18:46 13 November 2018
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    Skripal-Affäre: Russische Kleinstadt dankt britischen Medien

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    Die Administration der Stadt Schichany, in der angeblich der Giftstoff entwickelt worden sein soll, den London als „Nowitschok“ bezeichnet, hat den britischen Medien für ihre „Werbung“ gedankt und ist der Ansicht, dass dies für das Heranziehen von Investitionen genutzt werden muss.

    „Es hat doch bislang keiner Schichany gekannt, bis die britischen Medien Werbung für uns gemacht haben. Diese Möglichkeit muss genutzt werden, um Investitionen für die Stadt zu gewinnen“, erklärte Stadtoberhaupt Andrej Tatarinow gegenüber Sputnik.

    Wie er ferner erklärte, waren die in der damaligen Sowjetunion entwickelten Chemiewaffen im Schichany weder getestet noch gelagert worden.

    „In Schichany wurden nie Chemiewaffen gelagert und auch nicht entsorgt. Sie wurden entwickelt, aber es gab keine Depots“, sagte das Stadtoberhaupt.

    Seinen Worten zufolge wurde das Testgelände unweit der Stadt nie für die Erprobung von Chemiewaffen genutzt. „Das Testgelände existiert auch heute noch, es untersteht dem Verteidigungsministerium und hat keinerlei Beziehung zu uns. Aber so viel mir bekannt ist, hat es in Schichany niemals C-Waffen-Feldteste gegeben. Hierfür waren andere Orte vorgesehen“, so Tatarinow.

    Im Interview mit Sputnik verwies er darauf, dass man die Bezeichnung des Giftstoffes „Nowitschok“ (dt. „Neuling), mit dem laut London die Skripals vergiftet worden sein sollen, in Russland für die Produktion von Haushaltschemie patentieren wolle.

     „Dieser Tage habe ich im Internet gelesen, dass ein Landwirt im Gebiet Uljanowsk unter der Marke ‚Nowitschok‘ eine Sonnenblumenöl auf den Markt gebracht hat. Diese Situation macht mir etwas zu schaffen. Eben weil das unsere Marke ist, die mit Schichany verbunden ist. Ich habe die Stadtverwaltung beauftragt zu prüfen, wie die Marke ‚Nowitschok‘ als Handelsmarke für Artikel der Haushaltschemie zu patentieren ist“, teilte das Stadtoberhaupt von Schichany mit.

    Zuvor hatte die Zeitung „The Times“ berichtet, dass die britischen Geheimdienste als vermeintlichen Herstellungsort der Substanz, mit der der Ex-Oberst der russischen Militäraufklärung GRU und Überläufer Sergej Skripal vergiftet worden sein soll, das Chemielabor in der russischen Stadt Schichany im Gebiet Saratow genannt hätten. Diese Information war auch in dem Bericht enthalten, den London verbreitet hatte, um seine Bündnispartner davon zu überzeugen, sich den Sanktionen gegen Russland anzuschließen.

    Der Leiter der Saratower Filiale „Schichany“ des russischen Forschungsinstituts für organische Chemie und Technologien, Andrej Karassjew, hat erklärt, dass es seit  dem Jahr 2005 „bei ihnen keinerlei Produktion gibt, es ist ein neuer Betrieb, der gemäß der Konvention zur Vernichtung der Chemiewaffen funktioniert“.

    In der englischen Stadt Salisbury waren am 4. März der in Russland seinerzeit für Spionage zugunsten Großbritanniens verurteilte GRU-Ex-Mitarbeiter Sergej Skripal, der 2010 im Zuge eines Agentenaustausches freigekommen und nach Großbritannien gegangen war, und seine Tochter Julia vergiftet worden, was einen großen internationalen Skandal auslöste. London behauptet, in die Vergiftung der Skripals mit der Substanz A234, einem Nervengift, sei der russische Staat verwickelt. Moskau hat dies entschieden verneint.

     

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    Tags:
    Labor, Gift, Vergiftung, Chemiewaffen, Medien, Sergej Skripal, Saratow, Großbritannien, Russland