11:20 21 November 2018
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    Carla Ortiz mit syrischen Kindern

    „Ich sah Weißhelme Operationszentren mit An-Nusra teilen“ – bolivianische Aktivistin

    © Foto : Carla Ortiz
    Politik
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    Die bolivianische Dokumentarfilmemacherin, Schauspielerin und Aktivistin Carla Ortiz hat in einem Interview mit Sputnik über die Arbeit der „Weißhelme“ in Syrien berichtet und dem Westen vorgeworfen, den Friedensprozess im Lande durch seine Intervention zu behindern.

    Sein Interview gab Ortiz in Washington. Sie sei dorthin gekommen, um den US-Senatoren und Abgeordneten Aussagen syrischer Bürger und ihre Videos vorzulegen. Damit wolle sie die Mitglieder des US-Kongresses davon überzeugen, dass die westlichen Sanktionen nicht die syrische Regierung, sondern die Menschen beeinträchtigen würden, die seit sieben Jahren in einem Krieg leben würden, der bereits eine halbe Million Menschenleben gekostet habe.

    Die Regisseurin warnte davor, die „menschliche Seite" des Konflikts in Syrien zu vergessen: „Die Regierung eines Landes kann uns gefallen oder nicht gefallen. Lohnt es sich jedoch, sieben Millionen Flüchtlinge deswegen zu schaffen?"

    Zudem zweifelte Ortiz grundsätzlich daran, dass eine Chemiewaffen-Attacke tatsächlich in der syrischen Stadt Duma durchgeführt worden war: Krebskranke Kinder in den syrischen Krankenhäusern könnten notwendige Arzneien nicht bekommen, weil die grundlegenden chemischen Substanzen wegen der Sanktionen nicht ins Land eingeführt werden dürften, betonte sie: „Ist es logisch zu behaupten, dass der syrische Präsident chemische Substanzen nicht für die Rettung von Kindern findet, sondern für deren Einsatz an Orten, wo der Krieg mit Hilfe von konventionellen Waffen gewonnen ist? Das hat einfach keinen Sinn. Man muss die Dinge in Frage stellen und Maßnahmen ergreifen, die dieser Nation zugute kommen", sagte sie.

    Die Regisseurin hat einen Großteil von Syrien bereist, um eine Dokumentation unter dem Titel „Stimme Syriens" zu drehen und das Drama des Konflikts vom Standpunkt der Hauptgeschädigten aus zu zeigen, deren Erfahrungen und Geschichten in Widerspruch zu dem stehen, was die Mainstream-Medien über diesen Krieg berichten.

    Die größte Überraschung habe sie auf den Straßen von Aleppo erwartet, sagte Ortiz: Dort habe sie entdeckt, dass viele Schulen als Operationszentren von der Terrormiliz „Dschebhat An-Nusra", die mit Al-Qaida verbunden sei, und gleichzeitig von der Weißhelme-Gruppe benutzt worden seien.

    „Ich sah wie die ‚Weißhelme‘ Gebäude mit Extremistengruppen von „An-Nusra" ohne jegliche Probleme teilten. Wenn du ein normaler Zivilist bist, der gesehen hat, was diese Gruppierungen mit deinem Volk und deiner Familie getan haben, wie sie deine Töchter vergewaltigt und Menschen geköpft haben, wirst du niemals etwas mit ihnen teilen", sagte sie.

    ​Sie sei mit Menschen in Kontakt gekommen, die sich einst freiwillig gemeldet hätten, für die „Weißhelme" zu arbeiten, sagte Ortiz: „Viele sagten mir, sie hätten zuerst gedacht, sie würden Leben retten. Dann hätten sie jedoch begriffen, dass die Hilfe in der Tat teilweise den bewaffneten Gruppierungen geleistet werde, die sich als moderat bezeichnen würden, was sie aber nicht seien".

    Zudem hätten Menschen auf der Straße ihr mitgeteilt, dass die „Weißhelme" Zivilisten gar nicht retten und sich weigern würden, Kinder in den Krankenhäuser zu betreuen. Während der Schlacht um Aleppo hätten sie „Hand in Hand" mit der Terrororganisation „An-Nusra" gearbeitet, hieß es.

    „Staatsmächte, die angeblich die Rolle der Weltpolizisten übernehmen, sollten besser einsehen, wer die Menschen eigentlich sind, die Videos über vermutliche Chemiewaffenangriffe gefilmt haben", betonte die Regisseurin. Diese Staatsmächte würden allerdings „zynisch die Desinformationen unterstützen, um die Fortsetzung der Bombenangriffe zu ermöglichen". Diese Bombenangriffe würden ein Land zerstören, das versuche, den Terrorismus zu bekämpfen, für den „der gesamte Westen verantwortlich ist, denn die Waffen, die an die moderaten Gruppierungen geliefert werden, geraten immer in die Hände von Extremisten".

    Carla Ortiz in Syrien
    Carla Ortiz
    Carla Ortiz in Syrien

    Der einzige Weg, den Krieg in Syrien zu stoppen, sei es, sein Ohr den Syrern selbst zu leihen — nicht den Vertretern der fremden Mächte, die eine immer größere Intervention fordern würden, ist sich Ortiz sicher:

    „Selbst Anhänger der syrischen Opposition rufen dazu auf, den Krieg zu stoppen, der zu viel Blut vergossen hat. Wir müssen alternative Informationen verbreiten, um diesem Volk zu helfen. Wir müssen aufhören zu denken, dass Syrien weit entfernt ist. Ein syrisches Kind ist nicht anders als unsere Kinder".

     „Der Terrorismus in diesem Lande betrifft uns auch", fügte sie hinzu. „Wir müssen in den Spiegel schauen und uns fragen, ob wir zu Menschen werden wollen, die die Geschichte verändert haben, damit wir unseren Enkeln sagen können, dass wir zu einer besseren Welt beigetragen haben, oder ob wir schweigen und gleichgültig bleiben".

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    Chemiewaffen-Angriff, Weißhelme, Dschebhat an-Nusra, Duma, Syrien