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    US-Botschafter in Deutschland Richard Allen Grenell

    Deutsche Wirtschaft geschockt: US-Botschafter will sofortiges Ende des Iran-Geschäfts

    © AFP 2018 / Odd ANDERSEN
    Politik
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    Paul Linke
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    Deutsche Wirtschaftsvertreter und Diplomaten sind verstimmt: Der neue US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, rät deutschen Unternehmen, ihre Geschäfte „sofort“ zu beenden. Die harsche Ankündigung kommt in Deutschland schlecht an.

    Kaum tritt Richard Grenell sein Amt als US-Botschafter in Berlin an, twittert er los und bringt die deutsche Wirtschaft gegen sich auf. „Wie Donald Trump sagte, werden die US-Sanktionen kritische Teile der iranischen Wirtschaft treffen. Deutsche Firmen, die in Iran tätig sind, sollten ihre Geschäfte sofort herunterfahren“, warnt Grenell. Donald Trump hatte zuvor den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran angekündigt.

    Die deutsche Wirtschaft ist geschockt. Die Äußerungen des neuen US-Botschafters würden für große Verunsicherung und Verstimmung sorgen, teilte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, der Sputnik-Redaktion mit. „Denn die EU und die Bundesregierung haben unterstrichen, dass sie am Atomabkommen und der Aussetzung der Sanktionen festhalten. Es sind die USA, die aus dem Abkommen mit dem Iran aussteigen und damit ein internationales Abkommen verlassen. Dass hierunter nun auch die Aktivitäten deutscher Unternehmen leiden sollen, ist nicht nachvollziehbar“, so der DIHK-Präsident.

    Zu den Absichten des US-Präsidenten schrieb Schweitzer weiter: „Die jüngste Entscheidung des US-Präsidenten, die Iransanktionen wiederzubeleben, trifft die deutsche Wirtschaft hart.“ Auf Basis der seit Anfang 2016 aufgehobenen Wirtschaftssanktionen seien viele neue Geschäftsbeziehungen entstanden und Lieferungen erbracht und verabredet worden. So habe der deutsche Export in den Iran im vergangen Jahr um 16 Prozent zugelegt, betonte der DIHK-Chef: „Das einseitige Agieren der US-Regierung stellt diese Geschäfte nunmehr unter einen enormen Vorbehalt. Denn aufgrund der exterritorialen Wirkung der Sanktionen drohen den Unternehmen in den USA empfindliche Strafen. Zumal jetzt selbst bei bestehenden Verträgen kein Schutz besteht. Angesichts dieser Entwicklung ruft die deutsche Wirtschaft die Bundesregierung und die EU dazu auf, die Geschäfte zu sichern.“

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    Nachhilfe in Sachen Diplomatie bekam der neue US-Botschafter auch vom Chef der Münchener Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger – ebenfalls via Twitter. „Ric: Mein Rat nach einer langen Botschafterkarriere: Erklären Sie die Politik ihres eigenen Landes und machen sie Lobbyarbeit – aber sagen sie dem Gastland nie, was es zu tun hat, wenn Sie keinen Ärger wollen. Deutsche hören gern zu, aber Anweisungen werden sie übelnehmen“, schrieb Ischinger. Er war von 2001 bis 2006 deutscher Botschafter in Washington.

    Ein anderer Twitter-Nutzer kommentierte: „Nach Deutschland kommen und sofort unserer Wirtschaft drohen? Sie benehmen sich genauso schäbig wie Ihr Trumpel im Porzellanladen!“

    Nach Informationen der Handelskammer seien derzeit etwa 120 deutsche Firmen mit eigenem Personal im Iran tätig. Circa 10.000 deutsche Unternehmen würden demnach Handel mit dem Iran treiben. Nach dem Wegfall der Sanktionen hatte sich mit dem Iran eine der letzten großen Volkswirtschaften für den Weltmarkt geöffnet. Das Land hat neben einer ausgeprägten Industrie auch enorme Rohstoffvorkommen.

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    Tags:
    Atomdeal, Unternehmen, Abkommen, Sanktionen, Richard Grenell, Donald Trump, Iran, Deutschland, USA
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