17:47 15 November 2018
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    US-Präsident Donald Trump

    US-Ausstieg aus Atom-Deal: „Russen können als Friedensstifter in Geschichte eingehen“

    © REUTERS / Jonathan Ernst
    Politik
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    Bolle Selke
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    Mit ihrem Ausstieg aus dem Iran Atomabkommen haben sich die USA selbst isoliert und bewiesen, dass sie nicht mehr die einzige Weltmacht seien. Das meint der Politologe Behrooz Abdolvand. Für ihn ist Trumps Erklärung der historische Moment, der das Ende einer unipolaren Welt und den Übergang zu einer multipolaren Welt besiegelt.

    „Die USA haben die internationale Gemeinschaft ignoriert und im Alleingang eine Entscheidung getroffen, die nicht mit den anderen Akteuren abgestimmt war“, sagt der Ökonom und Politikwissenschaftler Abdolvand im Sputnik-Interview. Das habe nichts mehr mit der internationalen Gemeinschaft zu tun und sei deswegen das Ende einer unipolaren Welt und der Übergang zu einer multipolaren Welt.

    „Gestern war dieser historische Zeitpunkt. Die Europäische Union muss ihre Rolle für die Sicherheit, Kooperation und Zusammenarbeit in der Zukunft nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Eurasien neu definieren. Da geht es nicht nur um Iran. Es geht um Russland, China, und den Nahen Osten. Generell erwartet man von der EU eine Entspannungspolitik in bester Tradition von Willy Brandt und Egon Bahr.“

    USA suchen Konflikt

    Das Atomabkommen sei ein sehr durchdachter Vertrag, der auf ‚Win-Win‘ basiere, schätzt Abdolvand ein. Präsident Trump nutze nun die Instrumente, welche die konservativen Republikaner jedes Mal genutzt hätten, wenn sie einen Konflikt konzipieren wollten, meint der Geschäftsführer der DESB Consulting GmbH: „Die US-Amerikaner haben bedauerlicherweise auch in der Vergangenheit mehrfach solche Tricks benutzt. Wir dürfen nicht den Irak vergessen, wo die USA und Tony Blair damals behauptet haben, dass der Irak kurz vor der Fertigstellung von Atomwaffen steht, und im Nachhinein haben wir gesehen und gehört, dass das alles auf Lügen basierte.“ Das gehöre zur „Kontinuität von Konfliktmanagementpolitik“ der USA. Das hat nicht mit Wahrheit zu tun.“

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    Vielmehr sei Irans Atomindustrie sehr sicher. Das habe die Internationale Atomenergieagentur (IAEO) bestätigt. Drei Europäische Mächte, China und Russland seien davon überzeugt und sich sicher, dass dieser Atomvertrag Sicherheit im Nahen Osten garantiere.

    Abdolvand glaubt, dass sich sowohl die EU und Iran weiterhin an das Abkommen halten werden, denn „die Alternative dazu, ist ein neuer Konflikt im Nahen Osten. Das kann niemand wollen und vertragen.“ Ob es nun zu einem neuen Konflikt im Nahen Osten kommen werde, hänge nun davon ab, wie sich die EU, der Iran und Russland positionieren. Der Experte meint: „Jetzt ist Russland als Regulator gefragt. Sie müssen alle anderen Akteure, allen voran die Israelis, davor warnen, weiter diese provokative Politik zu betreiben. Wenn die Russen diese friedensstiftende Rolle spielen werden, geht das in die Geschichte ein.“

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    Das komplette Interview mit Behrooz Abdolvand zum Nachhören:

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    Tags:
    Rolle, Regelung, Konflikt, Atomabkommen, EU, Donald Trump, Tony Blair, Naher Osten, Iran, USA, Russland, China