07:30 01 April 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    103688
    Abonnieren

    Die Zahl der Albaner, die einen serbischen Pass beantragen, nimmt laut den Kosovo-Medien zu. Dieses Dokument erleichtert ihnen eine Reise nach Westeuropa, um dort Verdienstmöglichkeiten zu suchen.

    Wie der Vorsitzende der Übergangsbehörde der Stadt Pristina, Ljubinko Karadzic, in einem Interview mit der Belgrader Zeitung „Večernje novosti“ (dt: Abendnachrichten) erklärt hat, beantragen die Kosovaren oft die Verlängerung ihres  Passes. Es gebe aber auch viele junge Albaner, die das serbische Dokument zum ersten Mal erhalten würden.

    Albaner mit serbischen Pässen und polizeilicher Anmeldung im Kosovo können im Gegensatz zu den Bewohnern anderer Regionen Serbiens, den Vorteil der sogenannten „weißen“  Schengen-Liste nicht genießen und dürfen in die Schengen-Staaten nicht ohne Visum einreisen. Um diese Möglichkeit zu bekommen, müssten sie sich in Zentralserbien registrieren lassen, was einige Albaner auch erfolgreich tun würden.

    Was zwingt die Kosovo-Albaner, in den Besitz serbischer Pässe zu gelangen? Es ist so, dass das Kosovo seinen Bürgern die Liberalisierung der Visabestimmungen mit Europa bislang nicht gewährleistet  hat. Der Premierminister Ramus Haradinaj soll versprochen haben, dass die Kosovo-Bürger bis Ende März 2018 (gerade rechtzeitig zum 10. Jahrestag  der Unabhängigkeit)  in der Lage sein würden,  visafrei nach Europa zu reisen. Statt einer Liberalisierung habe Pristina aber eine Erklärung von dem EU-Kommissar Johannes Khan bekommen, der empfohlen habe, die organisierte Kriminalität im Kosovo zu bekämpfen.

    Der Ansturm zum Erhalt der serbischen Pässe wird nicht zum ersten Mal beobachtet. Im Jahr 2010 hatte die in Pristina erscheinende zentrale Zeitung  „Koha Ditore“ geschrieben, dass die Kosovo-Albaner bereit seien, 5.000 Euro zu zahlen, um den ersehnten biometrischen Pass des  „Nachbarlandes“ zu bekommen. Und im Februar 2015 hatte der damalige Innenminister Serbiens, Nebojsa Stefanovic  angekündigt, dass etwa 60.000 Kosovo-Albaner zu jenem Zeitpunkt einen serbischen Pass beantragt hätten.

    Der Politologe Dragomir Andjelkovic hat in einem Gespräch mit Sputnik betont, dass diese ganze Situation das Scheitern des Projekts eines unabhängigen Kosovo bedeute:

    „Ein Staat, der mit westlicher Unterstützung die Liberalisierung der Visabestimmungen nicht gewährleisten und der jüngeren Generation als Gegenleistung nichts anbieten könne, wird mit der Tatsache konfrontiert werden, dass die Bewohner sich trotz Ihrer negativen Einstellung gegenüber Serbien dafür entscheiden, die  serbische Staatsbürgerschaft zu erlangen“, sagte der Politologe.

    Serbien habe dagegen Kontrollmaßnahmen in Bezug auf die Ausstellung von Pässen verstärkt, weil es befürchtet, dass die Ausreise einer großen Anzahl von Albanern mit serbischen Dokumenten die Visafreiheit mit den EU-Ländern gefährden könnte.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    „Tote Seelen“: Wieso verkaufen verstorbene Serben ihre Grundstücke an Kosovo-Albaner?
    Schläferzellen im Kosovo: Droht neue Gewaltspirale auf dem Balkan?
    Putin verurteilt Provokation gegen Serben im Kosovo
    Wer steht hinter Misshandlung von Serben im Kosovo?