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    Ehrenwache der US-Armee trägt Nationalflaggen der Vereinigten Staaten und Israels in Washington

    „Unverhohlene Irritation“: Auf welche Verbündeten Trump im Iran-Streit zählen kann

    © AFP 2018 / Brendan Smialowski
    Politik
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    Donald Trumps Außenpolitik ist durch mehr Koordinierung mit Israel gekennzeichnet, wie ein russischer Orientalist meint. In diesem Zusammenhang betrachtet er den Ausstieg der USA aus dem Atomdeal mit dem Iran. Ein anderer Analyst beschäftigt sich mit der Frage des künftigen Iran-Kurses weiterer US-Verbündeter.

    Der Orientalist Wjatscheslaw Matusow, einst Berater der sowjetischen Botschaft in den USA, schreibt in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Iswestija“, die Haltung der Vereinigten Staaten zum Iran-Deal spiegele die Nuancen der US-Außenpolitik unter Donald Trump im Allgemeinen wider. Es gehe um eine stärkere Annäherung mit Israel und eine deutlichere außenpolitische Koordinierung mit diesem Land.

    „Nicht zu vergessen sind auch die Ereignisse in Syrien, wo die von den USA unterstützten Oppositionskräfte ihre Positionen immer mehr aufgeben, während der Einfluss der proiranischen Kräfte dagegen zunimmt. Je weniger Raum für die Existenz der ersteren Kräfte es auf dem syrischen Boden gibt, desto höher wird der Grad der antiiranischen Emotionen sowohl in Israel und als auch in den USA“, so der Experte.

    Der Kurs der Vereinigten Staaten schürt nach Ansicht von Matusow die Spannungen im Nahen Osten: „Mehr noch: Mit dem US-Ausstieg auf dem Deal bekommt der Iran Möglichkeiten für eine Weiterentwicklung seines Atomprogramms außerhalb von dessen friedlichem Eindämmungs-Rahmen. In dieser Situation wird es schwer sein, der iranischen Führung etwas vorzuwerfen.“

    Der russische Politik-Experte Georgi Bowt betont in einem Kommentar für den Radiosender BFM, angesichts der harten US-Außenpolitik werde die Frage immer aktueller, ob auch weitere Verbündete der Vereinigten Staaten vorhätten, im Fahrwasser dieser Politik zu bleiben.

    „Die Aufkündigung des 2015 geschlossenen Abkommens mit dem Iran, die die USA trotz der Einwände ihrer europäischen Verbündeten beschlossen, sorgte für eine unverhohlene Irritation in Europa. Eine Wiedereinführung der harten US-Sanktionen bedroht direkt europäische Unternehmen. Etwa der französische Ölkonzern Total hatte bereits milliardenschwere Verträge mit dem Iran geschlossen und bat die Regierung in Paris nun um Unterstützung. Europa ist einer der Hauptimporteure von iranischem Erdöl.“

    „Ein Teil der US-Sanktionen soll bereits in 90 Tagen, also Anfang August, in Kraft treten, der Rest kommt im November. Davor werden die Europäer offenbar versuchen, sich mit Washington zu verständigen, damit sich die sekundären Sanktionen nicht auf die europäischen Unternehmen ausbreiten (…) Über eine Ausnahme für sich selbst bei Handelsgeschäften mit dem Iran will, soviel bekannt, auch Japan mit Amerika verhandelt“, so der Kommentar.

    „Wenn es aber möglich ist, dass US-Verbündete gegen ihre einheitliche Sanktionsfront in Sachen Iran verstoßen, warum wären solche Verstöße künftig auch in Sachen Russland nicht möglich?“, fragt Bowt.

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    Eskalation, Verbündete, Konflikt, Kündigung, Atomabkommen, Donald Trump, Nahost, Europa, Israel, Iran, USA