09:27 22 August 2018
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    „Neue Atomunfälle schon am Horizont“: US-Professorin warnt vor Vertuschung

    © AFP 2018 / Yoshikazu Tsuno
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    Haben wir wirklich aus den großen Atomkatastrophen gelernt? Mit dieser Frage hat sich Majia H. Nadesan, Professorin für Sozial- und Verhaltenswissenschaften an der University of Arizona (USA), beschäftigt. In einem Gespräch mit Sputnik warnt sie vor neuen Atomunfällen und deren Vertuschung.

    „Im Fall der Atomenergie sehen wir, wie die Konzentration von Entscheidungsbefugnissen, die durch symbolische Aufrufe zur nationalen und wirtschaftlichen Sicherheit legitimiert ist, zu endlosen Katastrophen führt, deren deutliche Entfaltung die Atomhavarien in der US-Stadt Hanford, im ukrainischen Tschernobyl, im russischen Betrieb ‚Majak‘ und im japanischen Atomkraftwerk Fukushima zeigen“, sagte die Professorin.

    Ihr zufolge müssen die Anstrengungen zur Senkung des Risikos der Katastrophen in erster Linie mit der Anerkennung der Maßstäbe und der Ernsthaftigkeit der Gefahr beginnen.

    „Einflussreiche Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen des Atombereichs mit ihrem symbolischen Denken im Bereich der nationalen Sicherheit wollen oft nicht den ersten Schritt tun, und dann sehen wir, wie die USA die Betriebsdauer von bereits aus dem Gebrauch gekommenen Reaktoren verlängern, und Japan allmählich Flüchtlinge, die von der Nuklearkatastrophe von Fukushima betroffen waren, in Regionen mit einem immer noch erhöhten Strahlungsniveau zurückkommen lässt.“

    Wie Nadesan ausführte, kann der Unwillen, infrastrukturelle Gefahren der Lieferungen von Atomtreibstoff, seines Gebrauchs und der Verwertung von radioaktiven Abfällen anzuerkennen, noch schlimmere Katastrophen auslösen. Jede weitere werde ihren Beitrag zur genotoxischen Verschmutzung durch Radionuklide leisten, die „in der biologischen Umwelt, von der unser Leben abhängt, kreisen und sich dort anhäufen“.

    Die Beispiele Tschernobyl und Fukushima zeigen: Nukleare Katastrophen folgen aus dem Unwillen, Lehren zu ziehen, und aus dem damit verbundenen starken Wunsch der Regierungen, das Risiko radiologischer Notstandsituationen privat zu managen, so Nadesan.

    „Es gibt keine Zweifel, dass neue Atomunfälle bereits am Horizont stehen, weil die aus dem Gebrauch kommende Ausrüstung den Bewährungsproben der irdischen Naturgewalt unterzogen wird, wie Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Klimaveränderungen, und vor menschlichen Fehlern und Bosheit, wie im Fall eines Cyberangriffs, nicht sicher ist.“

    Wie Nadesan weiter betonte, wird die Zahl der ernsthaften Unfälle wachsen – die Öffentlichkeit jedoch werde darüber immer weniger erfahren. Die durch die Anpassungslogik bewogenen Regierungen in der ganzen Welt revidieren die Strahlungsnormen, warnt die Expertin.

    Dabei können die Regierungen parallel zur Erhöhung der Strahlungsstandarten die Informationen zensieren oder den Zugang zu den Daten über den Stand der Schmutzstoffe begrenzen. In den USA hat man laut Nadesan etwa beobachten können, wie das System Radnet der US-Agentur für Umweltschutz die Monitore ausgeschaltet und den Zugang zu den Beta-Daten im Laufe von mehreren Monaten und Jahren nach der Katastrophe von Fukushima begrenzt hatte.

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    Tags:
    Strahlungsstandarten, Atomunfälle, Horizont, Katastrophen, Agentur für US-Umweltschutz, Regierungsorganisationen, University of Arizona, Nichtregierungsorganisationen (NGO), Majia H. Nadesan, Arizona, Tschernobyl, Japan, USA, Russland, Ukraine
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