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    Horst Seehofer (CSU) bei Sitzung der Bundesregierung

    Straftaten sinken, Unsicherheit steigt? – Seehofer stellt Kriminalstatistik vor

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    Politik
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    Paul Linke
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    „Deutschland ist sicherer geworden“, sagt Innenminister Horst Seehofer, der die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für 2017 vorstellte. Knapp die Hälfte der Bevölkerung fühle sich jedoch weniger sicher als vor einigen Jahren. Woher rührt diese Unsicherheit?

    Die Kriminalität in Deutschland geht laut Statistik zurück. Die Behörden erfassten im vergangenen Jahr 5,76 Millionen Straftaten. Das ist die niedrigste Zahl seit 1992. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ist die erfasste Kriminalitätsrate sogar niedriger als in den vergangenen 30 Jahren, wie das Bundesinnenministerium am Dienstag in Berlin bekannt gab. Demnach kommen auf 100.000 Einwohner weniger als 7000 Fälle.

    „Sauberes Straßenbild“ für mehr Sicherheit?

    Innenminister Horst Seehofer, der die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für 2017 vorstellte, sagte: „Deutschland ist sicherer geworden. Gleichwohl gibt es zur Entwarnung keinen Anlass. Für die Behörden von Bund und Ländern bleibt viel zu tun“, sagte der CSU-Politiker und machte auf eine kürzlich vorgestellte Forsa-Studie aufmerksam. Zwar würden sich 87 Prozent der Deutschen im öffentlichen Raum sicher fühlen, 44 Prozent fühlen sich jedoch weniger sicher als noch vor einigen Jahren.

    Wichtige Kriterien für die Menschen seien dabei ganz offensichtlich „einfache Dinge wie gute Beleuchtung auf Straßen und ordentliches und sauberes Straßenbild“, sagte Seehofer. Neben der Beleuchtung würden sich die Menschen auch mehr Videoüberwachung, vor allem an Bahnhöfen, wünschen.

    Die gefühlte Sicherheit in Deutschland steht nach Ansicht des BDK-Vorsitzenden André Schulz im Widerspruch zu der sinkenden Zahl der Straftaten in der Statistik.

    „Das ist tatsächlich ein Phänomen, ein Paradoxon“, sagte Schulz vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) der Deutschen Presse-Agentur. Er betonte mit Blick auf den Anteil von Zuwanderern unter den Straftätern: „Wir können nicht anhand der Herkunft oder Ethnie oder Religion Auskünfte darüber geben, ob jemand wahrscheinlicher straffällig wird als jemand anders. Das ist unzulässig, trifft auch nicht zu und ist durch keine Forschung bestätigt worden.“

    Dem Kriminologen zufolge gehören die meisten straffälligen Zuwanderer zu Gruppen, die kriminologisch immer anfälliger seien. So etwa junge Männer, die nicht an der Gesellschaft teilhaben, weil sie keinen Beruf oder keine Familie haben, erklärte Schulz gegenüber der DPA.

    Kriminalitätsrückgang bei Ausländern

    Der Kriminalitätsrückgang sei sowohl auf einen Rückgang an Straftaten durch Deutsche als auch durch nicht deutsche Tatverdächtige zurückgegangen, hob Seehofer hervor. So seien etwa 30 Prozent der Tatverdächtigen keine Deutschen gewesen. Die meisten davon sind der PKS zufolge Zuwanderer, was einem Gesamtanteil von 8,5 Prozent entspricht. Die Statistik erfasst als Zuwanderer Asylbewerber, subsidiär Geschützte, Geduldete, illegale Einwanderer sowie die wenigen Kontingentflüchtlinge, die über internationale Hilfsprogramme nach Deutschland kamen. Anders als in den Vorjahren werden nun auch anerkannte Flüchtlinge, wie etwa politisch Verfolgte, mitgezählt. Deshalb lässt sich die Statistik nur schwer mit der PKS von 2016 vergleichen.

    Politisch motivierte Kriminalität

    Auch die politisch motivierte Kriminalität ging erstmals seit 2012 wieder zurück. 2017 registrierten die Sicherheitsbehörden in diesem Bereich bundesweit 39.505 Straftaten. Das waren 4,9 Prozent weniger als 2016. Mehr als die Hälfte aller gemeldeten Straftaten 2017 waren rechtsmotiviert.

    Die meisten Gewaltdelikte hätten jedoch einen linksmotivierten Hintergrund, machte Seehofer deutlich. Der PKS zufolge sind die Taten um mehr als 15 Prozent auf 1967 gestiegen. Doch dies habe vor allem mit den Krawallen rund um den G20-Gipfel im Sommer in Hamburg zu tun, sagte der Bundesinnenminister. „Besonders schäbig“ fand er zudem, dass sich die politische Linke von den Gewaltdelikten nicht distanziert hätte.

    Auch bei religiös motivierten Gewaltdelikten, hinter denen hauptsächlich Menschen mit islamistischem Weltbild stehen, verzeichneten die Behörden einen Anstieg um mehr als 95 Prozent auf 92 Straftaten. Die Zahlen in diesem Bereich seien jedoch nur begrenzt vergleichbar, da die Kategorien der Statistik leicht geändert wurden.

    Im Bereich der sogenannten Hasskriminalität verzeichnete die Polizei einen Rückgang der fremdenfeindlichen Straftaten um 28,4 Prozent. Um 2,5 Prozent auf 1504 Fälle stieg die Zahl der antisemitischen Straftaten. Fast 95 Prozent dieser judenfeindlichen Delikte hatten laut Bundesinnenminister Seehofer einen rechten Hintergrund.

    Die Reportage zum Nachhören:

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    Tags:
    Statistik, Kriminalität, Polizei, Bundeskriminalamt (BKA), Innenministerium Deutschlands, CSU, G20, André Schulz, Horst Seehofer, Deutschland
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