22:48 25 September 2018
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    Militärparade in Pjöngjang (Archivbild)

    „Uns erwartet eine schöne Show“: Was Kim mit Testgelände-Abbau erreichen will

    © Sputnik / Ilja Pitalew
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    Mit dem Abbau des Atomtestgeländes Punggye-ri will Nordkorea in seinem Streit mit den USA offenbar Zeit gewinnen. Diese Meinung äußert der russische Orientalist Andrej Lankow, Professor an der Kookmin-Universität in Seoul, in einem Sputnik-Gespräch.

    „Pjöngjangs Hauptaufgabe besteht derzeit darin, ernsthafte Zugeständnisse zu machen, um erstens die Wahrscheinlichkeit eines US-Schlags abzuwenden und zweitens eine Lockerung der Sanktionen zu erzielen. Die Entscheidung, als Zugeständnis das Testgelände zu opfern, ist logisch“, sagte Lankow.

    Die nordkoreanische amtliche Agentur KCNA hatte zuvor gemeldet, das Zentralkomitee der Partei der Arbeit habe beschlossen, das Testgelände zu schließen. Nach Informationen der analytischen US-Webseite 38North läuft die Demontage bereits. Für den 12. Juni ist ein Treffen von Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un mit US-Präsident Donald Trump geplant.

    Nordkoreanisches Atomtestgelände Punggye-Ri
    © REUTERS / Planet Labs Inc/ Handout
    Nordkoreanisches Atomtestgelände Punggye-Ri

    Lankow kommentierte weiter, das Testgelände sei kein besonders teurer Infrastruktur-Teil im Rahmen des nordkoreanischen Raketen- und Atomprogramms. Falls ein Abkommen mit den USA ausbleibe bzw. von Pjöngjang aufgekündigt oder von Washington verletzt werde, werde es den Nordkoreanern nicht so schwer fallen, ein neues Testgelände einzurichten.

    „Uns erwartet deshalb eine schöne Show, die der ganzen Welt zeigen soll, dass Nordkorea sein Atomprogramm abbaut. Zwar sollen sie es real abbauen, doch das Wichtigste ist für sie derzeit, Zeit zu gewinnen, die Wahrscheinlichkeit eines Militärkonflikts zu reduzieren und die Sanktionen abzuschütteln. Dann heißt es auf die nächsten US-Wahlen warten, bei denen möglicherweise ein Präsident mit einem milderen außenpolitischen Kurs kommt“, so der Experte.

    Zur Vorgeschichte sagte er: „Im Laufe des Jahres 2017 hatte Nordkorea in einem beispiellos hohen Tempo und äußerst erfolgreich an ballistischen Interkontinentalraketen gearbeitet, die in der Lage wären, nukleare Sprengsätze auf den Kontinentalteil der USA zu befördern. Im Prinzip gelang es, solche Raketen zu entwickeln, doch Pjöngjang wurde mit einer unerwartet harten Reaktion der neuen US-Führung konfrontiert.“

    „Es entstand eine Situation, bei der ein US-Militäreinsatz gegen Nordkorea durchaus wahrscheinlich erschien. Zuvor hatte man in Washington die Wahrscheinlichkeit einer solchen Situation nicht einmal im Ernst erörtert, denn sie hätte einen nordkoreanischen Gegenschlag gegen die praktisch an der Grenze zu Nordkorea liegende südkoreanische Hauptstadt Seoul verursachen können“, erläutert Lankow.

    „Nun hat sich die Situation geändert. Trump ist womöglich ein Präsident, der, wie man auch in Pjöngjang glaubt, einen solchen Militäreinsatz doch beschließen und das Risiko für den US-Verbündeten sowie für das Bündnis selbst ignorieren könnte“, so der Kommentar.   

    Durch Druck und gewisse Zugeständnisse gegenüber China habe Washington außerdem eine Änderung der chinesischen Nordkorea-Politik herbeigeführt: „Seit Ende 2017 unterstützt China aktiv den beispiellos harten Sanktions-Modus – diesmal handelt es sich um so etwas wie ein komplettes Embargo für Handelsgeschäfte mit Nordkorea.“

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    Tags:
    Gipfel, Einstellung, Schließung, Atomtestgelände, Atomprogramm, Donald Trump, Kim Jong-un, Koreanische Halbinsel, Südkorea, USA, China, Nordkorea