06:40 16 Juli 2018
SNA Radio
    Journalist Kirill Wyschinski

    „Vorwürfe gegen Wyschinski sind absurd“ – Chef von Rossiya Segodnya

    © REUTERS / Stringer
    Politik
    Zum Kurzlink
    3342

    Der Generaldirektor der Agentur Rossiya Segodnya, Dmitri Kisseljow, hat die Vorwürfe des Landesverrats gegen den Chefredakteur der Nachrichtenagentur RIA Novosti Ukraine, Kirill Wyschinski, als absurd bezeichnet.

    Laut Kisseljow ist es eine „gute Nachricht“, dass Wyschinski unter diesen Bedingungen „munter“ ist.

    Mehr zum Thema: RIA Novosti Ukraine: Chefredakteur muss für zwei Monate Haft antreten >>>

    „Er sieht gut aus, er ist energisch, er ist sogar ironisch in Bezug auf die Absurdität, die bereits geschieht“, sagte der Agentur-Chef in einer Sendung des Fernsehsenders Rossija 24.

    Man sollte jedoch „die Dinge beim Namen nennen“. Wyschinski sei im Gefängnis von Cherson gelandet, wo Menschen festgehalten werden, die „das jetzige ukrainische Regime zu den ‚Donbass-Kämpfern‘ zählt“.

    „Dieser Gerwahrsam ist ja hart, für einen Journalisten ist das unzulässig“, so Kisseljow. „Wenn Sie einen Journalisten wegen Landesverrates vor Gericht stellen wollen, was an sich absurd ist, dann lassen Sie ihn mindestens im Land unter der schriftlichen Verpflichtung, es nicht zu verlassen, und tun Sie nicht so, als ob er für die Gesellschaft gefährlich wäre“.

    Mehr zum Thema: Causa RIA Novosti: Internationaler Journalisten-Verband weist Kiew in die Schranken >>>

    Kirill Wyschinski war am Dienstag vor seiner Wohnung festgenommen worden. In der Nacht wurde er aus Kiew in die südukrainische Hafenstadt Cherson in ein Sondergefängnis gebracht. Über den Journalisten wurde eine zweimonatige Untersuchungshaft verhängt. Entgegen allen rechtlichen Normen soll seine berufliche Tätigkeit als Beweis für die Anschuldigungen dienen. Bei einer Verurteilung drohen Wyschinski nun bis zu 15 Jahre Haft.

    Kurz nach Wyschinskis Festnahme hatte der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU das Büro von RIA Novosti Ukraina in Kiew gestürmt und acht Stunden lang durchsucht.

    Darüber hinaus durchsuchte der SBU auch die Wohnung der Korrespondentin Ljudmila Lyssenko und des Geschäftsführers von RIA Novosti Ukraina, Andrej Borodin. Beide sind zum Verhör vorgeladen worden.

    Mehr zum Thema: Europarat macht auf Festnahme von Reporter in der Ukraine aufmerksam >>>

    Dmitri Kisseljow forderte die Freilassung des festgenommenen Kirill Wyschinski und ein Ende der Verfolgung von Medien. In den Sozialnetzwerken hat eine Aktion zur Unterstützung des Journalisten unter dem Hashtag #TruthNotTreason begonnen.

    Die Chefredakteurin von Sputnik und RT, Margarita Simonjan, bezeichnete das Vorgehen der ukrainischen Regierung als „Rache“ für die Eröffnung der 19 Kilometer langen Brücke zwischen der Schwarzmeer-Halbinsel Krim und dem übrigen Russland. Die Regierung in Kiew beansprucht die Krim für sich und erkennt deren Wiedervereinigung mit Russland nach dem Referendum vom März 2014 nicht an. Dabei merkte Simonjan an, dass RIA Novosti Ukraina juristisch nicht mit der Nachrichtenagentur Rossiya Segodnya zusammenhänge, sondern ein Informationspartner der russischen Nachrichtenagentur sei.

    Die Sprecherin des Außenministeriums in Moskau, Maria Sacharowa, empörte sich über die grobe Verletzung der Rechte von Journalisten in der Ukraine und forderte ein Ende der Willkür. Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete seinerseits die Handlungen Kiews als inakzeptabel.

    Mehr zum Thema: Peskow: Ukrainische Journalisten können in Russland sicher arbeiten >>>

    Indes richtete die russische Botschaft in der Ukraine eine Protestnote an das Außenministerium in Kiew mit der Forderung, die Gewalt an Medienvertretern einzustellen. Der Kreml erwartet laut seinem Sprecher Dmitri Peskow eine harte Reaktion seitens der internationalen Organisation.

    Harlem Desir, Beauftragter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) für die Freiheit der Medien, will die Entwicklung der Ereignisse in der Ukraine diesbezüglich aufmerksam verfolgen. Er betonte, dass sich alle Mitgliedsländer der OSZE gemäß der Schlussakte von Helsinki verpflichtet hätten, die Bedingungen zu fördern, die es den Journalisten aus einem Mitgliedsland ermöglichen, ihre professionelle Tätigkeit in einem anderen Land durchzuführen.

    Am 23. April war nach Angaben des russischen Außenministeriums die Leiterin der regionalen Abteilung der Wohltätigkeitsbewegung „Freiwillige des Sieges“ auf der Krim, Jelena Odnowol, von Vertretern der Sicherheitsdienste der Ukraine festgenommen worden.

    Zum Thema:

    Wahnsinn: Kreml nimmt Stellung zu Artikel über Sprengung von Krim-Brücke
    Rada-Abgeordneter erläutert, wie Krim-Brücke „ukrainisch“ wird
    Ukraine: Dutzende Rada-Abgeordnete fordern Poroschenkos Amtsenthebung
    „Für Toilettenpapier“: Russischer Politiker veräppelt Kiews Beitrag in Europarat
    Tags:
    Gerichtsprozess, Gerichtsurteil, Inhaftierte, Gerichtsentscheidung, Knast, Gerichtsverhandlung, Journalismus, Meinungsmanipulation, Gerichtsbeschluss, U-Haft, Haft, Journalist, Gefängnis, Meinungsfreiheit, Gericht, Pressefreiheit, Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Rossija Segodnja, RT, Rossija Segodnya, Sputnik, Rossiya Segodnya, Kirill Wyschinski, Margarita Simonjan, Dmitri Kisseljow, Cherson, Kiew, Russland, Ukraine
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren