09:46 19 August 2018
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    Training der US-Marines im Winter (Archivbild)

    Zwischen Zeilen gelesen: „Der Kampf um die Arktis steht uns bevor“ – Experten

    © Foto: U.S. Marine Corps/ Lance Cpl. Preston L. Morris
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    Die Arktis könnte zu einer weiteren Krisenregion auf der Erde werden. Davor warnt der US-Kongress in einem Bericht. Auch unabhängige Experten mahnen, dass die Spannungen in der ressourcenreichen Region sich verschärfen werden – auch wenn Moskau bereits heute zur friedlichen Regulierung künftiger Konflikte aufruft.

    Die Arktis steht heute schon im Mittelpunkt einer bitterernsten Konfrontation, und die Spannungen um diese Region werden sich weiter verschärfen, sagt der Politologe Dmitri Solonnikow, Direktor des russischen Instituts für zeitgenössische Staatsentwicklung, im Sputnik-Interview.

    „Vonseiten der USA ist bereits erklärt worden, sie hätten grundlegendes Interesse an der Nordostpassage. Russland dürfe kein exklusives Anrecht auf diese Wasserstraße haben, heißt es. Vielmehr müsse sie internationaler Aufsicht unterstehen. Zwischen den Zeilen gelesen, bedeutet das, die Nordostpassage müsse sich unter US-Kontrolle befinden“, so der Experte.

    Diese Erklärung aus den USA sei die Fortsetzung einer sehr alten Geschichte, nämlich der Klage darüber, dass Russland über seine Bodenschätze selbstständig verfüge. Aus Sicht der Amerikaner wäre es wünschenswert, so der Experte, würden russische Bodenschätze unter internationale Kontrolle gestellt. Mit der Arktis verhält es sich ähnlich: „Die Ansage, es wäre doch gut, würde die Arktis ein für alle Länder offenes und freizugängliches Gebiet bleiben, kommt immer wieder. Doch dahinter stecken strategische Ziele, die durch entsprechende militärische Möglichkeiten gestützt werden“, erklärt Solonnikow.

    Auch China interessiere sich für die Arktis und versuche sich dieser Agenda anzuschließen. „Das heißt, die Spannungen um die Arktis nehmen täglich, vor unseren Augen zu“, mahnt der Analyst. Russlands militärische Präsenz in der Region sei deshalb durchaus berechtigt: „Russland muss seine Interessen verteidigen.“

    Der Militärexperte Alexander Schilin ist überzeugt: „Der Kampf um die Arktis steht uns noch bevor“, doch werde dieser Konflikt sehr wahrscheinlich nicht militärisch ausgetragen, sagte er dem Portal „rueconomics“. „Mit Kanonen und Raketen wird man drohen, mit der Wirtschaft wird man zuschlagen“, bringt es der Fachmann auf den Punkt. In den nächsten ein, zwei Jahren sei ohnehin keine Eskalation zu erwarten, weil die USA bereits durch den Nahen Osten völlig beansprucht würden.

    „Nicht mal die Vereinigten Staaten würden es hinkriegen, mehrere strategische Regionen zeitgleich zu kontrollieren“, sagt auch der Militärexperte Viktor Baranez. „Dennoch wird deutlich, dass die USA inzwischen anfangen, sich in der Arktis zu regen. Es gibt einen Plan, wonach regelmäßige, turnusartige Präsenzen in der Region und der Bau neuer Stützpunkte in jenen Nato-Ländern vorgesehen sind, die an die Arktis angrenzen. Natürlich müssen wir uns diesbezüglich auch auf politische Kollisionen einstellen.“

    Dass die Arktis Begehrlichkeiten weckt, sei nachvollziehbar, so der Experte weiter: „Die Arktis ist, was Bodenschätze und Ressourcen angeht, eine sehr interessante Region.“ Und Moskau bestehe auf einer politischen Lösung. „Russland bietet an, dass man sich an den Verhandlungstisch setzt, die Grenzen zieht und mit den Streitigkeiten endlich aufhört.“

    US-U-Boot im Rahmen der arktischen Militärübung ICEX 2018
    © AP Photo / MC 2nd Class Micheal H. Lee/U.S. Navy

    Hintergrund: Laut dem TV-Sender RT warnt der US-Kongress in einem aktuellen Forschungsbericht davor, dass die Arktis sich zu einer Zone „militärischer Spannungen und Konkurrenz“ verändern könne. Dies sei vor allem auf die „Spannungen in den Beziehungen zu Russland“ zurückzuführen, die nach der Wiedervereinigung der Krim mit Russland im März 2014 erneut aufgekommen seien, heißt es im Kongressbericht.

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    Tags:
    Kontrolle, Investitionen, Militärkonflikt, Bodenschätze, Pentagon, US-Kongress, China, USA, Russland, Arktis
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