibt die Zeitung abschließend.

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    Tags:
    Förderung, Rohstoffe, Parlamentswahl, Unabhängigkeit, Grönland, Dänemark, USA, China