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    Bundeskanzlerin Angela Merkel (l.) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Berlin

    Auf zum Gegenschlag: Macron rächt sich an Trump durch Allianz mit Merkel

    © REUTERS / Pool/ Kay Nietfeld
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    Trumps Aufkündigung des Atomdeals mit dem Iran vertieft den Bruch zwischen Washington und Brüssel. Frankreichs Präsident Macron könnte die Europäer zu einer Revolte gegen die USA vereinen. Dafür braucht er eine Annäherung an die Bundeskanzlerin.

    Die Ankündigung, aus dem Abkommen mit dem Iran auszusteigen, reißt eine „nie dagewesene Kluft zwischen den USA und ihren traditionellen europäischen Verbündeten“ auf. So bewertet die französische Zeitung „Le nouvel Observateur“ Trumps Entscheidung. Diese sei eine „wahre Erniedrigung“ für Europa, so das Blatt.

    Besonders für den französischen Präsidenten Emanuel Macron bedeutet Trumps Ankündigung laut der Zeitung eine schwere politische Niederlage, hatte er doch allerhand unternommen, um ein gutes Verhältnis zum US-Präsidenten aufzubauen. Frankreichs Staatschef werde sich nun revanchieren wollen und eine „europäische Revolte“ entfachen. Es könnte durchaus sein, dass 2018 das entscheidende Jahr für die Beziehungen zwischen der EU und den USA sein werde.

    Ein Bruch in diesen Beziehungen – ob in Politik oder Wirtschaft – sei ja schon seit längerem erkennbar. Und der Ausstieg aus dem Iran-Abkommen werde diesen nur vertiefen, sagt der Experte für internationale Wirtschaft und Politik, Wladimir Olentschenko, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Europa-Studien der Russischen Akademie der Wissenschaften, dem Portal „rueconomics“.

    „Konnten die USA einst die alleinige Führungsrolle für sich beanspruchen, sehen wir inzwischen, dass europäische Länder eine unabhängigere Politik verfolgen.“

    Aber es gelte immer noch, im Blick zu behalten, dass das Verhältnis zwischen den USA und der EU aufs Engste mit der Nato verknüpft sei: Amerikanische und europäische Politiker „treffen sich im Rahmen der Allianz und versuchen eine gemeinsame Linie zu verfolgen. Und es ist ja unumstritten, dass die USA die Nato dominieren. Wenn es also um mehr europäische Selbstständigkeit geht, dann muss vor allem beobachtet werden, wie die EU sich innerhalb der Allianz verhält“, so der Analyst.

    Besonders bedeutsam in dieser Hinsicht sei der Nato-Gipfel im kommenden Juli. Man könne indes annehmen, dass es zu einer stärkeren Annäherung zwischen dem französischen Präsidenten Macron und der Bundeskanzlerin Merkel kommen werde. Für Macron wie für die französischen Wähler sei „der Ruf eines Verbündeten Deutschlands sehr viel wichtiger“. Überhaupt habe sich Macron mit dem US-Präsidenten nur anfreunden wollen, um dadurch die Führung in der EU zu übernehmen. Nur habe dieses Manöver offensichtlich nicht geklappt.

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    Tags:
    Kündigung, Streit, Allianz, Beziehungen, Atomabkommen, EU, NATO, Donald Trump, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Europa, Iran, Deutschland, USA, Frankreich