04:48 10 Dezember 2018
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    Syrische Armee in Idlib

    Die letzten Kämpfer verließen Damaskus – und wie geht es jetzt weiter?

    © Sputnik / Ilja Pitalew
    Politik
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    Andrej Koz
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    Die syrische Regierungsarmee hat die Hauptstadt Damaskus und deren Vororte vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Doch wie geht es jetzt weiter?

    Ein langer Buskonvoi, auch genannt „Grüner Express“, mit Kämpfern und deren Verwandten verlässt die Stadt und fährt in Richtung Wüste. Die Sturmabteilungen vernichten mithilfe von Panzern die letzten Widerstandsherde der Terroristen. Hier und dort werden mitten in den Ruinen statt schwarzer IS-Flaggen* weiße Tücher gehisst. Die syrische Regierungsarmee befreit den Stadtteil Muhayam al-Yarmuk, die letzte Hochburg der Terroristen in Damaskus. Zum ersten Mal seit 2012 wird die gesamte syrische Hauptstadt von den Truppen des Präsidenten Baschar al-Assad kontrolliert. Und das bedeutet, dass die Kämpfer aus dem Pseudo-Kalifat keine „Hebel“ mehr haben, um Präsident Assad unter Druck zu setzen.

    Südliche Grenze

    Das palästinensische Flüchtlingslager Yarmuk im gleichnamigen Stadtteil von Damaskus wurde ab Ende 2012 von der al-Nusra-Front und der sogenannten Freien Syrischen Armee (FSA) kontrolliert. Die Kämpfer machten diese Gegend zu ihrer Hochburg: Von hier aus konnten sie das ganze Zentrum der Hauptstadt mit Minenwerfern beschießen, das nur acht Kilometer entfernt liegt. Außerdem nahmen die Terroristen die benachbarten Bezirke unter ihre Kontrolle, darunter al-Kadam, wo die Autobahn A5 und die Eisenbahn liegen, die Damaskus mit den südlichen Regionen des Landes und der Stadt Dara’a unweit der Grenze zu Jordanien verbinden. Auf einzelnen Abschnitten der Auto- und der Eisenbahn verübten die Kämpfer mehrfach Terroranschläge.

    Im April 2015 erschienen in Yarmuk IS-Kämpfer, und damit begann ihr Konflikt mit den Gruppierungen, die hier bis dahin das Sagen hatten. An diesen Auseinandersetzungen beteiligten sich unter anderem die hier lebenden Palästinenser, nämlich die Brigade von Liv al-Asif, die die FSA unterstützte, und die Volksfront zur Befreiung Palästinas, die mit den Regierungstruppen verbunden war. Drei Jahre lang konnte dieser Konflikt nicht beigelegt werden, denn die meisten Kräfte der syrischen Armee kämpften damals in anderen Teilen des Landes. Und Damaskus blieb von den Terroristen blockiert.

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    Im April und Mai, nach dem Sieg in Deir ez-Zor, hatte das syrische Kommando endlich genug Kräfte, um Ost-Ghouta, das Territorium östlich von Damaskus, zu befreien, das ebenfalls ab 2012 von den Kämpfern kontrolliert wurde. Anfang April eroberten die Regierungstruppen Dschobar, den Ort im Westen Ost-Ghoutas, zurück. Und dann brach die ganze Verteidigung der Terroristen in Ost-Ghouta zusammen. Die syrische Armee teilte dieses Territorium in verschiedene Sektoren auf und befreite sie Schritt für Schritt vom IS und anderen terroristischen Gruppierungen. Endlich wurde der östliche Teil Damaskus‘ befreit, und dann waren die südlichen Bezirke an der Reihe.

