16:43 20 September 2018
SNA Radio
    MH17-Abschuss (Archiv)

    MH17-Absturz: Handvermerk an Rakete gefunden – was hat es damit auf sich?

    © REUTERS / Michael Kooren
    Politik
    Zum Kurzlink
    2011201

    Das internationale Ermittlerteam JIT hat am Donnerstag in der niederländischen Stadt Bunnik das Wrack des Körpers und anderer Teile einer Fla-Rakete vorgeführt, die am Absturzort der Boeing 777 der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH17 im Donbass gefunden worden sein sollen.

    Wie die australische Vertreterin Jennifer Hurst erklärte, wurden diese Wrackteile von JIT-Experten entdeckt und von Kriminalisten geprüft. Nach ihren Worten wurden sie unter anderem auf Sprengstoffspuren untersucht. Auch strukturelle Eigenschaften einzelner Metallelemente sowie Farbmuster seien analysiert worden.

    „Unter anderem wurden die Muster von verschiedenen Modellen der Buk-Rakete visuell verglichen“, fügte sie hinzu.

    Dabei verwies Hurst darauf, dass die Wrackteile des Raketenhecks noch im September 2016 vorgeführt worden seien.

    Die Ermittler sollen ferner auf mehrere Charakteristika der Wrackteile aufmerksam gemacht haben, darunter auch auf alphanumerische Kennzeichnungen, nach denen das Modell und der Produktionsort der Rakete bestimmt werden könnten.

    Zudem teilte Hurst mit, am Raketenkopf sei ein Handvermerk entdeckt worden. In diesem Zusammenhang rief sie jene auf, die über Informationen darüber verfügen, diese mitzuteilen. Wem die Handschrift gehört und was einige Ziffern bedeuten, müsse dringend herausgefunden werden.

    „Alle Daten, die im Laufe der Ermittlung bekommen wurden, bestätigen die frühere Schlussfolgerung, dass die Boeing von einer Rakete Buk 9A38 abgeschossen wurde“, sagte die australische Vertreterin.

    „Höchstwahrscheinlich ist es eine Provokation“

    Indes beteuerte das Verteidigungsministerium der selbsterklärten Volksrepublik Donbass, dass es zum Zeitpunkt des Boeing-Absturzes keine Buk-Rakete aus russischer Produktion im Donbass gegeben habe.

    „Wir haben weder damals noch jetzt über russische Waffen, darunter auch über Buk-Komplexe, verfügt“, sagte Eduard Bassurin von der Donezker Militärführung.

    Seiner Ansicht nach ist es praktisch unmöglich, nach ihrem Eintreffen festzustellen, woher die Rakete stammen könnte.

    „Man muss aber begreifen, dass derartige Komplexe im Dienst der ukrainischen Armee stehen. Sie sind alt. Die Raketen wurden für sie noch zu Sowjetzeiten gebaut. Nach dem Zerfall der Sowjetunion ist ein Teil der Waffen, darunter auch aus verschiedenen sowjetischen Armeeeinheiten, in der Ukraine geblieben. Deswegen ist es einfach unmöglich, die Herkunft der Rakete glaubwürdig festzustellen. Höchstwahrscheinlich ist es eine Provokation“, sagte Bassurin.

    Auch Russlands ständiger Vertreter bei der EU Wladimir Tschischow schätzte den Zwischenbericht des internationalen Untersuchungsteams zur Untersuchung der Umstände des Boeing-Absturzes skeptisch ein. Die Vermutung, dass die Maschine von einer russischen Buk-Rakete abgeschossen worden sei, sei „eine alte Geschichte“. „Sie wurde noch damals, im Jahr 2014, in den Informationsraum eingeworfen“, sagte Tschischow.

    Zuvor am Donnerstag hatte das internationale Ermittlerteam behauptet, dass das Luftabwehrsystem, das im Juli 2014 die Boeing 777 der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH17 zum Absturz brachte, aus dem russischen Militär stammen soll.

    Diese Behauptung sollen zahlreiche Fotos, Videos und Aussagen von Zeugen belegen. Welche genau, wurde nicht präzisiert.

    Moskau wies diese Schlüsse bisher als voreingenommen zurück: Die Ermittler bauten ihre Version allein auf Angaben, die von der ukrainischen Regierung übermittelt worden waren.

    Die Boeing 777 der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH17 war am 17. Juli 2014 im umkämpften ostukrainischen Gebiet Donezk abgestürzt. Alle 298 Insassen der Verkehrsmaschine, die von Amsterdam nach Malaysia unterwegs war, kamen ums Leben. In der Region lieferten sich die ukrainische Armee und bewaffnete Regierungsgegner heftige Gefechte. Die Regierung in Kiew und die Milizen warfen sich gegenseitig vor, den Jet abgeschossen zu haben.

     

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    MH-17: Russlands Ex-Luftwaffenchef wirft niederländischen Ermittlern Sabotage vor
    Kreml-Sprecher: MH-17-Ermittlungsbericht enthält viele Widersprüche und keine Beweise
    Russische Militärs: Ukraine lenkt Ermittlung zu MH-17-Abschuss auf falsche Spur
    MH-17-Absturz: Russisches Ministerium wirft Bellingcat Entstellung der Fakten vor
    Tags:
    Ermittlungen, Absturz, MH-17, Jennifer Hurst, Wladimir Tschischow, Eduard Bassurin, Niederlande, Donbass, Russland, Ukraine