01:31 17 August 2018
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    Presse vor dem Büro der RIA Novosti Ukraine in Kiew

    Kiew macht Front gegen RIA Novosti Ukraine – Für deutsche Medien „kein Thema“?

    © Sputnik / Stringer
    Politik
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    RIA Novosti Ukraine in Kiews Visier: Durchsuchungen und Festnahmen von Journalisten (14)
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    Wie berichten die deutschen Medien über die Durchsuchungen des Büros der Nachrichtenagentur RIA Novosti Ukraine durch den ukrainischen Geheimdienst SBU am Dienstag? Sputnik hat nachgelesen und nachgefragt.

    Der Sender „Deutschlandfunk“ hat unter einer Ukraine-Flagge einen kurzen Text zum  Vorfall aus seinem Programm veröffentlicht. Darin wird nur mitgeteilt, dass RIA Novosti und RT über Durchsuchungen und Festnahmen bei RIA Novosti Ukraine berichten. Zudem wird die Begründung des ukrainischen Geheimdienstes SBU angeführt, die Medienunternehmen würden als „Werkzeuge in einem hybriden Krieg“ gegen die Ukraine benutzt.

    >>Mehr zum Thema: Moskau über Verletzung der Rechte von Journalisten in Ukraine empört – Sacharowa

    Die Tageszeitung „Die Welt“ erwähnt den Vorfall im letzten Absatz eines Artikels über die Eröffnung der Krim-Brücke. Das Blatt schreibt kurz von einer Durchsuchung, von Verhören sowie dem Vorwurf des Landesverrats. Sie fügt auch hinzu: „Moskauer Medien deuteten das Vorgehen im Zusammenhang mit der neuen Brücke von der Halbinsel Krim zum russischen Festland.“

    Die Berliner Tageszeitung „Taz“ berichtet, dass das Büro von RIA Novosti in Kiew gestürmt wurde. Sie führt die offiziellen Begründungen des SBU dafür an. Sie merkt an, dass ukrainische Medien „weitgehend wohlwollend“ von diesem Ereignis berichten. Die „Taz“ betont aber, dass regierungskritische Medien „zunehmend von staatlichen Organen und rechtsradikalen Aktivisten bedrängt“ werden. „Kritische Journalisten haben nicht nur Einschränkungen von staatlicher Seite aus zu befürchten. Nach Angaben der ukrainischen Journalistengewerkschaft ist allein im vergangenen Jahr im Durchschnitt an jedem dritten Tag ein Journalist tätlich angegriffen worden.“

    Auch das „Handelsblatt“ meldet in seiner Onlineausgabe die Durchsuchungen und die SBU-Verlautbarungen dazu. Außerdem wird hervorgehoben: „Kiew ist mehrfach gegen russische Medien und Journalisten vorgegangen.“ Es wird hinzugefügt: „Auch nichtrussischen Journalisten wurde schon die Einreise verweigert, weil sie aus Kiewer Sicht nicht objektiv über den Krieg gegen die von Moskau unterstützten Separatisten in der Ostukraine berichtet hätten.“

    >>Mehr zum Thema: Peskow: Ukrainische Journalisten können in Russland sicher arbeiten

    Die Online-Zeitung „Epoch Times“ berichtet von einer Festnahme wegen „anti-ukrainischer Aktivitäten“, führt die Begründung des SBU an und ergänzt sie um die Empörung aus dem Kreml. Die Forderung des Kremlsprechers Dmitri Peskows nach einer „harten und kompromisslosen“ internationalen Reaktion wird zitiert.

    Sehr ausführlich rollt das Onlineportal „heise online“ das Ereignis unter dem Stichwort „Informationskrieg“ auf. „Die Ukraine wird damit womöglich Vorreiter für eine Repressionspolitik, mit der ausländische Medien sich nicht nur als ‚ausländische Agenten‘ registrieren müssen, wie das die USA und Russland vorgeführt haben, sondern strafrechtlich verfolgt werden.“ Ansonsten widmet sich ein großer Teil des Beitrages der Finanzierung angeblich „subversiver Informationsaktivitäten“, um mit den Worten zu enden: „So werden dann ‚Beeinflussungsoperationen‘ zu einem ‚Informationskrieg‘ und zu ‚Landesverrat‘ und ‚Spionage‘.“

    Wo bleiben „Spiegel“, „FAZ“, „Süddeutsche Zeitung“ und „Die Zeit“?

    Warum haben die anderen großen Medien nicht dazu berichtet? Ein Mitarbeiter der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) sagte gegenüber Sputnik am Telefon: Der Überfall auf RIA Novosti Ukraine sei „kein Thema bei uns gewesen, zumindest in den Besprechungen, bei denen ich dabei war“. Von der „Zeit“, dem Magazin „Der Spiegel“ und der „Süddeutschen Zeitung“ hieß es gegenüber, die Anfrage solle per E-Mail erfolgen. Bis Redaktionsschluss kamen keine Antworten auf die entsprechend zugesandten Anfragen.

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    Journalisten, Medien, Spiegel Online, RIA Novosti Ukraina, Ukrainischer Sicherheitsdienst SBU, Die Welt, FAZ, Deutschland, Ukraine
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