    Letzter Stoß

    Russische Soldaten in Syrien (Archivbild)
    © AP Photo / Russian Defense Ministry Press Service
    Am 19. April stellte die syrische Regierung den IS-Terroristen in Yarmuk ein Ultimatum. Es wurde abgelehnt, und dann begann eine große Offensive der Regierungstruppen in den Bezirken al-Hadschar, al-Aswad, Scheich Zazi und Yarmuk. Innerhalb weniger Tage verloren die Terroristen etwa 150 Mann. Ihre Verteidigungsfront wurde durchbrochen, und schon am 1. Mai gaben die ersten Extremisten auf.

    Die Gefechte dauerten noch fast drei Wochen. Die Kämpfer wurden im Zentrum von Yarmuks eingekesselt, und am Ende mussten sie die Bedingungen der legitimen Damaskus-Besitzer akzeptieren. Am 20. Mai trafen in Yarmuk mehrere Dutzende Busse ein, die den Auftrag hatten, die Kämpfer nach Badiya (Provinz Idlib im Osten Syriens) zu bringen. Dorthin waren sie früher auch aus Aleppo, Deir ez-Zor und anderen Städten gebracht worden. Die siebenjährige Schlacht um Damaskus endete damit mit einem absoluten Sieg der syrischen Armee.

    Wie geht es weiter?

    Die nächste Richtung, in die die Assad-Kräfte ihre Offensive fortsetzen werden, könnte die Stadt Dara’a im Südwesten Syriens sein. Laut Medienberichten befinden sich einige Truppenteile schon auf der M5-Autobahn. Vor Kurzem warf die Luftwaffe in mehreren von den Kämpfern immer noch kontrollierten Städten dieser Provinz mehrere Tausend Flugblätter ab. Die Terroristen wurden aufgefordert, die Waffen niederzulegen und aufzugeben. Andernfalls wird eine große Offensive der Regierungsarmee beginnen. Das letzte Ziel dieser Offensive wäre der Ort Nasib an der Grenze zu Jordanien.

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    Gleichzeitig wird der Druck auf die „problematischste“ Provinz Idlib wieder ausgebaut, wo sich bis zu 30.000 bewaffnete IS-Kämpfer sowie Mitglieder anderer terroristischen Gruppierungen befinden. Am Dienstag versetzten die in Syrien stationierten russischen Luftstreitkräfte eine Serie von Schlägen gegen die Stellungen der Terroristen bei den Orten Scheich Ali, Arih und al-Mastuma. Laut Medienberichten wurde damit der von den Extremisten versuchte Drohnen-Angriff auf den Fliegerstützpunkt Hmeimim beantwortet. Das dort stationierte Luftabwehrsystem hatte diese Gefahr rechtzeitig neutralisiert.

    Im Allgemeinen bleibt die Situation in Idlib unruhig. Noch Mitte März hatten russische Medien berichtet, dort gebe es inzwischen Auseinandersetzungen zwischen der Fraktion Hayatt Tahrir asch-Scham (der unter anderem die al-Nusra-Front angehört) und der Gruppierung Dschebhat Tahrir as-Suriya. Diese Konfrontation dauert nach wie vor an. In der vorigen Woche äußerte der russische Syrien-Beauftragte Alexander Lawrentjew die Hoffnung, dass die Türkei bei der Regelung der Situation in Idlib helfen könnte.

    „Was die erste Deeskalationszone in Idlib angeht, so rechnen wir nach wie vor mit der Mitwirkung unserer türkischen Kollegen, die sich zur Stabilisierung der Situation in diesem Gebiet verpflichtet haben. Die Hauptsache ist, dass mögliche neue Konfrontationsaktionen zwischen den in Idlib verbliebenden Oppositionellen und den Regierungstruppen unterbunden werden“, so der russische Diplomat.

    * Islamischer Staat (IS, auch Daesh), eine in Russland verbotene Terrorvereinigung

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    Tags:
    Zukunft, Bekämpfung, Terrorismus, Sieg, IS, Freie Syrische Armee (FSA), Baschar al-Assad, Jordanien, Syrien