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    Kruzifixe (Symbolbild)

    Kirchen wollen Söders Kreuz nicht tragen: „Hoffentlich nicht für Wahlkampf verzweckt“

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    Politik
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    Valentin Raskatov
    Kruzifixe an bayerischen Behörden (6)
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    Kreuze in allen Behörden? Im Grunde gut, sind sich Kirchenvertreter einig. Allerdings nur dann, wenn die Anbringung der Kreuze richtig gemeint ist und nicht etwa dem Wahlkampf und anderen politischen Zwecken dienen. Sputnik hat nachgefragt.

    Wie aus heiterem Himmel kommen Unmengen an Kreuzen auf Bayern zu. Denn am Dienstag verkündete der Ministerpräsident des Bundeslandes, Marcus Söder von der CSU, über Twitter, dass eine entsprechende Anordnung im Kabinett beschlossen sei und ab Juni in Kraft treten werde. Kruzifixe sollen in diesem Rahmen Einzug in alle Behörden halten. Das Neutralitätsgebot umschifft der Politiker, indem er auf eine alternative Bedeutung des religiösen Symbols hinweist. Die Kreuze sollen nämlich nicht etwa religiös zu verstehen sein, sondern als Zeichen von Identität und Kultur der Bayern.

    „Das Kreuz lässt sich nicht einspannen“ – Kirchen

    Nicht nur von der Netzgemeinde und von Politikern hagelt es Kritik an dieser Entscheidung. Auch die Kirche meldet sich zu Wort. „Das Aufhängen von Kreuzen in staatlichen Gebäuden ist zunächst eine Angelegenheit des Staates. Wo es hängt, ist es für Christen kein Kampfzeichen in der Auseinandersetzung mit anderen Kulturen und Religionen. Vielmehr soll es ermutigen zum Engagement für Gerechtigkeit, zum Einsatz für Menschen in Not – auch und vor allem für Geflüchtete“, betont etwa der Weihbischof Ulrich Boom von der Diözese Würzburg gegenüber Sputnik. Das Kreuz sei als „ein Zeichen der Liebe“ zu verstehen, führt Boom fort und schließt mit den Worten:

    „Von der CSU erhoffe ich mir, dass ihre Mitglieder das Kreuz in dieser christlichen Bedeutung des Liebessymbols sehen und nicht zuerst als Bekenntnis zur Identität und zur kulturellen Prägung in Bayern. Ich hoffe vor alle, dass das Kreuz nicht für den Wahlkampf verzweckt und für politische Interessen instrumentalisiert wird.“

    In eine ähnliche Richtung geht auch die Antwort des Domdekans und Seelsorgeamtsleiters Dr. Hans Bauernfeind vom Bistum Passau: „Das Kreuz ist unser urchristlichstes Symbol, und es freut mich grundsätzlich, wenn Menschen Zugang zu diesem Kreuz finden, weil für jeden Menschen eine Botschaft darin steckt“, schreibt er. Er hebt aber auch hervor:

    „Das Kreuz hat seine eigene Botschaft, die sich nicht für andere Zwecke, seien sie politisch, gesellschaftlich oder kulturell, einspannen lässt. Das Kreuz steht für die Botschaft Jesu Christi. Es erhebt den Anspruch, dass den Menschen gedient wird.“

    Etwas vorsichtiger drückt sich dagegen der Prälat Lorenz Wolf, Leiter des Katholischen Büros in München, zum Beschluss des bayerischen Kabinetts aus: „Wir begrüßen es, wenn christlich geprägte Grundwerte unseres Gemeinwesens, insbesondere Menschenwürde, Nächstenliebe, Toleranz und Solidarität, wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken“, antwortet er auf Sputnik-Anfrage. Es sei aber wichtig, das Anbringen von Kreuzen nicht „als einen rein symbolischen Akt“ zu sehen, „der nur eine christlich-abendländische Kultur aus der Vergangenheit zum Ausdruck bringt“. Wichtig sei es, die mit dem Kreuz verbundenen Werte auch in der Praxis umzusetzen.

    Auf Sputnik-Anfrage entschied sich Marcus Söder gegen ein Interview.

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    Behörden, Muslime, Katholiken, Kirche, Religionsfreiheit, Kruzifix, SPD, CSU, Bayern, Deutschland