02:22 23 September 2018
SNA Radio
    Logo des Bundesnachrichtendienstes

    Giftaffäre: BND soll "Nowitschok"-Proben in den 1990ern beschafft haben

    © AFP 2018 / Pool/ Fabrizio Bensch
    Politik
    Zum Kurzlink
    71265

    Der Bundesnachrichtendienst (BND) soll Medienberichten zufolge bereits in den 1990er Jahren Proben eines Nervengiftes der "Nowitschok"-Gruppe bekommen haben, mit dem Anfang März 2018 der russische Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter Julia in Großbritannien vergiftet worden sein sollen.

    Die Erkenntnisse über eine einst in der Sowjetunion entwickelte Klasse von Kampfstoffen namens "Nowitschok" gehen maßgeblich auf eine bis heute geheim gehaltene Operation des BND zurück, berichtet die "Süddeutschen Zeitung" (SZ) am Mittwoch.

    Nach gemeinsamen Recherchen der SZ, NDR und WDR mit der "Zeit" soll ein Agent des Dienstes in den 90er Jahren eine Probe des Stoffs beschafft haben. Auch die Bundeswehr soll in den Vorgang eingeschaltet gewesen sein.

    "Damals an der Entscheidung beteiligte Personen bestätigen den Vorgang, die Bundesregierung und der BND erklärten auf Anfrage zu 'nachrichtendienstlichen Angelegenheiten grundsätzlich nur den geheim tagenden Gremien des Deutschen Bundestages' Auskunft zu geben", heißt es im Beitrag.

    Der 66-jährige Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März dieses Jahres im britischen Salisbury bewusstlos aufgefunden und mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gebracht worden. Von wem und unter welchen Umständen sie wirklich vergiftet wurden, ist unklar.

    Die britische Regierung behauptet, dass die Skripals mit dem Stoff A-234 vergiftet worden seien, der in Großbritannien unter dem russischen Namen "Nowitschok" bekannt ist. Aus diesem Grund machte Premierministerin May den russischen Staat für den Giftanschlag verantwortlich. Russland wies diesen Vorwurf von sich und forderte eine unabhängige Aufklärung.

    Anfang Mai teilte der tschechische Präsident Miloš Zeman mit, dass sein Land das "Nowitschok"-Nervengift hergestellt und getestet habe.

    Dennoch ordnete May die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten an. Aus „Solidarität“ mit London wiesen auch die USA, Deutschland und viele weitere EU-Staaten Dutzenden russischen Diplomaten die Tür. Russland konterte mit ähnlichen Maßnahmen. 

    Ende März ließ das mit der Untersuchung beauftragte britische Militärlabor Porton Down wissen, eine russische Herkunft des Nervengifts sei nicht nachweisbar.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Bundesnachrichtendienst (BND), Julia Skripal, Sergej Skripal, Deutschland